Nicht nur die ästhetischen Dimensionen der Bauhaus- Architektur wieder entdecken

Der Neujahrsempfang des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen stand unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Anlässlich des hundertsten Jubiläums des Bauhauses und in Vorbereitung auf den Tag des offenen Denkmals 2019 informierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen über aktuelle Themen aus den Abteilungen der Bau- und Kunstdenkmalpflege und der archäologischen Denkmalpflege.

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Mundipharma Werk in Limburg
Mundipharma Werk in Limburg.

Zum Bauhausjubiläum

„Es geht nicht nur darum, die ästhetischen Errungenschaften der Bauhausarchitektur wieder zu entdecken, sondern auch ihre politische und soziale Dimension“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen heute beim Neujahrsempfang vor rund 250 geladenen Gästen. Die Bauhausarchitektur sei der Form gewordene Aufbruch in eine demokratische Gesellschaftsordnung und damit etwas radikal Neues gewesen. Die nüchterne Klarheit der aus dem Geiste der Technik und der Konstruktion erbauten Formen in der Architektur stehe für eine neue Lebensidee im Zeichen der Vernunft. Erst durch die systematische Erfassung der Vielzahl von Kulturdenkmälern in Hessen, die durch das Bauhaus geprägt worden seien, gelinge der resümierende Rückblick darauf, in welchem Maße die Ideen des Bauhauses bis in unsere Gegenwart hinein reichten.

Ausgehend von der Idee der funktionellen Stadt mit ihren Bereichen für Arbeiten, Wohnen, Erholen und Verkehr skizzierte Dr. Ralf Dorn, wissenschaftlicher Mitarbeiter, in seinem Vortrag „form follows function“ die Entwicklung des Bauhauses und seinen Einfluss auf hessische Funktionsbauten wie etwa das Dyckerhoff Zementwerk in Mainz-Amöneburg, das „Prüfamt 6“ der städtischen Elektrizitätswerke in Frankfurt oder auch die Gebäude der Mundipharma GmbH in Limburg. „Heute wissen wir, dass Städte, die als streng geometrische Anlagen mit Funktionsbauten für Büros, Hotels und Wohneinheiten gebaut werden, nicht dem menschlichen Bedürfnis nach Vielfalt und Kommunikation gerecht wurden“, resümierte Heinz Wionski, Abteilungsleiter Bau- und Kunstdenkmalpflege, im Rahmen seines Vortrags „Form follows fiasco“. Zweifellos aber lohne sich der Blick auf Vorläufer der Bauhaus-Zeit und auf Bauten der 1920er Jahre aus dem Umfeld der Bauhaus-Protagonisten. Heute bemesse sich ihr Denkmalwert und Fragen ihrer Pflege und Erhaltung aus ihrer Zugehörigkeit zum Bauhaus.

Aktuelle Themen der archäologischen Denkmalpflege

Unter dem Titel „Zwischen Zerstören und Bewahren – Archäologie in Hessen 2018" berichtete Dr. Sabine Schade-Lindig, stellv. Abteilungsleiterin der hessenARCHÄOLOGIE, über die wichtigsten Grabungsergebnisse des letzten Jahres. Im Spagat zwischen einer die Befundstrukturen zerstörenden Ausgrabung und dem Versuch, Kulturdenkdenkmäler langfristig im Boden belassen zu können, müsse die archäologischen Denkmalpflege immer häufiger dem Baudruck weichen. Lineare Großprojekte stellte Dr. Sandra Sosnowski, Bezirksarchäologin, am Beispiel einer zehn Kilometer langen Verbindungslinie im Süden der Stadt Gießen vor. Der vom Bundestag beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie und die damit verbundene Energiewende erforderten umfassende Umbauten der Energieinfrastruktur. Derartige Maßnahmen seien zumeist mit massiven Bodeneingriffen verbunden, welche die staatliche Bodendenkmalpflege vor große Herausforderung stellten.
Angelika Ulbrich, komm. Leiterin der archäologischen Restaurierungswerkstatt, sprach über die Restaurierung eines ungewöhnlichen keltischen Grabinventars, das 2017 an der B 260 nahe Bad Schwalbach entdeckt wurde. In der sorgfältig gearbeiteten Grabgrube aus Schiefer habe sich ein Keramikgefäß und einen Kupferkessel befunden, der als Urnengefäß genutzt worden sei. Neben Teilen eines eisernen Gürtels und zwei Eisenfibeln habe der Kessel außergewöhnlich gut erhaltene Textilien enthalten. Die aufwändige Restaurierung der Objekte habe sich auf Grund des schlechten Erhaltungszustandes als sehr schwierig erwiesen, zeige aber spannende Ergebnisse.

Kalender zum Bauhaus – Restbestände noch verfügbar

Anlässlich des 100. Jubiläums des Bauhauses hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen einen Kalender herausgegeben. Er ist den Bauten gewidmet, die im Vorfeld des Bauhauses entstanden sind oder seinem Umfeld zuzurechnen sind. Noch gibt es Restbestände. Diese können während der Öffnungszeiten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen Montag bis Freitag von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr sowie Montag bis Donnerstag von 13:30 Uhr bis 15:30 Uhr in der Zentrale, Rheingaustraße 140, 65203 Wiesbaden, abgeholt werden.

Tag des offenen Denkmals 2019

Anmeldungen zum Tag des offenen Denkmals nimmt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz entgegen. Die hessenweite Eröffnungsveranstaltung findet am 7. September im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden statt.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege