Das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg

Am 8. Oktober fand anlässlich des Erscheinens des dritten Bandes der „Glauberg-Studien“ das erste Glauberger Werkstattgespräch in der Keltenwelt am Glauberg statt. Der bereits im Juli 2018 erschienene Band enthält viele spannende Beiträge zu den Restaurierungsarbeiten an den herausragenden Grabfunden und zur Statue des berühmten „Keltenfürsten“.

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 A. Ulbrich, Dr. K. Jünger, Dr. A. G. Posluschny, Maria Messingschlager M.A., Thomas Lessig-Weller M.A., Chr. Röder M.A., Dr. U. Recker, Dipl. Arch. N. Lockhoff und Dr. R. Schwab (v.l.n.r.).
A. Ulbrich, Dr. K. Jünger, Dr. A. G. Posluschny, Maria Messingschlager M.A., Thomas Lessig-Weller M.A., Chr. Röder M.A., Dr. U. Recker, Dipl. Arch. N. Lockhoff und Dr. R. Schwab (v.l.n.r.).

Gemeinsam mit der Restaurierungswerkstatt der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege Hessen veranstaltete das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg dieses Kolloquium, an dem 40 Personen teilnahmen.

In sieben kurzen Fachvorträgen referierten Kolleginnen und Kollegen der hessenARCHÄOLOGIE sowie deren Kooperationspartner zu Aspekten neuester Forschungen und Perspektiven – und dies nicht nur aus keltischer Zeit – rund um das Thema „Glauberg“.

Den Beginn machte Dr. Axel G. Poschluschny (Leiter Forschungszentrum Keltenwelt am Glauberg) mit der Vorstellung der Grabungsergebnisse der Jahre 2017 und 2018, die eindrücklich verdeutlichen, dass der Glauberg bereits in neolithischer Zeit besiedelt war und noch vieles der Entdeckung harrt. Auch im nachfolgenden Beitrag konnte Dr. Posluschny gemeinsam mit Christoph Röder M.A. aufzeigen, dass die bei systematischen Begehungen des Glaubergplateaus geborgenen Fundobjekte die Attraktivität des Areals als Siedlungsgebiet unterstreichen.

Im Anschluss an diesen gab Beitrag Chr. Röder M.A. den Teilnehmern einen Einblick in die Grabungsergebnisse der diesjährigen Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE auf dem Glauberg. Im Fokus standen 2018 zwei mittelalterliche Gebäude- bzw. Hofstrukturen, die jeweils einen eigenen Keller aufweisen.

Maria Messingschlager M.A. (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) präsentierte erste Ergebnisse ihrer Doktorarbeit zu den frühlaténezeitlichen Fürstengräbern vom Glauberg.

Nach diesen drei „archäologielastigen“ Themen entführten Dr. Roland Schwab und Dipl.-Arch. Nicole Lockhoff (Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH Mannheim) mit ihrem Vortrag „Die Goldfunde vom Glauberg im Lichte der eisenzeitlichen Goldfunde: erste Ergebnisse“ die Zuhörer in die Welt der Metallbearbeitung.

Nach dem Grußwort durch Frau Dr. Vera Rupp (Direktorin der Keltenwelt am Glauberg) präsentierten Angelika Ulbrich (Archäologische Restaurierungswerkstatt, hessenARCHÄOLOGIE) und Dr. Konstanze Jünger einen 2017 bei Ausgrabungen bei Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) entdeckten und inzwischen restaurierten bronzenen Kessel. Er war Teil einer eisenzeitlichen Grabausstattung, die etwa in die Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends datiert. Das Objekt wurde im Block gesichert und geborgen und in die Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE gebracht, um hier unter Laborbedingungen wichtigen Detailfragen, wie dem Nachweis weiterer Grabbeigaben nachzugehen und diese zu konservieren. In diesem Zuge wurde gleichzeitig vorhandener Leichenbrand für weitergehende Untersuchungen gesichert. Bei der Freilegung des Kesselinhalts konnten nicht nur zahlreiche Holzreste und Leichenbrandfragmente geborgen werden, sondern überraschenderweise auch umfangreiche Mengen von Textilresten.

In einem abschließenden Vortrag erläuterte Thomas Lessig-Weller M.A. (Museumspädagogik, Keltenwelt am Glauberg) in seinem Vortrag „Die Grablege des Glauberger Fürsten rekonstruiert – Planungen und Grundlagen“ die Problematik im Umgang mit Rekonstruktionen und Modellen als wichtiges Vermittlungsinstrument für die Veranschaulichung wissenschaftlicher Erkenntnisse in und für die Öffentlichkeit.

Zum Ende der Veranstaltung bedankte sich Herr Dr. Udo Recker (Landesarchäologe) bei den Teilnehmern des ersten Glauberger Werkstattgespräches und brachte seinen Wusch zum Ausdruck, dass dieser Veranstaltung zukünftig noch weitere folgen mögen. Den Autorinnen und Autoren des dritten Bandes der „Glauberg Studien“ dankte auch Recker nochmals explizit für ihr Engagement.

Dazu heißt es im Vorwort dieses Buches: „[…] Mit der Vorlage dieses ersten Bandes zu den „Fürstengräbern“ am Glauberg, einer intern gerne als „Restauratorenband“ bezeichneten Publikation, soll nicht zuletzt die hervorragende Arbeit der vielen beteiligten Kolleginnen und Kollegen in der Archäologischen Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE in Wiesbaden gewürdigt werden. Über einen Zeitraum von beinahe zwei Jahrzehnten erstreckten sich die sehr aufwendigen Freilegungs-, Dokumentations- und Restaurierungs- bzw. Konservierungsarbeiten der Funde aus den drei reich ausgestatteten Gräbern. Diese Arbeiten haben einerseits eine wissenschaftliche Auswertung erst ermöglicht und waren andererseits in mancher Hinsicht bereits Teil derselben […]“.

Oder kürzer: Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren der Veranstaltung und an alle Beteiligten, die dieses Buch möglich gemacht haben!

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE