Der hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2018

Über 400 Besucher kamen am Samstag, den 10. November 2018, in die Stadthalle in Hofheim am Taunus, um den 10. hessenARCHÄOLOGIE-Tag zu begehen, spannende Vorträge zu hören und sich über die neusten Entdeckungen und Entwicklungen in der hessischen Archäologielandschaft zu informieren. Traditionell wurde dabei auch wieder das aktuelle Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen vorgestellt: hessenARCHÄOLOGIE 2017.

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Vorstellung Jahrbuch hessenARCHÄOLOGIE 2017 (v.l.n.r.: Dr. Udo Recker (LfDH), Bürgermeisterin Gisela Stang (Stadt Hofheim a.Ts.), Ministerialdirigent Eric Seng (HMWK) und Landrat Michael Cyriax (Main-Taunus-Kreis).
Vorstellung Jahrbuch hessenARCHÄOLOGIE 2017 (v.l.n.r.: Dr. Udo Recker (LfDH), Bürgermeisterin Gisela Stang (Stadt Hofheim a.Ts.), Ministerialdirigent Eric Seng (HMWK) und Landrat Michael Cyriax (Main-Taunus-Kreis).

„Ein solch breiter Zuspruch zeigt uns immer wieder, dass sich die Arbeit, die die hessenARCHÄOLOGIE zusammen mit ihren vielen Partnern in diesen Tag investiert, absolut lohnenswert ist“, so der hessische Landesarchäologe Dr. Udo Recker. „Besonders schön ist es natürlich, wenn der Tag dann noch so reibungslos wie heute verläuft.“

In seinem Grußwort bedankte sich Recker besonders bei allen Beteiligten und Partnern, die gemeinsam mit der hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH) diesen Tag möglich machten – allen voran die Stadt Hofheim am Taunus, auf deren Einladung hin der hessenARCHÄOLOGIE-Tag in diesem Jahr im Main-Taunus-Kreis stattfand. „Das war keine Selbstverständlichkeit, wie die Stadt uns bei unseren Bemühungen unterstützt hat“, betonte er. Dabei sei es gerade in diesen Zeiten wichtig, für die Wissenschaft Flagge zu zeigen, so Recker. „Eine freie Wissenschaft ist unentbehrlich für unsere heutige Gesellschaft.“

Neben der Stadt und den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankte Recker auch ausdrücklich der Archäologischen Gesellschaft in Hessen e. V., dem gemeinnützigen Förderverein, der sich der Erforschung und Bewahrung der archäologischen Denkmäler im Land verschrieben hat.

Eine gute Zusammenarbeit lobte auch Gisela Stang, Bürgermeisterin der Stadt Hofheim am Taunus, in ihrem Grußwort und verwies zurecht darauf, welch umfangreiche geschichtliche Funde bereits im Boden unter Hofheim angetroffen worden sind und immer wieder zutage treten und wie es einer gemeinsamen Anstrengung von Archäologie, Stadt und Kreis bedürfe, um diese Fundlandschaft zu bewahren.

Ministerialdirigent Eric Seng vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der in Stellvertretung für Staatssekretär Patrick Burghardt sein Grußwort an das Publikum richtete, zeigte sich sichtlich zufrieden angesichts des breiten Interesses der Bevölkerung: „Ich freue mich, dass die paläontologische und archäologische Denkmalpflege so großen Zuspruch erhält.“ Seng betonte auch, wie wichtig es sei, die Archäologie im Kontext der Wissenschaften und der Stadt- und Landesentwicklung zu betrachten: „Die Archäologie arbeitet und forscht nicht nur um ihrer selbst willen“, so Seng. Den Abschluss der politischen Grußworte machte Michael Cyriax, Landrat des Main-Taunus-Kreises. Cyriax hob vor allem darauf ab, welche Begeisterung Archäologie nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch bei den Anwohnern erzeugen kann. Archäologie trage somit zur Identifikation der Menschen mit ihrer Region bei.

Gründe für die Faszination Archäologie gibt es dabei viele. „Ich denke, es ist für die Menschen immer wieder interessant und auch wichtig zu sehen, welch breites Spektrum an Themen die Archäologie in Hessen abdeckt“, erklärte Recker. „Von daher freut es mich ganz besonders, dass sich dieser Facettenreichtum in unseren heutigen Vorträgen widerspiegelt.“ Denn auch wenn ein Fokus auf Hofheim und den Main-Taunus-Kreis nicht von der Hand zu weisen war, so ging es doch von der Bronzezeit bis zur Moderne, von der Geophysik über die Montanarchäologie bis hin zur wissenschaftlichen Quellenarbeiten. Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Jahrbuch 2017 wider, das auf 284 Seiten die Entwicklungen und Entdeckungen des archäologischen Jahres 2017 in interessanten Texten und anschaulicher Bebilderung vorstellt.

Ein dominanter Berg und eine prosperierende Insel

Durch den Tag führte auch in diesem Jahr wieder Dr. Kai Mückenberger. Den Anfang der Vorträge machte Prof. Dr. Detlef Gronenborn (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz), der die neusten Entwicklungen in der Erforschung des Haus- und Hofbodendenkmals Hofheims vorstellte – den Kapellenberg. „Der Kapellenberg ist in jeder Hinsicht dominant“, erläuterte Gronenborn und zeigte auf, warum die Erforscher des Kapellenberges dieses Jahr nicht wieder „im Regen stehen gelassen“ wurden. Von Thukydides über Hobbes bis Pinker leiteten Prof. Dr. Dr. h. c. Svend Hansen und Dr. Daniel Neumann (Deutsches Archäologisches Institut Berlin) ihren Vortrag zur prähistorischen Konfliktforschung ein. Sie erläuterten, welche Erkenntnisse ihnen dabei die Ausgrabungen in der späturnenfeldzeitlichen Höhensiedlung Bleibeskopf bei Dornholzhausen verschaffte und wie dies ihnen half, „die Infrastruktur der Gewalt besser zu erkunden“, so Neumann. Im letzten Vortrag vor der Mittagspause referierten Dr. Konstanze Jünger und die Restauratorin Angelika Ulbrich (beide LfDH) über das Grab auf der Hardthöhe bei Bad Schwalbach. „Derartige Einzelgräber sind im Taunus bisher unbekannt gewesen“, erklärte Jünger. Sieben Monate benötigte dabei alleine die Restaurierung eines Bronzekessels.

Nach der Mittagspause folgte der zweite der insgesamt drei Vortragsblöcke. Einleitend berichteten Prof. Dr. Markus Scholz und Daniel Burger M. A. (Institut für Archäologische Wissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt a. M.) über ein neu prospektiertes römisches Lager in Hofheim und dessen historische Einordnung. Da erste Untersuchungen an der Stelle des Kastells zwar eine Deutsche Mark, die Kante eines Kofferradios und einen Uhrzeiger zutage gefördert hatten, jedoch nur zwei römische Funde, drehte sich die Frage vor allem darum, wie man datiert, wenn es kaum archäologische Funde gibt.

Im Folgenden referierten Prof. Dr. Felix Teichner und Robin Dürr B. A. (Vorgeschichtliches Seminar der Philipps-Universität Marburg) über die Untersuchungen im Areal der Martinskirche bei Leun. Hierbei war es anhand der geophysikalischen Verfahren doch alles andere als einfach, den kleeblattförmigen Chor der Kirche zu entdecken. Weniger um das Entdecken als vielmehr um das Erkunden, Erhalten und wieder sichtbar machen ging es im Vortrag von Gesine Weber M. A. (Untere Denkmalschutzbehörde Kreis Offenbach) über die Grabung an der Dreieicher Ringlandwehr bei Dreieich-Sprendlingen.

Den dritten Vortragsblock eröffnete Dipl.-Geol. Jochen Babist (Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald in Lorsch) mit einem Vortrag darüber, was passieren kann, „wenn einem plötzlich der Boden vor den Füßen wegbricht“. Er referierte über die Untersuchung und Sicherung eines Tagbruches in Reichenbach im Odenwaldkreis und erläuterte, welche Relikte aus dem Bergbau und aus Bunkeranlagen des Zweiten Weltkriegs heute noch unentdeckt im Boden schlummern. Immerhin, so Babist, sind alleine 90% der alten Bergwerke nicht kartiert, was Problem und Chance gleichermaßen sein kann, denn schließlich stellte er fest: „Hessen ist ein Altbergbauland“. Die Thematik der Weltkriegsbunker aufgreifend referierte Hans Szédeli M. A. (LfDH) anschließend über den Stand der Landesaufnahme der Hinterlassenschaften der Wetterau-Main-Tauber-Stellung (WMTS) und die Erforschung jener Bunkerüberreste. Danach berichtete Dr. Andreas Thiedmann (LfDH) über die neusten Entwicklungen der „Zeiteninsel“ im Marburger Land, dem im Aufbau befindlichen archäologischen „Freilichtmuseum zum Anfassen, Ausprobieren, Mitmachen“, wie Thiedmann erklärte. Mit der Neolithischen Station ist inzwischen das erste Bauwerk abgeschlossen, die Planungen zum Besucherzentrum stehen und das Germanische Haus ist auch bereits fast fertiggestellt. Entsprechend gab es viele gute Neuigkeiten und mit Lindenrindenschindeln auch den Zungenbrecher des Abends.

Ein Parforceritt durch die Geschichte des Kreises

In seinem anschließenden Abendvortrag präsentierte der für Hofheim am Taunus und den gesamten Main-Taunus-Kreis zuständige Bezirksarchäologe des LfDH Dr. Dieter Neubauer einen 45-minütigen Parforceritt durch die archäologisch nachvollziehbare Geschichte des Kreises. Anhand ausgewählter Beispiele vermittelte Neubauer eine umfangreiche Darstellung von Mammutknochenfunden aus dem Pleistozän über Bügeleisenbeigaben in Gräbern bis hin zu Flakgeschützen des zweiten Weltkrieges. Um dabei nicht auszuufern, verwies er an den passenden Stellen immer wieder geschickt auf die Vorträge seiner Vorredner, die er nur noch um einige Details ergänzte, und sorgte somit dafür, dass sein Abendvortrag nicht nur in zeitlicher Hinsicht einen gelungenen Abschluss des Vortragsprogramms darstellte. Dabei dankte Neubauer nicht nur der Stadt Hofheim am Taunus und dem Main-Taunus-Kreis für die gute Zusammenarbeit, sondern auch allen Unteren Denkmalschutzbehörden, ohne deren Arbeit die seine nicht möglich sei.

Ein abschließender Abendempfang der Stadt ließ den hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2018 gemütlich ausklingen. Am folgenden Sonntag bot sich dann noch die Gelegenheit, an Führungen durch das Stadtmuseum Hofheim und den am Tag zuvor bereits thematisierten Kapellenberg teilzunehmen. Das breite Interesse der Menschen zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass Archäologie begeistert, bewegt und nie stillsteht. Daher wird es auch im nächsten Jahr wieder viel Spannendes zu berichten geben, wenn der hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2019 in Idstein (Hochtaunuskreis) zu Gast sein wird.

Lars Görze B.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen