Unser Beitrag

Den Genuss des Raumes und der Musik im Festsaal der Nassauischen Sommerresidenz dennoch zu ermöglichen – das war die Idee zu unserem kurzen Film anlässlich des ersten digitalen Tages des offenen Denkmals 2020.

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Intensives Studium der komplizierten, mehrere Jahrzehnte dauernden Baugeschichte des Biebricher Schlosses
Aus einem Gartenhaus entsteht 1702-04 der Westpavillon des Biebricher Schlosses, der Ostpavillon wird als Gegenstück 1704-06 errichtet. Die Planungen zu einem Mittelbau werden vorerst nicht realisiert, jedoch werden die inneren Annexbauten hinzugefügt.

In diesem Jahr ist alles anders. Zum größtmöglichen Schutz aller können Veranstaltungen nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden und auch der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierte Tag des offenen Denkmals ist kontaktlos und digital. Wir beteiligen uns mit einem Video, das die unmittelbare gemeinsame Raumerfahrung der Rotunde des Biebricher Schlosses und den Genuss von Musik natürlich nicht ersetzen kann und dennoch eine Eindruck oder eine Erinnerung an die beliebten Konzerte vermittelt, mit denen wir seit vielen Jahren gemeinsam mit der Wiesbadener Musikakademie und dem Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen den Tag des offenen Denkmals in Hessen beschließen.     

„Gestern war ich in Biebrich zur Tafel (…) der Gesellschaftsaal eine Gallerie, man sieht an einer Seite den Rhein, an der anderen den Lustgarten. Es ist ein völliges Mährchen. (…) Die Herzoginn, neben der ich sas, sitzt gerade so, dass man durchs offne Fenster den herunterfließenden Rhein vor einen See halten kann, den dessen jenseitigem Ufer Maynz liegt. (..) Die Vegetation im Garten und Park sehr lebhaft. Platanen von großer Schönheit, so auch babylonische Weiden von auserordentlicher Grösse,“ so berichtete Goethe 1814 seiner Frau Christiane, nachdem er im Festsaal gespeist hatte. Bis heute kann man diese unvergleichlichen Ausblicke auf den Rhein und den Park gleichermaßen von der Rotunde aus genießen.  

Für den Film hat Dr. Henriette von Preuschen, Bezirkskonservatorin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, die umfangreiche Geschichte des Schlosses in kurzen Impulsen vorgetragen. Das kammermusikalische Ensemble der Wiesbadener Musikakademie singt eine Verson von „Come again“ John  Dowlands - “To see, to touch, to kiss, to dye in sweetest sympathy’ heißt es in diesem berühmten Lied. Die Melancholie in der Musik Dowlands war sowohl biografischer Natur als auch ästhetisches Prinzip. Sie passt zu unserer derzeitigen Situation, in der wir uns an veränderte Rahmenbedingungen anpassen müssen. Uns bleibt nur, Ihnen allen zuzurufen: Come again! Hoffentlich bald schon! 

Wir sind gespannt, welche Impulse von diesem Tag des offenen Denkmals ausgehen und danken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für ihre umfassende Plattform zu dieser wichtigen, internationalen Kulturveranstaltung!

Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
10.09.2020