Mein Haus wird Denkmal!

  1. Was ist ein Kulturdenkmal?
  2. Was heißt "Gesamtanlage"?
  3. Was ist das Denkmalbuch und welche Folgen hat ein Eintrag
  4. Kann ich einem Eintrag widersprechen?

1. Was ist ein Kulturdenkmal?

Das hessische Denkmalschutzgesetz nennt in § 2 Kulturdenkmäler „Sachen, Sachteile und Sachgesamtheiten, an deren Erhaltung aus künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, geschichtlichen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht": Diese Denkmäler hat das Landesamt für Denkmalpflege nach landeseinheitlichen Maßstäben zu erfassen und zu dokumentieren.

  • Geschichtliche Gründe sind die wichtigste Kategorie der Denkmalpflege. Geschichtsdenkmäler können Objekte wegen ihrer Bedeutung für Rechts-, Sozial-, Wirtschafts-, Religions- und vor allem der Heimatgeschichte sein. Ebenso kommen Stätten eines wichtigen politischen Ereignisses oder des Wirkens einer bedeutenden historischen Persönlichkeit in Betracht. Nicht nur die Geschichte der Herrschaft, der Kirche und der Bürgerschaft gilt es zu sehen und zu bewahren, auch die Geschichte der Verfolgten, der sozial schwachen Schichten, der Tagelöhner und Arbeiter stellt ihre Denkmäler der Mühsal und des Leidens mit Recht dar. Der „Denkmal"-Begriff legt bei vielen Zeugnissen der jüdischen hessischen Bevölkerung und ihrer Verfolgung seinen eigentlichen Wortsinn, auch deren Bedeutung als Mahnmal, offen.
  • Künstlerische Gründe liegen insbesondere dann vor, wenn Bauwerke das ästhetische Empfinden in besonderem Maße ansprechen oder wenn sich im Bauwerk künstlerische Inspiration und Gestaltungskraft verwirklicht haben. Kunstgeschichtliche Gründe sprechen für ein Objekt, wenn ein Bau ein charakteristischer Vertreter einer Kunstrichtung oder Stilepoche ist und so die Entwicklung der Baugeschichte verdeutlicht. Künstlerischer Wert kommt dem Kunst- oder Baudenkmal besonderer Qualität, aber auch dem bescheideneren Kunstwerk im Rahmen seines jeweiligen Zusammenhangs zu. Herrenhäusern, Parks, Rathäusern, Stadtbefestigungsanlagen und städtischen Gebäuden stehen als gleichwertig anzusehende, sorgsam gestaltete Bauernhäuser und Katen, städtische Mietwohnungshäuser und Villen gegenüber. Auch einfachere Innenausstattungen wie Treppen, Stuckdecken, bemalte Balkendecken und Wände, Vertäfelungen, Türen, Mobiliar oder Öfen sind bedeutsame künstlerische Zeugnisse früherer Wohnkultur.
  • Wissenschaftliche Gründe sind anzunehmen bei Gegenständen oder Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung in sämtlichen wissenschaftlichen Gebieten. Es reicht grundsätzlich jede Art von wissenschaftlichem Interesse aus, das auf einen Erkenntniszuwachs ausgerichtet ist. Entscheidend ist, dass die Sache als Gegenstand der Forschung – z. B. der ur- und frühgeschichtlichen, archäologischen, paläontologischen, kunst- und architekturhistorischen, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Forschung – einen Wert hat. Es genügt, dass die Sache als Objekt für die Forschungstätigkeit der Wissenschaft oder für einen Wissenschaftszweig – in welcher Disziplin auch immer – geeignet ist.
  • Technische Denkmäler sind Zeugnisse der Entwicklung der Ingenieurkunst und zeichnen sich z. B. durch Innovation oder konstruktive Durchdringung aus. Beispielhafte Ingenieurleistungen der Industriellen Revolution sind hier genauso angesprochen wie technisch herausragende Bauwerke sowie technische Qualitäten in der Fertigungsmethode. Auch Belege herausragender Erfinder- und Ingenieurpersönlichkeiten zählen hierzu.
  • Städtebauliche Gründe liegen vor, wenn ein Bauwerk Dokumentationswert in der stadträumlichen Beziehung des historischen Straßenverlaufs besitzt oder in einer Weise stadtbild- oder straßenbildprägend ist, dass es über einen bloßen historischen Beleg hinaus eine städtebauliche Bedeutung gewinnt. Der städtebauliche Wert eines Kulturdenkmals liegt im Allgemeinen in dem für das Orts- und Landschaftsbild wichtigen Zusammenhang. Hier kann das Einzelbauwerk eine besondere Stellung einnehmen oder die Gruppe zusammenstehender Gebäude das Straßen- oder Platzbild und sogar einen ganzen Stadtteil prägen. Einen ähnlichen Zusammenhang offenbaren auch einheitlich geplante und ausgeführte Siedlungen sowie Stadtbezirke. Zu städtebaulich wichtigen Zeugnissen gehören ferner Reste untergegangener Wehranlagen, die nur noch im Stadtgrundriss ablesbar blieben, Straßen- und Wegeverläufe, die für die Entwicklung bestimmter Bereiche und die Neubildung von Stadtteilen kennzeichnend wurden, aber auch die Parzellenstruktur von Siedlungskernen, die das Siedlungsgefüge aus der Gründungszeit bis in die Gegenwart überliefert.

Die verschiedenen Argumente für den Denkmalwert müssen so gewichtig sein, dass ein „öffentliches Interesse" an der Erhaltung bejaht werden kann. Das ist regelmäßig dann gegeben, wenn nach Auffassung eines breiten Kreises von Fachleuten die Erhaltungswürdigkeit vorliegt. Eine besondere Seltenheit oder der sogenannte „letzte Vertreter" muss indessen bei dem Objekt nicht vorliegen.

Zu beachten ist auch, dass der Erhaltungszustand des Objekts, die Nutzungsabsichten des Eigentümers oder die mit der Erhaltung des Objekts zusammenhängende wirtschaftliche Belastung hier grundsätzlich keine Rolle spielen.

Diese Argumente können erst gehört werden, wenn es um konkrete Veränderungswünsche geht, die zu einem Genehmigungsverfahren führen (siehe unten).

2. Was heißt „Gesamtanlage"?

Denkmalschutz besteht auch für historische Ortslagen, die sich geschlossen und in typischer Weise erhalten haben. Dazu kann

  • ein mittelalterlicher Ortskern,
  • eine Ackerbürgerstadt in Fachwerk,
  • ein Stadtquartier der Gründerzeit oder
  • eine regionaltypische Siedlungsform wie Straßen- oder Haufendorf,

die mit ihren charakteristischen Merkmalen noch heute erkennbar sind, zählen.

Diese Ortsteile und Straßenzüge werden als Gesamtanlage geschützt. An diesem Schutz nehmen alle Häuser teil, die innerhalb ihrer Grenzen liegen. Geschützt sind die historische Substanz und die Wirkung, also das historische Erscheinungsbild der Anlage. Nur Maßnahmen, die diese Schutzgüter nachhaltig und dauerhaft beeinträchtigen, können abgelehnt werden.
Verbesserungen in der Gesamtanlage sind stets willkommen; unerhebliche Arbeiten an Objekten, die keinen wesentlichen Beitrag zum Ensemble darstellen, sind in der Regel unproblematisch.
Die Mitsprache der Denkmalpflege will hier vor allem sicherstellen, dass das historische Ortsbild von störenden Einflüssen freigehalten wird.

3. Was ist das Denkmalbuch und welche Folge hat ein Eintrag?

Kulturdenkmäler werden in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Mit dem behördlichen Schreiben, dass ein Gebäude aus den angegebenen Gründen ein Kulturdenkmal ist, wird der Eigentümer über die nachrichtliche Eintragung in das Denkmalverzeichnis informiert.

Denkmal „ist", was die gesetzlichen Merkmale eines Kulturdenkmals erfüllt. Es braucht für diese Ausweisung also keinen Verwaltungsakt, die Denkmaleigenschaft tritt „ipso iure" (Rechtsformel, die besagt, dass die Rechtsfolgen einer Tat von selbst eintreten) ein.

"Nachrichtlich" bedeutet dabei, dass die Denkmaleigenschaft automatisch zur Aufnahme in das Denkmalverzeichnis führt; ebenso führen die Verneinung oder der Verlust der Denkmaleigenschaft automatisch zur Streichung aus diesem Verzeichnis.

4. Kann ich einem Eintrag widersprechen?

Ein förmlicher Widerspruch gegen eine Denkmalinformation ist in Hessen nicht vorgesehen und auch nicht nötig.

Gleichwohl muss sich der Eigentümer mit den Gründen der Denkmaleigenschaft auseinandersetzen, wenn dieser mit der Einstufung als Kulturdenkmal nicht einverstanden sind.
Hierbei stehen ihm selbstverständlich Rechtsbehelfe des Verwaltungsrechts zur Verfügung:

Nach überwiegender Auffassung der hessischen Verwaltungsgerichte kann der Eigentümer ohne Beachtung von engen Fristen und Vorverfahren direkt beim Verwaltungsgericht eine sogenannte Feststellungsklage erheben.
Weiterhin kann der Eigentümer auch im Rahmen von konkreten Veränderungsplänen (Umbau, Renovierung, Abriss usw.) die Denkmaleigenschaft als Vorfrage zur Prüfung durch das Verwaltungsgericht stellen, wenn ihm ein Bauantrag nicht oder nicht im gewünschten Umfang genehmigt wurde.

Zu beachten ist, dass er dabei nur gehört wird, wenn er konkrete Tatsachen dafür vorträgt, dass die von der Denkmalfachbehörde festgestellten Eintragungsgründe (siehe oben 1. und 2.) nicht einschlägig sind, bspw. durch nicht erkannte Umbauten, falsch angenommene Erbauungszeiten etc., die das „öffentliche Interesse an der Erhaltung" schmälern oder wegfallen lassen können.