Jennifer Verhoeven: Zwischen Erhalten und Gestalten. Die Restaurierungen des Limburger Domes seit 1869

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Limburger Dom, Detail der Westfassade, Montage des steinsichtigen und verputzten Zustands
Limburger Dom, Detail der Westfassade, Montage des steinsichtigen und verputzten Zustands

Stuttgart 2006
180 S., kart.
ISBN 978-3-8062-2095-7, Preis: 19,80 €

Mit der Gründung des Bistums Limburg im Jahre 1827 und der Erhebung der Stifts- und Pfarrkirche SS. Georg und Nikolaus zur Kathedrale stieg das Interesse an der mittelalterlichen Architektur des Kirchenbaus in der Kunst- bzw. Architekturhistoriographie. Zeitlich versetzt stieg auch seine Beachtung durch die Denkmalpflege.

Der Limburger Dom, eine der bedeutendsten deutschen romanischen Kirchen mit stilistischen Elementen der rheinischen Spätromanik und ersten Formen der Frühgotik, erfuhr seitdem drei umfangreiche Restaurierungen in den 1870er und 1930er Jahren sowie von 1967 bis 1991.

Während jeder der drei Maßnahmen bestand ein anderes politisches System in Deutschland (preußische Kaiserzeit, „Drittes Reich”, Bundesrepublik Deutschland) und parallel zum politischen Umfeld veränderten sich auch die Ansätze und Auffassungen in der deutschen Baudenkmalpflege.

Aus der wechselseitigen Beziehung der Restaurierungsphasen mit signifikanten Daten der deutschen Geschichte zeichnet sich bereits ab, dass der Limburger Dom nicht nur ein Repräsentant der hochmittelalterlichen Baukunst ist, sondern auch zeitgenössisch als nationales Denkmal wahrgenommen und mit ideellen Werten belegt wurde.

Vor diesem Hintergrund stellt die Arbeit einerseits die denkmalpflegerischen Maßnahmen der einzelnen Restaurierungen dar. Andererseits versteht sie denkmalpflegerisches Handeln als Quelle von Geschichtsbildern und richtet daher den Fokus auf Darstellungsmuster, Motive und Strategien der Denkmalpflege bei ihrem Ziel, ihr Handeln zu legitimieren. Denkmalpflege, Mittelalterbilder und der Diskurs um die nationale Identität der Deutschen werden so in ein völlig neues Verhältnis zueinander gesetzt.