Archäologische Untersuchung im Zuge der Ortsumgehung Klein-Rohrheim

Im Zusammenhang mit dem Neubau der Ortsumgehung Klein-Rohrheim (Stadt Gernsheim) der B 44 führt die hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen Ausgrabungen im Trassenverlauf durch. Hierbei sind Reste eines linearbandkeramischen Dorfes aus der Zeit um 5.300 v. Chr. freigelegt und dokumentiert worden.

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Luftbild Ausgrabung Klein-Rohrheim
Gernsheim - Klein-Rohrheim, Kr. Groß-Gerau. Luftaufnahme der Ausgrabung

Seit August 2016 fanden in zwei Kampagnen archäologischen Untersuchungen unter Federführung der Außenstelle Darmstadt statt. Während die erste bereits im vergangenen Jahr in den Monaten August bis November lief, begann der zweite Untersuchungsabschnitt im März diesen Jahres und wird Ende April abgeschlossen sein.

Hinweis auf die Existenz früher Siedlungshinterlassenschaften gaben Oberflächenfunde wie Keramik von landwirtschaftlich genutzten Flächen nordöstlich von Klein-Rohrheim. Daher wurden im Rahmen der Planungen für die Ortsumgehung geomagnetische Prospektionen durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Messmethode, bei der Spuren menschlicher Bauaktivitäten (z.B. Fundamente, Gruben oder Zäune) aufgrund der Veränderungen im lokalen Erdmagnetismus sichtbar gemacht werden können. Durch diese Messungen wurden auch erste Spuren steinzeitlicher Besiedlung nachgewiesen.

Im Bereich der zukünftigen Straßentrasse, dem begleitenden Lärmschutzwall und den neu entstehenden Feldwegen sowie Leitungstrassen konnten diese neolithischen Siedlungsstrukturen auch im archäologischen Befund nachgewiesen werden.

Dabei handelt es sich um Pfostengruben und Fundamentgräbchen großer Langhäuser, die mit einer Länge von 25 bis 30 Meter und einer Breite von 6 bis 8 Meter stattlich ausgeführt waren. In ihnen lebten Mensch und Tier zusammen unter einem Dach. Entlang der Längsseiten dieser Gebäude waren lange Gruben ausgehoben, mit deren Erde die Flechtwerkwände der Häuser verputzt worden waren. Oftmals sind diese Gruben während der Nutzungsdauer der Häuser quasi als „Abfalleimer“ benutzt worden. Für die Archäologie eine wertvolle Datenquelle, um Informationen über das Alltagsleben der Menschen zu erhalten.

In Klein-Rohrheim fanden sich Reste aufwendig mit Linienmuster verzierter Gefäße neben einfacher Keramik zum Kochen. Dieser besondere Verzierungsstil gab dieser Kulturperiode auch den Namen „Linearbandkeramische Kultur“ (ca. 5.700 bis 4.100 v. Chr.). Weitere Funde sind Tierknochenfragmente, die von geschlachteten Haustieren wie Rind, Schaf oder Ziege stammen. Der Speiseplan wurde auch durch Wildtiere bereichert, die im Umfeld der Siedlung gejagt worden waren. Vereinzelt konnten noch Reste von Werkzeugen aus Stein oder Knochen geborgen werden.

Die archäologische Ausgrabung ist Teil der Baumaßnahme der Umgehungsstraße und findet in enger Abstimmung mit Hessen Mobil als Bauherren statt. Um einen ungestörten Ablauf der Bauarbeiten gewährleisten zu können, wurde daher parallel zu Kompensationsmaßnahmen des Naturschutzes mit den archäologischen Untersuchungen begonnen. Mit diesen Feldarbeiten wurde nur der aktuell durch die Straßenbaumaßnahme gefährdete Bereich untersucht. Die übrigen Teile dieser Siedlung bleiben hingegen geschützt im Boden. Es ist geplant, für die Öffentlichkeit am neuen Feldweg eine Informationstafel zur neolithischen Besiedlung vor Ort aufzustellen.

Pressesprecherin: Frau Dr. Beate Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
hessenARCHÄOLOGIE
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E-Mail: Beate.Leinthaler@lfd-hessen.de