Ackerbürgerhaus in Hungen

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Ackerbügerhaus  in Hungen
Ackerbügerhaus in Hungen

Preisträger: Wolfgang Wagner, Bitzenstraße 34-36, 35410 Hungen (Landkreis Gießen)

Preis: Urkunde und Geldpreis 8.000,- Euro für die engagierte und sensible Instandsetzung und Sanierung des ältesten Ackerbügerhauses (Baujahr 1465) im Landkreis Gießen

Das Haus in der Bitzenstraße in Hungen wurde im Jahr 1465 als Ackerbürger- und Handwerkerhaus erbaut. Es handelt sich vermutlich um das älteste Ackerbürgerhaus im Landkreis Gießen. Das Haus wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Die mittelalterliche Substanz ist heute noch in wesentlichen Teilen erhalten und erkennbar, ebenso gut ablesbar sind die einzelnen Umbauschritte. 1618 wurde eine Scheune ergänzt, nach dem Dreißigjährigen Krieg 1658 die hintere Giebelwand erneuert, die Eckständer blieben erhalten. Im Jahr 1737 wurde das Haus geteilt und zu einem Zweifamilienhaus umgebaut, 1808 kamen zwei Stallgebäude hinzu. 1888 schließlich wurde die hofseitige Ständerfassade erneuert. Das Haus ist wegen seiner einfachen und klaren Gestaltung ein eindrucksvolles Beispiel eines spätmittelalterlichen Ackerbürgerhauses. Es zeigt in vielen Details, etwa der Verwendung von Pappelholz, noch die Merkmale und Herausforderungen der Entstehungszeit. 

Der Bauherr Wolfgang Wagner hat die Sanierung außerordentlich durchdacht und behutsam in Angriff genommen. Die Originalsubstanz wurde geschont, die Bauphasen wurden ablesbar erhalten. Durch fachgerechte Bearbeitung konnte das alte Gefüge mit dem Einsatz von Eichenholz aus historischen Beständen repariert und ergänzt werden. Spätere Fenstererweiterungen und Kunststofffenster wurden mit Verbundfenstern in Eiche mit Bleisprossen rückgebaut. 

Für den Innenausbau wurde ein besonderes, für den Fachwerkbau vorbildliches Dämm- und Heizkonzept mit Holzleichtlehmdämmung und Wandheizung realisiert. Wolfgang Wagner hat die Sanierung in fünf Jahren mit Geduld, enormem eigenen Arbeitseinsatz und hohem finanziellen Aufwand sehr engagiert und sensibel umgesetzt. Damit hat er ein Gebäude instand gesetzt, dessen sozialhistorische Bedeutung weit über Hungen hinausreicht. Der Bauherr hat sich nach Ansicht der Jury des Hessischen Denkmalschutzpreises 2014 in herausragender Weise um die Denkmalpflege verdient gemacht. Ihm wird daher der erste Preis in Höhe von 8.000,- Euro zuerkannt