Ehemaliges Forsthaus in Staufenberg-Treis

Das 1669 erbaute Fachwerkhaus an der Hauptstraße in Staufenberg-Treis war Herrn Dr. Karl, der über Jahre zweimal täglich an dem Gebäude vorbeifuhr, aufgefallen, denn durch seine Lage und seine Gestalt setzte es sich deutlich von den übrigen Gebäuden ab. Es stand seit langem leer und war zunehmend dem Verfall preisgegeben.

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Das ehemalige Forsthaus in Staufenberg-Treis
Das ehemalige Forsthaus in Staufenberg-Treis

„Idyllische Mühlen im Tal instand setzen, kann ja jeder“, dachte sich Dr. Karl und erwarb das Haus. Er entsorgte 80 Tonnen Schutt und führte zwischen 2013 und 2018 eine umfängliche Sanierung durch. Wichtig war ihm dabei, soviel wie möglich von der historischen Bausubstanz zu erhalten, zu reparieren und nur dort zu ergänzen, wo historische Materialien nicht mehr zu retten waren. Inschriften, alte Putze und Schablonenmalereien aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie Reste eines Sandsteinbelags unter dem Fußboden wurden dokumentiert. Die originale Herdwand und Reste der alten Gefach- und Wandbemalungen sind als „Fenster in die Baugeschichte“ belassen und vermitteln den Besuchern eindrucksvoll die historischen Zeitschichten des Gebäudes. „Es war, als breite das Haus seine Geschichte vor uns aus“, so Karl. Eine Wandheizung sorgt für ein angenehmes Raumklima, die Lehminnendämmung gewährleistet eine gute Energiebilanz und wirkt schallisolierend. Im nicht ausgebauten, durchlüfteten Dachbereich aus der Erbauungszeit können künftig Fledermäuse ihr Sommerquartier finden und im Gewölbekeller überwintern. Alle handwerklichen Arbeiten wurden auf höchstem Niveau mit historischen Materialien durchgeführt – die Aufgabe hat die Ausführenden selbst begeistert und angespornt. Herr Dr. Karl hat alle Ergebnisse und Erkenntnisse der Sanierung in einer Dokumentation verschriftlicht. Heute wird das Gebäude als Ingenieurbüro genutzt.

Mit der Sanierung des ehemaligen Forsthauses in Staufenberg-Treis hat Herr Dr. Karl gezeigt, dass insbesondere „schwierige“ Kulturdenkmäler einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität des historischen Ortskernes leisten. Für dieses Leuchtturmprojekt, das hoffentlich viele Nachahmer findet, wird Herr Dr. Karl mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis 2018 ausgezeichnet.

Die durch den Hessischen Denkmalschutzpreis 2018 gewürdigten Leistungen wären ohne engagierte und professionelle Architekten-, Restauratoren- und Handwerksbetriebe nicht möglich. An diesem ausgezeichneten Projekt waren beteiligt:

Ingenieurbüro für Historische Baukonstruktion
Herr Dipl.-Ing. Uli Thümmler

Frau Dipl.-Restauratorin Michaela Janke

Büro für Dendrochronologie Hans Tisje

Malessa-Holzwerk

Ökologisches Sanieren N.C. Querl

Schreinerei Björn Wilker

Zimmerei Dirk Gutsche