hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2016 in Hünfeld, Landkreis Fulda

Auf Einladung der Stadt Hünfeld und in Kooperation mit der Stadt- und Kreisarchäologie Fulda fand am 5. November der hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2016 in der Stadthalle Kolpinghaus im osthessischen Hünfeld statt. Mit über 370 Teilnehmern waren nicht nur die Stuhlreihen im Saal besetzt, sondern auch die Sitzplätze auf der Empore.

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Übergabe des Jahrbuches „hessenARCHÄOLOGIE 2015“ durch den Landesarchäologen Dr. U. Recker (Erster von li.) an MusDir`in Dr. M. Klee, Bürgermeister Stefan Schwenk und – für den Kreisausschuss Fulda – Frau M. Klee (v. li. nach re.)
Übergabe des Jahrbuches „hessenARCHÄOLOGIE 2015“ durch den Landesarchäologen Dr. U. Recker (Erster von li.) an MusDir`in Dr. M. Klee, Bürgermeister Stefan Schwenk und – für den Kreisausschuss Fulda – Frau M. Klee (v. li. nach re.)

„Fühlen Sie sich in Hünfeld wohl“, mit diesen Worten wünschte der Bürgermeister der Stadt Hünfeld, Stefan Schwenk, dem Auditorium in seiner Begrüßungsrede eine erfolgreiche und informative Veranstaltung. In seinen Grußworten betonte er zudem, dass gerade die Ergebnisse der Ausgrabungen 2007 im Westen des Hünfelder Ortsteils Mackenzell Grundlage für eine starke Identifikation der Bevölkerung der Region Osthessen mit ihrer Vergangenheit war und ist.

Im Anschluss überbrachte MusDir’in am Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Dr. Margot Klee, die Grüße der Hessischen Landesregierung, des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, sowie des Staatssekretärs Ingmar Jung. Mit ihren Worten: „Geschichte ist ein gute Lehrmeisterin und eine große Aufgabe, die nie endet und über den heutigen Tag hinaus andauert“, wurden die Teilnehmer dieses Vortragstages auf das nachfolgende Programm eingestimmt. Für den Kreisausschuss des Landkreises Fulda begrüßte Frau Mechthild Klee die Anwesenden. Auch sie betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Geschichtsvermittlung in der Öffentlichkeit.

Die Einführung in diesen Veranstaltungstag der hessischen Landesarchäologie übernahm traditionsgemäß der Landesarchäologe Dr. Udo Recker, inzwischen seit zehn Monaten im Amt. In seiner Rede drückte er nicht nur seinen Dank für die diesjährige Einladung an die Adresse der gastgebenden Stadt Hünfeld aus, sondern auch an die daran beteiligte Stadt- und Kreisarchäologie Fulda, vertreten durch Dr. Frank Verse. Recker betonte zudem, dass die Region Osthessen mit der Schaffung einer eigenen Stadt- und Kreisarchäologie immer noch als große Ausnahme anzusehen ist. Da verwundert es nicht, dass bei dieser idealen Konstellation nun bereits zum zweiten Mal nach 2007 eine derartige landesweite Veranstaltung der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE in dieser Region stattfand.

Am Ende seiner Eröffnungsrede stellte Recker dem Auditorium das neue Jahrbuch „hessenARCHÄOLOGIE 2015“ vor (Abb. 1). In der diesjährigen Ausgabe präsentieren 91 Autoren auf 239 Seiten in 59 aktuellen und allgemein verständlichen Beiträgen Unternehmungen des Jahres 2015, die dem Erhalt, der Erforschung und Vermittlung archäologischer und paläontologischer Bodendenkmäler in Hessen dienen.

An diesen allgemeinen Teil schlossen sich bis zur Mittagspause die ersten drei Vorträge des Tages an. Den Anfang machte Dr. Andreas Sattler –Museumslandschaft Kassel – mit der Präsentation und den Untersuchungsergebnissen zu zwei Kupferflachbeilfunden aus Nordhessen. Es folgte der Beitrag von Michael Gottwald M. A. zu den Grabungsergebnissen der früh- bis hochmittelalterlichen Siedlung „villa Arnesburg“ nördlich des Licher Stadtteiles Muschenheim. Nicht bezugnehmend auf den vorgestellten Band, aber durch eine Kooperation mit der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen verbunden, erläuterten Prof. Dr. Svend Hansen, Deutsches Archäologisches Institut Berlin, und Prof. Dr. Rüdiger Krause, Goethe-Universität Frankfurt a. M., das hessische Landesprogramm LOEWE mit dem Projektschwerpunkt „Prähistorische Konfliktforschung – Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten“. Im Rahmen dieser Untersuchungen stand 2016 u. a. der Stallberg im Hessischen Kegelspiel im Fokus archäologischer Untersuchungen, deren erste Ergebnisse exemplarisch vorgestellt wurden.

Die beiden angebotenen Mittagsexkursionen waren in diesem Jahr leider durch starken Regen beeinträchtigt, erfreuten sich aber dennoch eines regen Zuspruches. Es bestand nicht nur die Möglichkeit, an einer Exkursion zu einem teilrekonstruierten eisenzeitlichen Gehöft – dem sog. Keltenhof am westlichen Ortsrand des Hünfelder Ortsteiles Mackenzell teilzunehmen, sondern man konnte sich alternativ auch einer Stadtführung durch Hünfeld anschließen. Beide Exkursionen wurden gemeinsam von der Stadt- und Kreisarchäologie Fulda und dem Konrad-Zuse-Museum Hünfeld organisiert und durchgeführt. 

Am frühen Nachmittag folgten fünf weitere Vorträge. Den Beginn machte Dr. Jörg Lindenthal, Archäologische Denkmalpflege Wetteraukreis, mit Einblicken in die Grabungsergebnisse von den Arealen zweier römischer Guthöfe (villae rusticae) in der nördlichen und südlichen Wetterau. Die beiden nachfolgenden Beiträge widmeten sich frühmittelalterlichen Befunden und Funden. Der Fokus des Vortrages von Dr. Andreas Thiedmann lag sowohl auf frühalamannischen Siedlungsbefunden als auch auf Grabbefunden aus der Merowingerzeit bei Karben-Okarben (Wetteraukreis). Der Beitrag von Thomas Becker M. A. beleuchtete im Anschluss daran aktuelle Grabungsergebnisse im merowingerzeitlichen Friedhof von Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis). Wie Ergebnisse dendrochronologischer Untersuchungen an geborgenen Hölzern aus archäologischer Grabungen historische Schriftquellen zur Gießener Stadtgeschichte nicht nur ergänzen, sondern in Teilen sogar auch revidieren können, legte eindrucksvoll Dr. Dieter Neubauer in seinen Erläuterungen zu den Untersuchungsergebnissen zweier Grabungsprojekte in der Gießener Innenstadt dar. Mit den Ausführungen von Dr. Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts Stadt Frankfurt a. M., zu Gräbern aus der Zeit der napoleonischen Kriege im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, wurde die Vortragsreihe des diesjährigen hessenARCHÄOLOGIE-Tages beendet.

Nach dem folgenden Gruß- und Dankeswort von Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, schloss sich der Abendvortrag zur Vorgeschichte Osthessens mit dem klangvollen Titel „Vom reichen Mädchen zu kühnen Burgen“ von Dr. Frank Verse , Stadt- und Kreisarchäologie Fulda, an. Damit endete ein an vielfältigen Informationen und Erkenntnissen reich angefüllter Tag.

Auch in diesem Jahr gab es am darauffolgenden Tag das Angebot, an einer Zusatzexkursion auf den Stallberg teilzunehmen So nutzten am Sonntag 54 Teilnehmer die Gelegenheit, sich unter Führung von Dr. Frank Verse und Jürgen Schneider – Leiter der Vor- und Frühgeschichtsabteilung am Konrad-Zuse-Museum – vor Ort über die Spuren der bronze- und eisenzeitlichen Besiedlung des Stallberges zu informieren.