Vorstellung des Projektes

Mit dem Projekt „Je trouve ici mon asile – Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen“ beteiligt sich die Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege am Europäischen Kulturerbejahr. Am Beispiel von Siedlungsstrukturen, baulichen Zeugnissen und Handwerkstechniken der Hugenotten und Waldenser geht es darum, europäisches Kulturgut im eigenen, lokalen Umfeld aufzuspüren und auf die Verflechtung von eigenen und fremden Traditionen aufmerksam zu machen.

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Innenraum der Kirche in Hertringshausen
Innenraum der Kirche in Hertringshausen

Auf der Flucht
Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert kamen zahlreiche Glaubensflüchtlinge nach Deutschland. Hugenotten und Waldenser, die französischen und norditalienischen Protestanten, wurden spätestens seit der Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 durch Ludwig XIV. in ihrer Heimat verfolgt und zur Flucht gezwungen. Sie fanden Aufnahme in vielen deutschen protestantischen Territorien, darunter auch im heutigen Hessen.

Eine neue Heimat
Landesherren wie die Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg oder Carl von Hessen-Kassel gewährten den Neuankömmlingen Glaubensfreiheit und wirtschaftliche Unterstützung. Die Flüchtlinge wurden in planmäßig angelegten Siedlungen untergebracht, in neuen Stadtteilen wie der Kasseler Oberneustadt oder auch in neu gegründeten Siedlungen auf dem Land. Diese Siedlungen wurden in regionaltypischen Techniken und Materialien errichtet, sind aber noch heute an bestimmten Details zu erkennen.

Spuren lesen
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege) nimmt das Kulturerbejahr 2018 zum Anlass, das hugenottische und waldensische Erbe, die überkommenen Bauten und Siedlungsstrukturen unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen fragen wir nach prägenden Merkmalen hugenottischer und waldensischer Bauten und Siedlungen. Was ist noch erhalten? Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um das baukulturelle Erbe der Hugenotten und Waldenser zu sichern und was muss künftig getan werden, um es zu erhalten? Welche handwerklichen und ingenieurwissenschaftlichen Innovationen brachten die Flüchtlinge mit nach Deutschland? Welche Besonderheiten gibt es im Kirchen- oder Städtebau ?

Patenschaften übernehmen
An ausgewählten Kernorten mit besonders zahlreichen baulichen Spuren der Hugenotten und Waldenser bilden wir „Objektpatenschaften“ mit Schulklassen oder Jugendgruppen. Die Kinder und Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, Planungs- oder Sanierungsmaßnahmen über das Jahr hinweg zu begleiten, die Geschichte des Objekts und des Ortes zu erforschen und dadurch auch einen Einblick in die Arbeit der Denkmalpflege zu gewinnen.

Wir machen uns auf den Weg
Zudem laden wir im Jahr 2018 zu drei Wanderungen auf der historischen Fluchtroute der Hugenotten und Waldenser ein. Ziel der Wanderungen sind ausgesuchte Waldenser- und Hugenottensiedlungen, durch die wir durch Ortskundige und Experten geführt werden. Im Zentrum stehen die räumlichen Zusammenhänge der Siedlungen und die wichtigsten Gebäude vor Ort. 

Zum Nachlesen
Eine Publikation zu den Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen rundet die Aktivitäten zum Kulturerbejahr 2018 ab.

Dr. des. H. Dornieden, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege