Sumpfkuh mit Dachschaden

Am 19. Mai wurde die neu konzipierte Abteilung Archäologie als dritte Abteilung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim der Öffentlichkeit übergeben. Fachlich beratend stand bei der Konzeptumsetzung die Außenstelle Darmstadt, hessenARCHÄOLOGIE, dem Museumsteam unter Leitung von Dr. Brigitte Maul zur Seite.

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20.06.2017 Dr. Udo Recker Grußworte Rüsselsheim
Ausstellungseröffnung Abteilung Archäologie im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim. Grußwort durch Landesarchäologen Dr. Udo Recker.

Neue Abteilung "Archäologie" im Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseum eröffnet

Im Rahmen eines Festaktes begrüßte der Oberbürgermeister der Stadt, Patrick Burghardt, die geladenen Gäste. Er betonte in seiner Eröffnungsansprache, wie gut sich dieses Museum der Herausforderung stellt, Geschichte für Menschen erlebbar zu machen.

Bürgermeister Dennis Grieser, zuständig u.a für Kulturbelange in der Stadt Rüsselsheim, machte den Wert des Museums als Gedächtnis der Stadt deutlich. Eine wichtige Quelle hierfür sei die Archäologie, nun zum Teil sichtbar gemacht durch die nun präsentierten Fundobjekte, die nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Bestand des Hauses ausmachen.

In seinen Grußworten hob der hessische Landesarchäologe Dr. Udo Recker hervor, wie stringent das Haus seiner Linie der Geschichtsvermittlung durch alle Abteilungen bis hin zu der nun eröffneten Sektion „Archäologie“ gefolgt ist. „Um aber die Identität richtig zu verknüpfen und nicht falsch zu verstehen, muss sie richtig vermittelt werden. Dieser Verpflichtung hat sich die Stadt Rüsselsheim mit ihrem Stadt- und Industriemuseum gestellt. Der dabei im Vordergrund stehende Anspruch, die Geschichte der Stadt wissenschaftlich fundiert zu erforschen und auf dieser Grundlage eine allgemeinverständliche Vermittlung zu versuchen, ist konsequent umgesetzt.“ Auch qualifizierte er die Sammlung des Museums und die dahinter stehende Tradition ehrenamtlichen archäologischen Engagements in Rüsselsheim und leitete aus den Funden die Siedlungsgunst des Rüsselsheimer Raumes am Nordrand des Hessischen Riedes ab.

In ihrer Einführung schätzte die Museumsleiterin, Dr. Bärbel Maul, den archäologischen Sammlungsbestand ihres Hauses als ansehnlich, aber nicht spektakulär ein. „Spektakulär ist dafür die Geschichte, die damit erzählt werden kann.“

Die neue Ausstellung gibt einen Überblick über 100.000 Jahre Siedlungsgeschichte, beginnend beim Nachweis frühester Menschenpräsenz durch ein Steinwerkzeug eines Neandertalers bis hin zum Ende der römischen Herrschaft und dem Beginn der alemannischen Besiedlung im 4. Jahrhundert n. Chr. Im Zentrum der Abteilung hat der Besucher die Möglichkeit, sich mittels einer Medienstation, eingebaut in einem alten Ziehbrunnen aus dem Rüsselsheimer Stadtteil Bauschheim, auf den Ausstellungsbereich einzustimmen.

Hier werden an ausgewählten Fundobjekten besondere Aspekte der jeweiligen Zeitstufen betrachtet, auch wenn die Ausstellung nicht grundsätzlich an einem rein chronologischen Aufbau orientiert ist. Gegliedert nach thematischen Aspekten, bietet sie einen Bezug zur heutigen Zeit und damit auch Identifikationsmöglichkeiten für den Besucher. Für einzelne Funde und Fundgattungen wurden Modelle und Nachbildungen entwickelt, um sowohl Nutzung als auch Funktion eindrücklich zu erläutern.

Die Konzeption dieser Ausstellung wurde vom Team des Museums unter Mitarbeit der freiberuflichen Archäologin Cornelia Moors M.A. entwickelt. Neben dem eigentlichen Museumsbestand werden auch Funde aus Privatbesitz und aus Ausgrabungen der Außenstelle Darmstadt – Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE – präsentiert. Die Außenstelle stand zudem auch fachlich beratend bei der Konzeptumsetzung zur Seite, begleitet die Ausstellung durch Beiträge sowohl zum Programm als auch zu einem Begleitband. In diesem wird ein fundierter Einblick in die Rüsselsheimer Stadtgeschichte bis in die frühe Neuzeit gegeben.

Einen ungewöhnlichen Weg ging das Museum bei der Bewerbung dieser Ausstellung. Besondere Fundstücke wurden mit außergewöhnlichen, inhaltlich angelehnten Schlagworten auf den Ausstellungsplakaten kombiniert und durch eine „frische“ farbliche Hinterlegung zusätzlich betont. Zwei dieser Begriffe standen Pate für die Überschrift dieses Beitrags!

Th. Becker M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE