Archäologische Voruntersuchungen im Baugebiet "Harheimer Weg" in Massenheim (Wetteraukreis)

Bei einem Vor-Ort-Termin am 27.08.2021 mit dem Ersten Stadtrat Sebastian Wysocki (Bad Vilbel) und Pressevertretern wurden erste Untersuchungsergebnisse vorgestellt.

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Pressefoto: Carolin Johanning M.A., Grabungsleiter Christian Lengemann M. Sc., Prof. Dr. Claus Dobiat (alle WiBa)), Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (Bad Vilbel), Hardy Prison M.A. (hessenARCHÄOLOGIE), Dr. Jörg Lindenthal (Kreisarchäologie Wetteraukreis)
Carolin Johanning M.A., Grabungsleiter Christian Lengemann M. Sc., Prof. Dr. Claus Dobiat (alle WiBa), Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (Bad Vilbel), Hardy Prison M.A. (hessenARCHÄOLOGIE) und Dr. Jörg Lindenthal (Kreisarchäologie Wetteraukreis).

Im Beisein des Ersten Stadtrates Sebastian Wysocki (Bad Vilbel) fand für die Presse eine Präsentation erster Grabungsergebnisse durch die ausführende archäologische Fachfirma Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e.V. in Absprache mit der Kreisarchäologie des Wetteraukreises und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, statt. Anwesend waren neben dem zuständigen Kreisarchäologen des Wetteraukreises, Dr. Jörg Lindenthal, auch der Bezirksarchäologe Hardy Prison M.A. (LfDH, hessenARCHÄOLOGIE) und Prof. Dr. Claus Dobiat (Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e.V.).

Bevor die ersten Gebäude hier errichtet werden, wurde das dafür infrage kommende Areal geomagnetisch untersucht. Sowohl diese als auch alle folgenden Untersuchungen wurden in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Vilbel und der Kreisarchäologie des Wetteraukreises durchgeführt, um für die nachfolgenden Planungsschritte Sicherheit zu bekommen. Für dieses Gebiet bestand der Verdacht, dass sich hier Überreste von Bodendenkmälern befinden. Aufgrund festgestellter Bodenanomalien, die diesen Verdacht zu bestätigen schienen, wurde im Nachgang eine archäologische Voruntersuchung notwendig. So konnte der zuständige Grabungsleiter Christian Lengemann M. Sc. bei diesem Termin den Anwesenden Befunde und Funde präsentieren. Neben Siedlungsspuren – hauptsächlich aus der Frühlatenèzeit (450- 250 v. Chr.)  in Form von kegelförmigen Vorratsgruben, die sekundär als Abfallgruben verwendet wurden, und Resten eines Grubenhauses konnten noch vereinzelte Reste von Pfostengruben dokumentiert werden. Bisher ergeben letztere jedoch noch kein stimmiges Bild für einen Hausgrundriss. Alle bisher aufgedeckten Siedlungsspuren und Funde verweisen auf die Existenz eines eisenzeitlichen Gehöftes oder Weilers an dieser Stelle. Spannend bleibt noch die abschließende Bearbeitung eines weiteren Befundes. Dabei handelt es sich um die Überreste einer vermutlich mittelbronzezeitlichen Bestattung, die bei der Anlage des eisenzeitlichen Hofes unerkannt durch den Bau eines Grabens gestört wurde.

Die geborgenen Objekte untermauern und ergänzen die bisher gemachten Beobachtungen. In der Regel handelt es sich um zerscherbtes, teilweise bereits scheibengedrehtes Keramikmaterial, das im Alltag Verwendung fand und wohl auch vor Ort im Hausbrand hergestellt wurde. Auffallend hingegen ist das Fragment einer verzierten sogenannten Braubacher Schale, gefertigt aus fein aufbereitetem Ton mit geglätteter Oberfläche, versehen mit einer Kreisstempelverzierung auf der Innenseite der Standfläche. Derart qualitätvoll gearbeitete Objekte sind hingegen in der Regel verhandelt worden und waren wohl eher ein Prestige- und weniger ein Gebrauchsobjekt für den Besitzer. Daneben fanden sich auch zahlreiche stark korrodierte Objekte aus Eisen, wie z.B. ein Messer oder eine Speerspitze. Auch Schmuckstücke dieser Zeit kamen ans Licht, wie etwa eine kobaltblaue Glasperle mit gelber Spiralaugenzier. Hinweise auf häusliches Handwerk geben die zahlreichen Funde von Spinnwirteln aus Ton in unterschiedlicher Ausprägung. Auffallend ist ein Objekt, das auf den ersten Blick eher an ein altertümliches „JoJo“ erinnert.

Angedacht ist, die Ergebnisse nach Ende der Arbeiten im Rahmen eines öffentlichen Vortrages in Massenheim oder Bad Vilbel einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Maßnahme ist zudem ein erneuter Beweis dafür, was möglich ist, wenn alle Beteiligten sich rechtzeitig „mit ins Boot nehmen“ und gut und einvernehmlich zusammenarbeiten.
Daher: Herzlichen Dank an alle!

Dr. Beate Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
08.09.2021