„Denkmalpflege und Tourismus – Chancen und Potentiale für die Zukunft“ - 40. Tag der Hessischen Denkmalpflege fand in Michelstadt im Odenwald statt

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Michelstadt
Michelstadt

Gemeinsam agieren

„Die Tourismusbranche meldet stetig steigende Zahlen, gerade im Bereich des Kulturtourismus. Das zeigt uns: Hessen kommt an, unsere Kulturschätze begeistern Besucher aus dem In- und Ausland! Gleichzeitig aber sind wir alle gefordert, Bildungs- und Vermittlungsangebote zu entwickeln, die die Einmaligkeit und Verletzlichkeit des historischen Erbes in den Vordergrund stellen", sagte Staatssekretär Ingmar Jung vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst heute bei der Eröffnung des 40. Tages der Hessischen Denkmalpflege in Michelstadt/Odenwald vor rund 180 Besuchern im Festsaal des Stadthauses.

Der Staatssekretär ergänzte, mit der gemeinsamen Vermittlung und Vermarktung von historischen Werten könnten Denkmalpflege und Tourismus künftig einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Region leisten. Diese wiederum trage dazu bei, das Kulturerbe dauerhaft zu erhalten.

Kulturtourismus als Chance

„Das Ziel jedes Kulturtourismus ist es, Verständnis für die Eigenart und den Eigenwert einer Region zu fördern und die Kommunikation mit anderen Regionen in einem erweiterten europäischen Rahmen zu pflegen. Nichts sei dafür geeigneter als die Zeugnisse aus der Vergangenheit," sagte Prof. Dr. Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Als wachsender Wirtschaftsfaktor spiele der Kulturtourismus eine immer wichtiger werdende Rolle, wenn es um die Finanzierung der Maßnahmen zum Erhalt des kulturellen Erbes gehe. Vor allem für strukturschwache Regionen sei die touristische Erschließung oft eine große Chance. Der Odenwald etwa sei beispielhaft für eine Region, die aufgrund ihrer wunderschönen ungestörten Naturlandschaft ein großes Potential für einen sensiblen Tourismus böte, der das Bestehende in seiner Besonderheit hervorhebe und bewerbe, ohne es zu gefährden.

Welterbe braucht regionale Netzwerke

Ausgehend von einer Studie zur touristischen Vermarktung von Welterbestätten in Hessen wurde diskutiert, wie Denkmalpflege und Tourismus in Zukunft zusammen wirken können, um die Potenziale der Region mit ihrem besonderen kulturellen Erbe und ihrer einzigartigen Landschaft interessierten Kulturtouristen näherzubringen. „Welterbestätten werden gerne als Leuchttürme für den Tourismus verstanden", sagte Weiß und ergänzte, eine neuere Studie aber hätte ergeben, dass Welterbestätten die Anbindung an bestehende Netzwerke und die aktive Einbeziehung in die Region bräuchten. Für sich betrachtet seien sie in den seltensten Fällen ein Reiseanlass. Vielmehr unterstützten sie bestehende Netzwerke und förderten ihre Einbindung in nationale und internationale Tourismus- und Bildungsangebote. Denn Dreh- und Angelpunkt eines erfolgreichen Kulturtourismus sei eine fundierte Bildungs- und Vermittlungsarbeit.

Touristische Erschließung ist Vermittlungsarbeit

„Zweifellos spielen eindrucksvolle Erlebnisse eine Schlüsselfunktion bei einem erfolgreichen Kulturtourismus", sagte Weiß. Die emotionale Begegnung mit dem Andersartigen und Besonderen einer Region könne über Erlebnisse in Freilichtmuseen oder Geoparks oder auch über Musik- und Theaterveranstaltungen erfolgen. Mit einem auf die Besonderheit der Region abgestimmten Kulturangebot in historischen Gebäuden könne es gelingen, die Zeugnisse der Vergangenheit miteinzubeziehen und gleichzeitig den Druck, der auf ihnen laste, zu mindern. Hier sei der Dialog zwischen Denkmalpflege und Tourismus zu stärken und gemeinsame Interessen in den Vordergrund zu stellen. „Wenn es gelingt, bei den Besuchern ein Gefühl für die Verletzlichkeit des kulturellen Erbes und die Mitverantwortung für seine Erhaltung zu wecken, profitieren nicht nur Denkmalpflege und Tourismus. Idealerweise wird auch der Einzelne die gebaute Umwelt künftig mit einer neuen Sichtweise betrachten."

Exkursionen zur Vertiefung der Tagungsergebnisse

Abgerundet wird das Programm am Samstag, den 12. Juli 2014 durch Exkursionen in die nähere Umgebung. Auf dem Programm stehen das bauliche Erbe der Karolinger, der Römer und ländliche Höfe, die sich derzeit Gedanken über eine touristische Erschließung ihrer Anlagen machen. Interessierte können sich auch kurzfristig noch unter 0151-544087-54) für Exkursionen anmelden. Alle Busse starten um 9:30 Uhr.

Der Tag der Hessischen Denkmalpflege

Als Forum aller im Denkmalschutz und in der Denkmalpflege Tätigen richtet sich die Veranstaltung nicht nur an das Fachpublikum, sondern auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Der Tag der Hessischen Denkmalpflege findet seit 1974 an wechselnden Orten zu aktuellen denkmalpflegerischen Fragestellungen statt. Im letzten Jahr stand das Thema „Stadtplanung und Denkmalschutz Innenentwicklung in historischen Städten" auf dem Programm der Tagung in Bad Hersfeld. In der Mainmetropole ging es 2012 um das Thema „Zwischen Altstadt-Rekonstruktion und Green-City Denkmalschutz im Stadtkern von Frankfurt".

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