Im Rahmen unseres Projektes zum baulichen Erbe der Hugenotten und Waldenser in Hessen laden wir zur dritten Exkursion mit Wanderung ein.

Am 14. Oktober 2018, von 10:30 Uhr bis ca. 17:00 Uhr stehen bei unserer Exkursion in die ehemalige Landgrafschaft Hessen-Homburg Friedrichsdorf und Dornholzhausen bei Bad Homburg auf dem Programm.

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Wie Friedrichsdorf wurde auch Dornholzhausen als Straßendorf mit niedrigen Häuschen auf kleinen Parzellen angelegt. An das waldensische Erbe erinnern heute noch die kleine Kirche von 1726 und das Pfarrhaus von 1780.

Im Rahmen unseres Projektes „Je trouve ici mon asile – Ich finde hier meine Zuflucht. Das bauliche Erbe der Hugenotten und Waldenser in Hessen“ laden wir zur dritten Exkursion mit Wanderung ein. Die Exkursion führt zu den beiden Hugenotten- und Waldensersiedlungen Friedrichsdorf und Dornholzhausen bei Bad Homburg. In beiden Orten lässt sich noch erahnen, unter welchen Bedingungen die Glaubensflüchtlinge im späten 17. Jahrhundert angesiedelt wurden. Gemeinsam mit Experten vor Ort erkunden wir den Baubestand, besuchen die Kirchen und den ein oder anderen Hinterhof und fragen aus denkmalpflegerischer Sicht, was zum Erhalt der historisch bedeutsamen Siedlungen beitragen könnte. Verbunden werden die beiden Orte durch eine Wanderung, bei der wir uns der zweiten Station Dornholzhausen nähern wie die Glaubensflüchtlinge damals - zu Fuß.

Hugenottenaufnahme in der Landgrafschaft Hessen-Homburg

Die kleine Landgrafschaft Hessen-Homburg entstandwar erst 1622 durch Abspaltung von Hessen-Darmstadt entstanden und bestand Ende des 17. Jahrhunderts nur aus der kleinen Provinzstadt Homburg und ein paar Dörfern, Wiesen und Äckern. Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633-1708) hatte ehrgeizige Pläne, um die wirtschaftliche Lage seines Kleinstaates zu verbessern. Schon früh lud er fremde Manufakturarbeiter und Gewerbetreibende ein, sich in Homburg niederzulassen. Vor allem Hugenotten und Waldensern, den reformierten Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, wurden Privilegien versprochen.

Die Hugenottensiedlung Friedrichsdorf

In Hessen-Homburg gab es nur drei Hugenotten- bzw. Waldensersiedlungen: Neben der Residenzstadt Homburg selbst, wo ab 1686 sowohl Hugenotten als auch Deutsche  in der neu gegründeten Louisenstadt untergebracht wurden, waren das Friedrichsdorf und Dornholzhausen. Friedrichsdorf wurde 1687 für 30 hugenottische Flüchtlingsfamilien gegründet. Nach dem Willen Friedrichs II. sollten sich die Neusiedler in Textilproduktion und Warenhandel betätigen, nicht in Ackerbau und Landwirtschaft. Daher bekamen sie schmale Hausparzellen und knapp bemessene Acker- und Weidestücke zugewiesen. Auf den Parzellen wurden kleine, niedrige Häuschen erreichtet, die bald durch weitere, kleine Nutzbauten ergänzt wurden. Einige Häuser entlang der Hugenottenstraße, vor allem die kleinen Färberhäuschen, vermitteln noch heute einen Eindruck vom einstigen Friedrichsdorfer Ortsbild.

Der Waldenserort Dornholzhausen

1698 kam eine zweite Flüchtlingswelle nach Deutschland, diesmal waren es vor allem Wal-denser aus den Tälern der Cottischen Alpen. Für sie wurde mit Dornholzhausen 1699 eine zweite Kolonie nahe der Residenzstadt Homburg gegründet. Wie Friedrichsdorf wurde auch Dornholzhausen als Straßendorf mit niedrigen Häuschen auf kleinen Parzellen angelegt. Während sich Friedrichsdorf jedoch tatsächlich zu einem Zentrum der Textilproduktion entwickelte, waren die Waldenser in Dornholzhausen vor allem Bauern, die auch in der neuen Heimat Feld- und Weidewirtschaft betrieben.

Projekt zum Europäischen Kulturerbejahr 2018

Zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 blickt das Landesamt für Denkmalpflege Hessen auf einen ganz besonderen Aspekt der europäisch-hessischen Geschichte: die Zuwanderung reformierter Glaubensflüchtlinge im 17. und 18. Jahrhundert. Mehrere Landesherren im heutigen Hessen nahmen die Flüchtlinge auf, aus Verbundenheit mit den Glaubensgenossen, aber auch in der Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung. Wo wurden die Hugenotten und Waldenser untergebracht, welche baulichen Spuren dieser Episode sind bis heute erhalten? Wie können wir zur weiteren Bewahrung dieses Erbes beitragen?

Diesen Fragen geht das Landesamt für Denkmalpflege unter anderem mit drei Exkursionen zu ausgewählten Hugenotten- und Waldenserorten in Nord-, Mittel- und Südhessen nach. Die Exkursionen führen zu jeweils zwei Siedlungen und werden jeweils durch eine Wanderung verbunden.

Dr. des. H. Dornieden, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege

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