Tag des offenen Denkmals 2019 im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden eröffnet

Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, hat den Tag des offenen Denkmals in Hessen am 8. September im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden eröffnet.

Artikelbild.jpg

Blick in das Kasino des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden
Der Charakter des 50er Jahre Gebäudes konnte durch den Erhalt der Proportionen, durch die Ausstattung und die Leuchten erhalten werden.

"Denkmäler sind Quellen und Zeugnisse unserer Geschichte und unserer Entwicklung. Der Tag des offenen Denkmals macht auf unser historisches Erbe aufmerksam und bietet zugleich eine tolle Gelegenheit, die vielfältigen Kulturdenkmäler unseres Landes zu besichtigen. Dabei entdeckt man auch, wie viel bürgerliches Engagement in der Denkmalpflege steckt. Dafür gilt es, allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern zu danken. Die Hessische Landesregierung unterstützt den Erhalt und die Pflege unseres schützenswerten Kulturguts. Wir stellen für die Denkmalpflege rund acht Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung", sagte Staatssekretärin Ayse Asar vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst anlässlich der Eröffnungsveranstaltung des Tages des offenen Denkmals in Hessen heute vor rund 200 Gästen im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden.

Zeitgemäße Arbeitswelten für neue Herausforderungen

„Die bauliche Umgebung, in der wir arbeiten, hat einen wesentlichen Anteil am Gelingen von Arbeitsprozessen. Nach wie vor sind interdisziplinäres Arbeiten, transparente Kommunikation, ein offenes Arbeitsumfeld und Vernetzung wesentliche Faktoren zur Bewältigung aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen“, sagte Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Der ständige Blick auf den Wandel bedürfe des Aufbrechens von Hierarchien, jeder könne und solle seine Ideen einbringen. Bis heute sei es eine große Herausforderung zeitgemäßer Arbeitswelten, Technik, Kultur und die Bedürfnisse der Menschen zu vereinen. Nur wenn dies gelänge, könnte die aktuelle Herausforderung der digitalen Transformation bewältigt werden. Walter Gropius, der Gründer des Bauhauses habe dies mit seinem Aussage „Der Geist ist wie ein Fallschirm: er kann nur funktionieren, wenn er offen ist“ auf den Punkt gebracht.

Das Bauhaus weiter gedacht

„Als von den Ideen des Bauhauses geprägter Verwaltungskomplex der Nachkriegszeit, dessen Sanierung unter Mitwirkung der Denkmalbehörden 2018 abgeschlossen werden konnte, eignet sich das Gebäude des Statistischen Bundesamtes in besonderer Weise für die zentrale Eröffnung des Tages des offenen Denkmals in Hessen“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Die Bauhausarchitektur stehe für den Aufbruch in eine demokratische Gesellschaftsordnung. Nicht verschwiegen werden dürfe allerdings auch, dass die Ideen des Bauhauses insbesondere in den Bereichen Ausstellung, Fotografie, Reklame und Gestaltung keineswegs resistent gegen eine faschistische Aneignung gewesen seien.
Ganz anders liege der Fall mit der durch die Bauhausschüler geprägten Gründung der Stadt Tel Aviv, die seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehöre. In den USA sei mit der Berufung von Walter Gropius an die Harvard University 1937 und der zeitgleichen Aufnahme der Lehrtätigkeit von Mies van der Rohe am Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago ein neues Wirken des Bauhauses möglich geworden. Als Synonym für den International Stil zeitigte die neue Bauweise mit Stahl, Glas und klaren Linien weltweit Erfolge.

Harzenetter ermunterte alle Bürgerinnen und Bürger in Hessen dazu, sich am Tag des offenen Denkmals auf den Weg zu einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit zu machen. Er dankte allen, die auch in diesem Jahr im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements zum Gelingen des Tages, der mittlerweile zu den größten Kulturveranstaltungen Deutschlands gehöre beigetragen hätten.

Denkmalpflege, Nachhaltigkeit und moderne Arbeitsatmosphäre in Einklang gebracht

Das in den 50er Jahren erbaute Gebäudeensemble des Statistischen Bundesamtes prägt die Stadtsilhouette von Wiesbaden. Mangelhafter Brandschutz, schadstoffhaltige Bauteile, statische Probleme und eine kritische Energiebilanz zwangen zu einer kompletten Grundinstandsetzung des Gebäudes. Besonderen Wert wurde auf die Einrichtung von hellen und offenen Kommunikationszonen gelegt, in denen sich die Mitarbeiter gerne aufhalten und arbeiten.  Mit dem Kasino, das ebenoso wie das gesamte Gebäudeensemble in vielen Details den Charakter der 50er Jahre-Architektur bewahrt hat, wurde die Sanierung 2018 abgeschlossen.

Der Tag des offenen Denkmals

Im ganzen Land engagierten sich am Tag des offenen Denkmals 470 Denkmaleigentümer, Fördervereine und Initiativen. Rund 160 000 Besucher nutzten die Gelegenheit zu Streifzügen in die Vergangenheit.

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days, einer vom Europarat und der Europäischen Union unterstützten Aktion. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert den Tag des offenen Denkmals bundesweit.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege