Archäologische Ausgrabungen zwischen Leun und Tiefenbach beendet

Im Rahmen der Bauarbeiten am 9. Bauabschnitt zum vierstreifigen Ausbau der Bundesstraße 49 zwischen Tiefenbach und Leun haben umfangreiche archäologische Untersuchungen im Baufeld stattgefunden. Diese Maßnahmen sind mit zahlreichen Entdeckungen abgeschlossen worden. Die Bauarbeiten schreiten derweil weiter voran.

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Archäologen bei der Arbeit
Archäologen bei der Arbeit

Seit 2015 wird die Martinskirche in Leun im Rahmen eines Forschungsprojektes zur archäologischen Landesforschung vom Vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität Marburg in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege Hessen untersucht. Aus diesem Grund wurden geomagnetische Untersuchungen im Umfeld der Kirche durchgeführt, bevor mit dem Ausbau der B 49 im 9. Bauabschnitt begonnen werden konnte.

Durch diese geomagnetischen Untersuchungen verhärtete sich der Verdacht, dass mit mittelalterlichen Siedlungshinterlassenschaften im Bereich der neuen Anschlussstelle der B 49 westlich der Martinskirche zu rechnen ist. Die laufenden Straßenbauarbeiten wurden daher seit November 2018 durch die archäologische Fachfirma Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e.V. begleitet. Die fachliche Aufsicht liegt bei der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE. Die bei den Ausgrabungen vorgefundene Anzahl und die räumliche Ausdehnung der Befunde haben sich inzwischen als weit größer herausgestellt, als dies im Vorfeld angenommen werden konnte.

Im Bereich der B 49 bei Leun wurden bei den Ausgrabungen frühmittelalterliche Siedlungsspuren gefunden. Bis Mitte Juni dieses Jahres sind parallel zum Baustellenbetrieb mehr als 160 Befunde untersucht und dokumentiert worden. Darunter auch 12 Grubenhäuser, verschiedene Abfall- und Vorratsgruben sowie Mauerzüge von ehemaligen Gebäuden. Die Arbeiten wurden durch die Überdeckung der archäologischen Befunde durch zum Teil bis zu 1,5 Meter mächtigen Erdschichten erschwert.

Nach einer ersten Durchsicht des geborgenen Fundmaterials handelt es sich bei den aufgedeckten Strukturen um eine Siedlung aus der Zeit des 7. bis 9. Jahrhunderts n. Chr. Es liegt der Verdacht nahe, dass es sich hier möglicherweise um die in historischen Urkunden genannte Ortschaft „Mitte“, „Loynmitte“ oder „Lonmitte“ handelt.

Siedlungen dieser Zeitperiode sind bisher sowohl in Hessen als auch in anderen Bundesländern nur sehr selten ausgegraben und dokumentiert worden. Die noch ausstehende Auswertung dieses einzigartigen Ensembles aus frühmittelalterlicher Kirche und Siedlung bei Leun ist daher nicht nur von großer lokaler, sondern auch von überregionaler wissenschaftlicher Bedeutung.

Pressesprecherin: Frau Dr. Beate Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
hessenARCHÄOLOGIE
Telefon: (0611) 6906 - 136
E-Mail: Beate.Leinthaler@lfd-hessen.de