Erste Exkursion des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser: Todenhausen und Wiesenfeld in Mittelhessen

Im Jahr 1720 ließen sich 40 Familien, die aufgrund ihres Glaubens aus der französischen Heimat geflohen waren, in Todenhausen bei Wetter nieder. Sie hatten bereits eine lange Flucht mit mehreren gescheiterten Ansiedlungsversuchen hinter sich. Doch das in Todenhausen zur Verfügung stehende Land reichte zur Versorgung nicht aus, sodass im Jahr 1755 12 Familien ihre Häuser in Todenhausen wieder abbauten und noch einmal umsiedelten. In der Kolonie Wiesenfeld endete ihre lange Flucht.

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Auf dem Weg nach Wiesenfeld
Auf dem Weg nach Wiesenfeld.

Auf den Spuren der Glaubensflüchtlinge
Am 6. Mai 2018 haben sich 34 Denkmal- und Geschichtsinteressierte gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen auf die Spuren dieser Glaubensflüchtlinge begeben. Von Marburg aus, das auch im frühen 18. Jahrhundert ein Sammelort der ankommenden Glaubensflüchtlinge war, ging es zunächst nach Todenhausen. Dort hatte Landgraf Carl von Hessen-Kassel die 40 Flüchtlingsfamilien bei einer bereits bestehenden Gehöftgruppe „Todenhausen“ (der Name kommt nicht von „Tod“, sondern von dem überlieferten Ortsnamen „Dudinhusen“) angesiedelt – entgegen der Proteste der umliegenden Dörfer. Nach einem im Auftrag des Landgrafen angefertigten Modell wurden 40 identische Häuser auf gleich großen Grundstücken entlang einer schnurgeraden Straße errichtet.

Von der Dorfmitte zur Bundesstraße
Die schnurgerade Straße der einstigen Hugenottensiedlung ist heute die viel befahrene B 252. „Doch es gibt Hoffnung: 2020 soll die Umgehungsstraße fertig sein“, so der ehemalige Ortsvorsteher Hans Werner Müller, der die Gruppe kundig führte. Die Ortsstruktur mit den giebelständigen, zweigeschoßigen Fachwerkhäusern der Gründungszeit ist heute noch zu erkennen, einige des 18. Jahrhunderts haben sich erhalten. Trotz der Trennung durch die Bundesstraße hält der Ort zusammen. Es gibt eine lebendige Ortsgemeinschaft, die die hugenottische und waldensische Tradition hochhält. Der herzliche Empfang in französischer Tracht und die Bewirtung der Gäste mit Quiche zeugte davon. „Bisher habe ich Todenhausen immer als besonders vom Durchgangsverkehr beeinträchtigten Ort gesehen“, so eine Teilnehmerin beim Blick in eine idyllische Hofanlage, „nun sehe ich die Siedlung mit anderen Augen.“

Der beschwerliche Weg zu Fuß
Die Hugenotten und Waldenser des 17. und 18. Jahrhunderts flohen zu Fuß mit den wenigen Habseligkeiten, die ihnen geblieben waren. Zu Fuß näherte sich daher auch die Reisegruppe dem zweiten Tagesziel, dem Ort Wiesenfeld im Burgwald. Auf einer Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfades wanderte die Gruppe zunächst zum ersten Siedlungsort der Wiesenfelder Hugenotten. Ein Gedenkstein erinnert heute an den Platz, an dem sich 1721 zehn Hugenottenfamilien niederließen. Doch der Ort war unwirtlich und schlecht zu bewirtschaften – schwer vorstellbar bei traumhaftem Frühsommerwetter. 1755 siedelten die Flüchtlinge daher mitsamt ihren Häusern noch einmal um in das 1,5 km Wiesenfeld.

Von der Johanniterkommende zur Flüchtlingssiedlung
Herzstück von Wiesenfeld ist die gotische Johanniterkirche aus dem späten 13. Jahrhundert, die für die Denkmalpflege bereits seit dem frühen Bezirkskonservator Ludwig Bickell ein Thema ist. Neben dieser ehemaligen Klosterkirche errichteten die Hugenotten ihre Fachwerkhäuser, die Kirche wurde notdürftig für Gottesdienste hergerichtet. Mit den älteren Gebäuden der Johanniterkommende, den teils vom ersten Siedlungsort translozierten Fachwerkhäusern der Wiesenfelder, den hier wieder aufgebauten Häusern der Siedler aus Todenhausen und dem 1838 hierher versetzten Schulhaus lassen sich in Wiesenfeld noch besonders viele Zeitschichten ablesen, wie Ortsvorsteher Günter Beck und Karl-Hermann Völker, der beste Kenner der Ortsgeschichte, erläuterten. Ein herzlicher Empfang mit idyllischem Kuchenessen unter Bäumen rundete die Exkursion ab.

Weitere Exkursionen zu Bauten der Hugenotten und Waldenser
Todenhausen und Wiesenfeld sind zwei eher späte Hugenottensiedlungen in Hessen. Hier fanden Flüchtlinge eine Zuflucht, die trotz langer Suche bisher keine neue Heimat gefunden hatten. Zwei frühe Hugenotten- und Waldensersiedlungen in Nordhessen, Schöneberg und Carlsdorf bei Hofgeismar, werden Thema der zweiten Exkursion des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen am 4. August 2018 sein. Die dritte Exkursion am 14. Oktober 2018 führt nach Dornholzhausen und Friedrichsdorf bei Bad Homburg, zwei Gründungen des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg.

Dr. des. H. Dornieden, Landesamt für Denkmapflege, Bau- und Kunstdenkmalpflege