Eduard-Anthes-Preis 2019 für Frau Clarissa Agricola M. A.

Am 9. Mai verlieh der Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V. zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, in Darmstadt zum 18. Mal den Eduard-Anthes-Preis. Es handelt sich hierbei um den ältesten und höchstdotierten deutschen Archäologiepreis - Preisträgerin in diesem Jahr ist Frau Clarissa Agricola M. A. (Universität Köln).

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Gruppenbild mit der Preisträgerin Frau Clarissa Agricola M. A. (2. v.l.). Dr. Udo Recker (LfDH, hessenARCHÄOLOGIE), Prof. Dr. Franziska Lang (Vorsitzende Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V.), Prof. Dr. Fleur Kemmers (Univ. Fran
Dr. Udo Recker (LfDH, hessenARCHÄOLOGIE), Prof. Dr. Franziska Lang (Vorsitzende Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V.), Prof. Dr. Fleur Kemmers (Univ. Frankfurt), Clarissa Agricola M. A. und Staatssekretärin Ayse Asar (HMWK)

Preisverleihung

„Konnten wir uns 2017 darüber freuen, dass die Verleihung dieses wichtigen Preises nach Darmstadt zurückgekehrt ist, so ist die diesjährige Veranstaltung frei nach dem Motto wenn sich etwas wiederholt, ist es schon Tradition - ein Zeichen, dass der genius loci wieder seinen Reiz erzielt.“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß (Leiter des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt) als Hausherr die Anwesenden im Karolinensaal des Hauses der Geschichte zur Verleihung des Eduard-Anthes-Preises an Frau Clarissa Agricola M. A.

Die Verleihung fand durch die Staatssekretärin Ayse Asar (HMWK), den hessischen Landesarchäologen Dr. Udo Recker und die Vorsitzende der Altertumsfreunde Prof. Dr. Franziska Lang statt. Ayse Asar verwies in Ihrer Rede unter anderem darauf, dass die Preisträgerin nicht nur ein Kind des Landes ist, sondern auch einen durch das hessische Bildungssystem und die Hochschulpolitk geprägten Werdegang hat, der sich nun gewissermaßen mit diesem Preis bestätigt. Dies zeige, so Asar, „wie wichtig die Nachwuchsförderung in Hessen ist.“
Gruß- und Dankesworte sprach Iris Bachmann (Vertreterin der Wissenschaftsstadt Darmstadt), die stellvertretend für den Bürgermeister und den Magistrat die Anwesenden hier in Darmstadt willkommen hieß. Ihr folgte Prof. Dr. Franziska Lang in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V. Sie nahm diese Gelegenheit auch wahr, um eindringlich auf die beiden Themen „Ehrenamt“ und „Umgang mit dem kulturellen Erbe“ und die damit verbundenen Schwierigkeiten in Gesellschaft und Politik der heutigen Zeit einzugehen.

Abschließend bedankt sich auch Dr. Udo Recker bei allen Beteiligten, die diese Verleihung möglich gemacht haben. Er betonte mehrfach die große Bedeutung dieses Preises. „Eduard Anthes ist durch seine 1909 erfolgte Festanstellung als Denkmalpfleger für Altertümer am großherzoglichen-hessischen Haus in Darmstadt als erster Bodendenkmalpfleger Deutschlands anzusehen und begründete damit eine Tradition, die heute noch in der Arbeit unserer Außenstelle hier in Darmstadt fortgesetzt wird. In dieser Tradition der Bodendenkmalpflege und Archäologie reiht sich nun auch die Preisträgerin ein.“

Eine sehr persönlich gehaltene Laudatio auf die Preisträgerin sprach Frau Prof. Dr. Fleur Kemmers (Goethe-Universität Frankfurt), die die in diesem Jahr prämierte Promotion mit dem Titel „Der Wert des Besonderen – Römische und germanische Terra Nigra des 3. bis 5. Jahrhunderts n. Chr.“ begleitete und betreute. „Ein Prozess, der spannend, inspirierend und in vielerlei Hinsicht nie langweilig war.“ Wichtig war ihr auch „nicht nur die fachlichen Komponenten der Arbeit aufzuzeigen, sondern den Anwesenden auch etwas von der Person vermitteln zu können, die hinter dieser Arbeit steht...“ - dies ist ihr wunderbar gelungen.

Eduard-Anthes-Kolloquium

Nach dem Dank von Frau Agricola im Anschluss an die Preisverleihung, fand ab 15:00 Uhr das Eduard-Anthes-Kolloquium statt. Die Moderation lag in den Händen von Thomas Becker M. A. (Außenstellenkoordinator Außenstelle Darmstadt). Er stimmte - bedingt durch kurzfristigen Ausfall des erkrankten Referenten Klaus Frank M. A. (LVR – Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Overath) die Zuhörer mit Ausführungen zum Thema der Interaktion zwischen Germanen und Römern im 4. Jahrhundert im Umfeld des Rheines auf die nachfolgenden Themen ein.

Eingeleitet wurde dieser zweite Teil der Veranstaltung durch Clarissa Agricola M. A., die über Grundlagen, Methoden, Fragestellungen und Ergebnisse ihrer Arbeit referierte. Dr. Markus Helfert (Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Archäologische Wisenschaften) erläuterte die Methodik der Archäometrie am Beispiel der bisherigen Ergebnisse dieser Untersuchungen zu spätrömischer und frühalamannischer Keramik aus Groß-Gerau „Auf Esch“ des 3. bis 5. Jh. n. Chr. und die damit verbundenen Fragen zur der Lokalisierung der Töpfereistandorte. Zum Abschluss dieses Kolloquiums präsentierte Dr. Bernd Liesen (Archäologischer Park Xanten) die Ergebnisse zum Typen und Warenspektrum spätrömischer Keramik des 3. und 4. Jh. n. Chr. am Rhein am Beispiel des Fundortes Xanten, einem von zwei  „major towns in der Germania Secunda“, wie er es bezeichnete.
Musikalisch wurde diese Veranstaltung von zwei Musikern der Akademie für Tonkunst Darmstadt begleitet.

Auch an dieser Stelle beglückwünschen wir Frau Clarissa Agricola nochmals zum Gewinn des diesjährigen Eduard-Anthes-Preises und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE

Information

Dieser mit 7.500 € höchstdotierte deutsche Archäologiepreis wird im zweijährigen Rhythmus an junge Nachwuchswissenschaftler/innen für herausragende Dissertationen zur Archäologie des deutschen Mittelgebirgsraumes durch den Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e.V., dem Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der hessischen Landesarchäologie vergeben.