„Vergessenes“ Vulkanglas

„Kein Material überwindet so sehr die Materie wie Glas. Von allen Stoffen, die wir haben, wirkt es am elementarsten. Es spiegelt den Himmel und die Sonne, es ist wie lichtes Wasser und es hat einen Reichtum der Möglichkeiten in Farbe, Form und Charakter, der wirklich nicht zu erschöpfen ist und der keinen Menschen gleichgültig lassen kann.” (Paul C. W. Scheerbart 1863-1915).

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Vulkanische Gläser
Vulkanische Gläser

Im Zuge eines Vortrags am 24.01.2019 wurden die eindrucksvolle Farbenvielfalt vulkanisch verglaster Sandsteine vorgestellt, welche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hessen und weiteren Vulkangebieten Deutschlands gefunden wurden. Zum einen sind dies an Kontaktzonen zwischen vulkanischen Förderprodukten und anstehenden Buntsandsteinablagerungen entstandene und zu Ehren des Geologen Christian Leopold von Buch (1774-1853) als „Buchite” bezeichnete Gläser. Zum anderen sind es äußerlich verglaste Nebengesteinsfragmente, welche jüngst als „Exotzamite“ wissenschaftlich erstbeschrieben wurden.

Natürlich entstandene Gläser faszinieren schon aufgrund ihrer Bildungsbedingungen: Vulkanausbrüche, Meteoriten- und Blitzeinschläge vermögen siliziumreiche Gesteine oder Sedimente zu Glas aufzuschmelzen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Hessen vulkanische Gläser gefunden. Sie entstanden an Kontaktzonen zwischen vulkanischen Förderprodukten und anstehenden Buntsandsteinablagerungen und wurden zu Ehren des Geologen Christian Leopold von Buch (1774-1853) als „Buchite” bezeichnet. Bei diesen Erscheinungen handelt es sich um zumeist von gräulich-schwärzlichem Glas durchzogene Sandsteine. Überaus farbenprächtig zeigen sich dagegen die nicht an Kontaktzonen verglasten Sandsteine. Sie kommen als isolierte Nebengesteinsfragmente innerhalb der Basalte und Schlacken weiterer Vulkanregionen vor und zeigen äußere, zum Teil zu Edelsteinen schleifbare Glasschmelzkrusten. Im Gegensatz zu den Buchiten der hessischen Lokalitäten sind diese jedoch nicht von Glas durchzogen. Letztgenannte Vulkangläser wurden jüngst als „Exotzamite“ wissenschaftlich erstbeschrieben (Bohatý 2016). Aufgrund ihrer Ästhetik und ihres mitunter künstlichen Aussehens vermerkte bereits der Geologe und ehemalige Direktor des Museums Wiesbaden, Prof. Dr. Carl Thomae (1835): „Wer die Stücke nicht selbst an Ort und Stelle zwischen den braunen Schlacken hervorzog, möchte schwören, sie seien aus einem Porzellanofen.”

Dr. J. Bohatý, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE