Zwei merowingerzeitliche Schmiedegräber unter der Lupe

Auf Einladung der hessenARCHÄOLOGIE tagte am 14. März 2019 im Schloss Biebrich eine Expertenrunde, bestehend aus Archäologen, Restauratoren und Fachleuten. Anlass dafür war die Präsentation von zwei Bestattungen mit sensationellen Beigaben bestehend aus Feinschmiedewerkzeugen, Fehlgüssen und Rohmaterialien aus dem merowingerzeitlichen Gräberfeld von Wölfersheim-Berstadt (Wetteraukreis).

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Gruppenfoto der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Merowingerzeitliche Gräber mit Schmiedegeräten aus Wölfersheim-Berstadt“ am 14.3.19 im Schloss Biebrich.
Gruppenfoto der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Merowingerzeitliche Gräber mit Schmiedegeräten aus Wölfersheim-Berstadt“ am 14.3.19 im Schloss Biebrich.

Dabei war der Vormittag des Treffens ganz der Vorstellung der archäologischen Befunde und Funde gewidmet: Nach der Begrüßung der 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Landesarchäologen Dr. Udo Recker gab Dr. Eveline Saal einen Überblick zum aktuell laufenden Gräberfeldprojekt und stellte die beiden sogenannten „Schmiedegräber“ -Befund 136 und 338 - aus Berstadt vor.
Als Parallelen bezüglich der beigegebenen Werkzeugauswahl wurden die bekannten Schmiedegräber von Poysdorf/A, Brno/Cz, Herouvillette/F und Tattershall Thorpe/GB herangezogen.

Im Anschluss berichtete Restauratorin Angelika Ulbrich von der Freilegung der Blockbergung einer möglichen Holzkiste aus Grab Befund 338, die eine spektakuläre Zusammenstellung aus Werkzeugen, Gerätschaften und weiteren handwerklichen Utensilien enthielt: Die darin geborgene Auswahl umfasste etwa einen Steckamboss, drei Hämmer, eine Tiegel- und eine mögliche Drahtziehzange, ein Zieheisen, mögliche Tiegelreste und eine Barrengussform, Feilen, Punzen, ein Blasrohr, eine komplette Balkenwaage nebst Gewichten, einen Drillbohrer, eine Blechschere, zwei Raumschalen, Bergkristall-, Glas- und Granatfragmente sowie eine große Anzahl von Abfällen zur Wiederverwertung aus Buntmetall, Blei, Silber und vieles mehr.

Zu der Gestaltung und der möglichen Verwendung einer kleinen gegossenen Reiterfigur aus Buntmetall - eines der außergewöhnlichsten Fundstücke - referierte im Anschluss Alexandra Hilgner M.A. (Johannes Gutenberg-Universität Mainz).

Dr. Holger Komnick (Römisch-Germanische Kommission Frankfurt am Main) und Dr. Jérémie Chameroy (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz) gaben am Ende des Vortragsteils einen ersten Überblick über ihr Forschungsvorhaben zu den römischen und merowingerzeitlichen Münzen aus dem gesamten Gräberfeld von Wölfersheim-Berstadt sowie über die Münzen, die sich in Grab Befund 338 auf den Schalen der beigegebenen Waage befanden.

Am Nachmittag hatten die TeilnehmerInnen während des zweiten Programmteils ausführlich Gelegenheit, die Fundobjekte beider Gräber im Original zu begutachten und anschließend in einer gemeinsamen Gesprächsrunde unter verschiedenen Aspekten zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Klärung offener Fragen aus archäologischer, restauratorischer und materialkundlicher Sicht.

Fazit

Durch den wissenschaftlichen Austausch konnten zahlreiche weiterführende Untersuchungen zu den Fundstücken angeregt werden. Nachdem die daraus resultierenden Ergebnisse in den Gräberfeldkatalog eingeflossen sind, ist es das zukünftige Projektziel, KooperationspartnerInnen unterschiedlicher Fachdisziplinen an der Auswertung des merowingerzeitlichen Gräberfeldes zu beteiligen.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des gelungenen Workshops sowie den Helferinnen sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt!

Dr. E. Saal, Landesamt für Denkmalpflege hessen, hessenARCHÄOLOGIE