Interview zur Instandsetzung der Frauenfriedenskirche in Frankfurt

Gelungene Instandsetzungen sind der beste Beweis für eine zielgerichtete und wertschätzende Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Kerstin Stoffels, zentrale Koordinatorin der Instandsetzungsmaßnahmen in der Frauenfriedenskirche in Frankfurt am Main, spricht in einem Interview über ihre persönlichen Beweggründe und Hintergründe der Maßnahme. Lesen Sie hier einen Auszug.

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Die Frauenfriedenskirche in Frankfurt ist täglich geöffnet. Viele Menschen nutzen dieses Angebot derzeit, um die besondere Atmosphäre des Raumes auf sich wirken zu lassen.
Die Instandsetzung hat wesentlich dazu beigetragen, die besondere Bedeutung der Kirche als Mahnmal für den Frieden und zugleich als Gemeindekirche ins öffentliche Bewusstsein zu heben.

Wie haben Sie es geschafft, alles zusammen zu halten?

Wir waren einfach eine tolle Gruppe. Transparenz und Vertrauen war uns zu allen Zeiten wichtig. Niemals ging es um Konkurrenz oder darum, sich durchzusetzen. Oft war es sogar so, dass wir nach einer bestimmten Zeit alle zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind und davon überzeugt waren, dass die vorgeschlagenen Lösungen stimmig sind und in das Gesamtkonzept passen. Im Grunde waren diese Jahre der Instandsetzung wie eine lange und abenteuerliche Schiffsfahrt mit großer Besatzung: jeder hatte seine/ihre Aufgabe, zusammen hatten wir ein Ziel, für das wir den günstigen Wind nutzen konnten. Kleinere Turbulenzen haben wir gemeinsam unter Nutzung der vielfachen Kompetenzen gemeistert. Das ganze Projekt stand unter einem guten Stern – es war ein Geschenk.

Was war für Sie die prägendste Erfahrung?

Am Meisten berührt hat mich die Erfahrung, wie sich nach und nach ein Ganzes formt, wie das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder zum Vorschein kommt und wie die Farben je nach Lichteinfall wieder lebendig zu werden scheinen. Das ist jeden Tag anders, je nach Wetter, Jahres- oder Tageszeit. Mein Lieblingssatz, den ich vermutlich mit ins Grab nehmen werde, lautet: Das schaut sich weg. Niemand sieht, dass hier 200 Mitarbeitende von 67 Firmen gewirkt haben, dass sieben Kilometer Kabel verbaut und wir stundenlang über alles – von der Frage des Beleuchtungskonzeptes, bis zur Form und Farbe von Steckdosen – geredet haben. Was man sieht, ist der stimmige Gesamteindruck, den heute alle bewundern.

Heute erscheint es kaum mehr vorstellbar, dass Frauen sich zusammentun, um ihrer Trauer und ihrer Ohnmacht durch den Bau einer Kirche Ausdruck zu verleihen. Ich denke an Greta Thunberg oder den von Frauen getragenen Protest in Belarus. Ging es den Frauen auch darum, öffentliche Aufmerksamkeit zu erringen?

Hier muss man unbedingt den Respekt vor der Geschichte wahren, denn nach dem Ersten Weltkrieg gab es für Frauen nicht die Möglichkeiten, die wir heute haben. Dieses „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ – das waren ja erst die Errungenschaften der 1960er- und 1970er-Jahre. Unmittelbar nach dem Krieg hatten die Menschen nichts – ich kann mir gut vorstellen, dass es den Frauen damals gutgetan hat, wenigstens etwas Geld für den Bau einer Kirche zu spenden. Auf diese Weise konnten sie ihre Trauer und zugleich ihre Hoffnung ausdrücken. Das Projekt hat sie getröstet und – wie die Instandsetzung uns heute – in ihrer Gemeinschaft gestärkt.

Ihr Lieblingsort in der Kirche?

Ich liebe die Taufkapelle mit ihrer besonderen Ausstrahlung. Sie hat so eine wunderbar in sich ruhende Wirkung. Trägerin dieser besonderen Raumwirkung ist die ochsenblutfarbige Fassung der hinteren Wandelemente. Sie treten zurück, umhüllen und betonen den Kern des Raumes. Während der Instandsetzung habe ich auch sehr gerne auf dem Gerüst im Chor gestanden – face to face mit dem Gekreuzigten. So was hat man nicht alle Tage. Wunderschön ist im Sommer auch die Stille des schattigen Ehrenhofes, wenn die Rosen – als Sinnbild der Schönheit und der Liebe, aber auch als Symbol für Schmerz, Blut und Leiden  – duften. 

Das Interview in voller Länge

Das Interview in voller Länge finden Sie neben vielen anderen interessanten Einblicken in unsere Arbeit in der ersten Ausgabe unserer neuen Zeitschrift „Denkmal Hessen“. „Denkmal Hessen“ ist aus dem Periodikum „Denkmalpflege & Kulturgeschichte“ hervorgegangen: im neuen Gewand berichten wir über Aktuelles aus unserem Haus und informieren Sie über neue Erkenntnisse und Entwicklungen in der hessischen Denkmalpflege. Die Zeitschrift kann kostenfrei abonniert werden, auch Einzelexemplare können kostenfrei angefordert werden. Über eine Spende freuen wir uns in allen Fällen.

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Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
05.05.2021