Vom Investieren in eine hoffentlich friedliche Zukunft

Bei unserem Frühjahrsempfang am 27.4.2022 in der Rotunde des Biebricher Schlosses wurden zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in Präsenz Höhepunkte und Erfolge unserer Arbeit vorgestellt und gefeiert.

Slider_DSC_9633.jpg

Prof. Dr. Markus Harzenetter begrüßt die Gäste und weist auf die Notwendigkeit von Kunst und Kultur in einer von Krisen geprägten Gegenwart hin.
Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, betonte, jedes erfolgreich abgeschlossene Projekt des Hauses sei eine wichtige Investition in eine hoffentlich friedliche Zukunft.

Von der Rolle der Kunst in Krisenzeiten

„Überlagert wird die Freude des Wiedersehens und des Anknüpfens an Traditionen vor der Zeit der Pandemie von den ungleich dramatischeren Ereignissen in der Ukraine“, sagte Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen einleitend. Der russische Angriffskrieg verletze Völker- und Menschenrechte. Mit seinen UNESCO-Welterbestätten, Museen, Kirchen und Klöstern sei das kulturelle Erbe der Ukraine aktuell von Bombardement, Beschuss, Diebstahl und Plünderung bedroht. Dies sei auch ein klarer Verstoß gegen die Haager Konvention. „Es ist eine bittere Erkenntnis der vielen Kriegsereignisse seit dem 2. Weltkrieg, dass besonders UNESCO-Welterbestätten ganz bewusst attackiert werden, um die betroffene Nation zu demoralisieren,“ so Harzenetter. Die Zerstörungen der weltberühmten Buddha-Statuen in Bamiyan im März 2001 und der antiken Überlieferungen in Palmyra zwischen 2015 und 2017 seien nur zwei der vielen aktuellen Einträge auf der roten Liste des gefährdeten Erbes der Welt.

Vom Nutzen der Kunst – Netzwerke stärken

Harzenetter sagte, dennoch sei es wichtig, sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen. Der deutsche Pavillon in Venedig etwa werde in diesem Jahr mit geradezu denkmalpflegerischen Methoden von der Konzeptkünstlerin Maria Eichhorn bespielt. In ihrem Werk „Relocating a Structur“ habe Eichhorn den Putz von den Wänden abschlagen und Teile des Fundaments freilegen lassen, um anhand dieser Spuren die Überformungen des Gebäudes durch die Nationalsozialisten nachzuweisen.
In Krisenzeiten wie diesen sei ein starkes Netzwerk an Akteuren ein Mut machendes Signal des „Trotzdem“. Denkmalpflege sei immer in die Zukunft gerichtet, gehe es doch darum, der nächsten Generation die kulturellen Errungenschaften der Vergangenheit mit allen ihren Zeitschichten möglichst unbeschadet zu übergeben. Oder um Ludwig van Beethoven zu zitieren: „Die Hoffnung nährt mich, sie nährt ja die halbe Welt, und ich habe sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wäre sonst aus mir geworden?“ In diesem Sinne seien alle Maßnahmen der Hessischen Denkmalpflege Investitionen in eine hoffentlich friedliche Zukunft.

Wegweisende Projekte des Hauses

Angelika Wilhelm referierte über die Restaurierung eines ungewöhnlichen Grabinventares aus frühkeltischer Zeit. Das 2017 in Wöllstadt in der Wetterau gefundene Grab eines Kriegers wurde in der Restaurierungswerkstatt des Hauses aufwändig konserviert und restauriert. Das Grabinventar ist auch Bestandteil der Ausstellung „KELTEN LAND HESSEN - Archäologische Spuren im Herzen Europas“, die von der hessenARCHÄOLOGIE und den Stadt- und Kreisarchäologien in Zusammenarbeit mit zahlreichen Forschungseinrichtungen und Museen erarbeitet und von Thomas Lessig-Weller vorgestellt wurde. Die Ausstellung ist noch bis Ende des Jahres zu sehen. Thomas Becker rundete den Block durch eine Übersicht bedeutender archäologischer Projekte ab, die derzeit in Hessen erarbeitet und dokumentiert werden.

Kristin Schubert berichtete über die Restaurierung des 1849 erbohrten Kurbrunnens in Bad Nauheim, der mit dem Bau der Jugendstilanlage 1911 neu gefasst und überbaut wurde. Das von Wilhelm Jost erbaute Ensemble rund um dieses Kernstück des Brunnens gehört zu den herausragenden Gesamtkunstwerken des Jugendstils. Über die neuesten Erkenntnisse zu dem in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen liebevoll restaurierten Steinretabel aus dem Dom zu Fritzlar sprach Christiane Weber, die die Maßnahme an dem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Objekt eigenhändig vorgenommen hat. In Vertretung von Dr. Maria Wüllenkemper stellte Dr. Verena Jakobi die nun abgeschlossene Restaurierungs und Sanierung des Schlosses Fasanerie in Eichenzell bei Fulda vor. Das Ergebnis der Maßnahme trägt allen Zeitschichten Rechnung und kann im Park ganzjährig, im Inneren zu den Öffnungszeiten des Museums in Augenschein genommen werden.

Musikalischer Rahmen

Andreas Hertel, Jazzpianist aus Wiesbaden umrahmte die Matinee mit hoffnungsvollen Titeln von „Peaceful Movement“ bis zu „Hope that helps“.

Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
29.04.2022