Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.

Beim Neujahrsempfang haben wir unseren Gästen aus Politik, Wirtschaft und Vereinen wichtige Forschungs- und Arbeitsfelder unseres Hauses vorgestellt. Das Motto lautete „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“

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Blick von der Rotunde in die Galerie des Biebricher Schlosses beim Neujahrsempfang 2020
Blick von der Rotunde in die Galerie des Biebricher Schlosses beim Neujahrsempfang 2020.

Das Denkmal als Ressource

„Wir freuen uns über das von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgerufene Motto des Tages des offenen Denkmals ‚Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neudenken‘“, sagte Prof. Dr. Markus Harzenetter heute vor rund 250 geladenen Gästen. 
„Wir erheben es zu unserem Jahresmotto, um das Denkmal als ökonomischen, ökologischen und baukulturellen Wert in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen.“ Harzenetter betonte, im Kontext der aktuellen Klimadebatte sei es wichtig, die Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes im Laufe der Jahrhunderte zu betrachten. Jede ersparte Investition sei ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung. „In der Denkmalpflege reparieren wir vorzugsweise und tauschen schadhafte Elemente zurück haltend aus. Man muss verstehen, wie das Gebäude funktioniert und mit seinen Eigenschaften leben – eine angemessene Nutzung ist der beste Garant für seinen Erhalt.“  Von unseren Vorfahren könnten wir lernen, wie man Sonnenenergie nutze, Baustoffe wieder verwende und mit natürlichen Dämmmaterialien ein optimales Raumklima erziele. Moderner Wohnkomfort sei selbstverständlich auch im Kulturdenkmal möglich – dafür gebe es unzählige Beispiele.

Handwerken wie Kelten und Römer

Dr. Carsten Amrhein, Direktor des Römerkastells Saalburg (Archäologisches Landesmusum Hessen = ALMhessen) stellte die vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen in der Keltenwelt am Glauberg und im Römerkastell Saalburg vor, die die Besucher auch in diesem Jahr die Welt der Kelten und Römer entführen. Die Sonderausstellung "Hammer! Handwerkern wie Kelten und Römer" etwa gewähre Einblicke in die Werkzeugkisten der antiken Handwerker und mache ihre Arbeitsweisen, Rohstoffe und Erzeugnisse anschaulich. Das Archäologische Mitmachlabor, der Wissenschaftstag und die archäologischen Grabungen in der Keltenwelt erklärten archäologische Forschungsmethoden für Jedermann. Am Handwerkermarkt und in den Workshops auf der Saalburg können die Handwerkstechniken der Römer bestaunt und ausprobiert werden. In beiden Museen gehe die Digitalisierung mit großen Schritten voran. „Auf den neuen Homepages werden in Zukunft ausgewählte und spektakuläre Ausstellungsstücke auch im Internet zu sehen sein“, erklärte er.

Landesaufnahme zwischen Bodendenkmal und Kulturlandschaft - Beispiel Montanwesen

Dr. Sabine Schade-Lindig, stellv. Abteilungsleiterin hessenARCHÄOLOGIE, sprach über die Aufgabe des Landesamtes für Denkmalpflege im Bereich der Landesforschung und Beratung. Grundlage sei die Landesinventarisation, die in der Bodendenkmalpflege nur unzureichend und im Wald systematisch noch gar nicht stattgefunden habe. Tausende Bodendenkmäler seien daher noch unbekannt. Am Beispiel der Montanregion Hintertaunus zeigte sie auf, was letztlich der Landesforschung entgehe, wenn die Zerstörung des Bestandes in dieser Form voranschreite. Deutlich werde aber auch, dass Bodendenkmäler in vielerlei Hinsicht mit der gewachsenen Kulturlandschaft verwoben seien, weswegen eine begleitende Aufnahme von Kulturlandschaftselementen im Rahmen einer Landesaufnahme nahe läge.

Denkmalfäden spinnen: Die karolingische Abtei Fulda – ein Kooperationsprojekt

Ausgehend von den in Fulda und Petersberg erhaltenen karolingischen Bauwerken stellte Christine Kenner, stellv. Abteilungsleiterin Bau- und Kunstdenkmalpflege, passend zum diesjährigen Motto des Tages des offenen Denkmals ein Kooperationsprojekt der Stadt Fulda vor, an dem auch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen neben zahlreichen Bildungsträgern vor Ort mitwirkt. Ziel des Projektes sei es, insbesondere Kindern und Jugendlichen die Bedeutung der weite Teile Mitteleuropas umfassenden Bildungsreform Karls des Großen und die Rolle der Abtei Fulda in dieser Bewegung zu vermitteln. „Von den gemeinsamen kulturellen Wurzeln und der Geschichte Europas ausgehend werden mit verschiedenen Aktivitäten Bezüge zu Fulda und der Gegenwart geknüpft sowie eine Beschäftigung mit den erhaltenen Bau- und Kunstdenkmälern integriert“, erklärte Kenner. 

Andreas Hertel, Jazzpianist aus Wiesbaden bereicherte die Veranstaltung durch musikalische Beiträge aus den „goldenen“ 20er Jahren.

Der Tag des offenen Denkmals

Der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr am 13. September statt. Alle Interessierten können sich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anmelden. Die Stiftung bietet wertvolle Anregungen und Informationen zum Motto, zur Durchführung von Veranstaltungen sowie kostenfreie Werbemittel an. Die Übersicht aller Veranstaltungen wird im Sommer 2020 frei geschaltet.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau-  und Kunstdenkmalpflege