Lehren und Lernen

Am 14. Januar 2020 wurde Dr. Markus Harzenetter eine Honorarprofessur der Goethe-Universität Frankfurt a. M. verliehen.

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Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen
Prof. Dr. Markus Harzenetter in der Bibliothek des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen

Erfahrungen weiter geben

„Die Verleihung einer Honorarprofessur ist für mich ein großartiges Signal. Sie ermöglicht es mir, meine langjährigen praktischen Erfahrungen in der Denkmalpflege an die Studierenden des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt a. M. weitergeben zu können und sie für die besonderen Aufgabenfelder der Denkmalpflege zu sensibilisieren und zu begeistern“, sagte Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, anlässlich der Übergabe der Urkunde am 14. Januar 2020 in Frankfurt. Er freue sich auf die Impulse und Ideen der Studierenden, denn Lehren lebe vom Dialog und vom Austausch.

Sehen lernen ist Grundlage aller weiteren Handlungsfelder

„Mir ist es wichtig, aktuelle Themenfelder – wie etwa unsere Aktivitäten zum Europäischen Kulturerbejahr oder zum Bauhausjubiläum – auch mit Studierenden zu teilen und mit ihnen gemeinsam die baulichen Zeugnisse vor Ort auf ihren Zeugniswert hin zu befragen. Kulturdenkmäler sind beredte Zeugnisse unserer Kultur – man muss ihre Zeichen und Botschaften nur entziffern können.“ Harzenetter sagte, er wolle die jungen Menschen dazu ermuntern, das Sehen-lernen aktiv einzuüben. Nur so könne man die Zeitschichten erkennen, die dem Denkmalwert eines Gebäudes zugrunde lägen. Daraus ergäben sich dann die unterschiedlichsten Handlungsfelder des denkmalpflegerischen Alltags.  

Denkmalpflege als lebenslange Leidenschaft

Die Denkmalpflege sei ein interdisziplinäres Fachgebiet. Wichtig sei die Vernetzung mit Experten aus benachbarten Disziplinen, wie etwa der Restaurierung, der Urbanistik, der Stadtgeschichte oder der Materialwissenschaften. „Man lernt nie aus, denn jedes Objekt stellt uns aufgrund seiner individuellen Geschichte und seines regionalen Umfeldes vor komplett neue Herausforderungen. Das ist lebenslange Leidenschaft und erfordert eine grundsätzliche Haltung zur Bedeutung der Geschichte für die gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Gegenwart.“ 

Kulturdenkmäler fördern Austausch und Kommunikation

Die durch Überschwemmungen ausgelösten Schäden an Kulturdenkmälern in Venedig oder auch die durch Brand verursachten Zerstörungen an der Kathedrale Notre Dame in Paris etwa hätten eindrücklich vor Augen geführt, in welchem Maße die denkmalgerechte Reparatur, Pflege und Erhaltung zum Selbstverständnis eines Landes und der Identität der Menschen beitrage. Kulturdenkmälern komme eine wachsende Bedeutung für den Dialog der Kulturen zu. Oft sei den Bürgern gar nicht bewusst, dass sie regelmäßiger Pflege und Wartung bedürften, um auch in Zukunft erlebbar zu bleiben. Auch im Bereich der Verdichtung von Ballungsgebieten bzw. der Wiederbelebung von historischen Ortskernen in ländlichen Regionen sei denkmalpflegerische Fachkompetenz in zunehmendem Maße gefragt. Eine weitere große Herausforderung seien die durch den Klimawandel zu erwartenden Veränderungen insbesondere im Bereich der historischem Gärten und Parks, aber auch bei der ressourcenschonenden Erhaltung von Gebäuden. „Hier brauchen wir junge und engagierte Menschen, die bereit sind, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse auf der Basis fundierter Erfahrung praktisch anzuwenden.“

Voraussetzungen und Chancen

Traditionellerweise studieren Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger Kunstgeschichte, Archäologie oder Architektur und ergänzen dies durch ein Masterstudium Denkmalpflege, bevor sie sich für ein zweijähriges Volontariat an einem Landesamt für Denkmalpflege bewerben. Arbeitgeber können auch die Unteren Denkmalschutzbehörden, Architekturbüros, kommunale oder kirchliche Bauämter sein. Einblicke in die Arbeitsfelder der Denkmalpflege ermöglichen auch Praktika oder ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege. Derzeit ist der Markt für junge Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger so gut wie seit langem nicht mehr. Wer flexibel und kommunikativ ist, hat sehr gute Chancen.

Aufgaben und Ziele der Lehrtätigkeit

Die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt a. M. kann auf Vorschlag des Fachbereichs nach Anhörung des Senats Personen, die besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in der Berufspraxis erbracht haben, eine Honorarprofessur übertragen. Durch die Bestellung von Honorarprofessoren sollen Personen mit Bezug zur Praxis für die universitäre Lehre gewonnen und dauerhaft an die Hochschule gebunden werden. Die Lehrtätigkeit eines Honorarprofessors wird nebenamtlich ausgeübt.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen