Wallanlage am Kapellenberg im Fokus

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(v. re) Bürgermeisterin G. Stang, Landesarchäologe Dr. U. Recker und Prof. Dr. D. Gronenborn beim Pressetermin auf dem Kapellenberg

Die Forschungen der diesjährigen, nunmehr 7. Grabung am Kapellenberg konzentrierten sich wieder auf die Wallanlage am Plateau des Meisterturms. Im Verlaufe der vergangenen Jahre zeigte sich, dass dort der Bau der umlaufenden und heute noch sichtbaren Wallanlage um das Jahr 4100 v. Chr. begann. Nach 3600 v. Chr. durchlief sie ihre letzte, heute noch sichtbare Ausbauphase. Die Befestigung existierte zur Zeit der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur (4300 bis 3500 v. Chr.). Zahlreiche Oberflächenfunde im Innenraum zeigen, dass dort eine Siedlung existiert haben muss. Diese Innenraumbesiedlung wird seit 2013 an verschiedenen Stellen untersucht. Mittlerweile deutet sich an, dass das Plateau um den Meisterturm wohl nur während eines kurzen Zeitraumes zwischen 3700 und 3600 v. Chr. besiedelt war. Die Befestigung diente zu anderen Zeiten vielleicht eher als Fluchtburg.

Das Grabungsteam bestand aus Studierenden der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und der Goethe-Universität Frankfurt unter der örtlichen Grabungsleitung von Jonas Nowaczek. Er beschäftigt sich in seiner laufenden Magisterarbeit auch mit den möglichen Beziehungen zwischen dem Kapellenberg und einer Siedlung aus derselben Zeit bei Hattersheim.
Seit 2008 gräbt das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz (RGZM) und der Arbeitsbereich Vor- und Frühgeschichte des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz am Kapellenberg in Hofheim. Die Forschungen leitet Prof. Dr. Detlef Gronenborn. Die Grabungen finden in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung hessenARCHÄOLOGIE statt und werden von der Stadt Hofheim unterstützt.

Das Wissen durch die langjährigen Untersuchungen soll nun an die Öffentlichkeit dauerhaft weitergegeben werden. Dafür hat die Stadt Hofheim gemeinsam mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum für die Jahre 2016 und 2017 über die „Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region" einen Zuschuss für das Projekt „Archäologie der Region erleben" erhalten.
Das Projekt kombiniert Grabungen und Analysen in den Jahren 2016 und 2017 mit einer ausführlichen Wegbeschilderung. Diese wird im Stil des Regionalparks RheinMain erstellt und später in diesen integriert. Die Errichtung der Beschilderung ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen. Mit dieser beispielhaften Kombination von öffentlicher Präsentation und Forschung wird die regionale Geschichte und Identität für die Bürger erfahrbar.

Landesarchäologe Dr. Udo Recker betonte am 30. August bei einem Pressetermin in Anwesenheit von Bürgermeisterin Gisela Stang und Prof. Dr. Detlev Gronenborn die Bedeutung des Siedlungsplatzes Kapellenberg für die vorgeschichtliche Vergangenheit des Rhein-Main-Gebietes. „Noch gibt uns der Berg zahlreiche Rätsel auf", so Recker. „Jede Ausgrabungskampagne bringt uns jedoch ein gutes Stück weiter, die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge in der Lebenswelt der Menschen vor über 6.000 Jahren besser zu verstehen."

(E. G.)