Steinzeitsiedlung und Keltengräber in Erlensee

Bei einem Besuch am 1. August informierten sich Landrat Thorsten Stolz (Main-Kinzig-Kreis) und Bürgermeister Stefan Erb (Erlensee) über den Stand der Ausgrabungen südlich des Gewerbeparks Erlensee, zwischen Langendiebach und der A45. Gemeinsam mit dem Kreisarchäologen des Main-Kinzig-Kreises Claus Bergmann M.A. und dem zuständigen Bezirksarchäologen Dr. Dieter Neubauer (LfDH) begutachteten sie Funde und Befunde und informierten sich über den Stand der Arbeiten.

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Kreisarchäologe Claus Bergmann M.A.,Landrat Thorsten Stolz (Mainz-Kinzig-Kreis) und Bürgermeister Stefan Erb (Erlensee) bei der Präsentation diverser Grabbeigaben von Erlensee / Langendiebach. Im Hintergrund  Bezirksarchäologe Dr. Dieter Neubauer (LfDH).
Kreisarchäologe Claus Bergmann M.A.,Landrat Thorsten Stolz (Mainz-Kinzig-Kreis) und Bürgermeister Stefan Erb (Erlensee) bei der Präsentation diverser Grabbeigaben von Erlensee/Langendiebach. Im Hintergrund Bezirksarchäologe Dr. Dieter Neubauer (LfDH).

Dass hier südlich des Gewerbeparks Erlensee, zwischen Langendiebach und der A45, mit archäologischen Befunden und Funden gerechnet werden musste, war für die Fachleute nicht überraschend gewesen. Schon vor Jahren hatte man in der Nähe bereits Gräber aus der Bronze- und Eisenzeit entdeckt. Bevor hier nun demnächst auf diesem, zur Zeit noch landwirtschaftlich genutzten Areal, auf rund 22 Hektar Fläche ein Verwaltungs- und Logistikzentrum gebaut werden soll, hatten im letzten Sommer bereits Mitarbeiter einer archäologischen Fachfirma bauvorgreifend gegraben - diese Arbeiten wurden nun in diesem Jahr fortgesetzt.

Auf eine Siedlungstätigkeit bereits im Neolithikum verweisen Funde wie Steinbeile und Keramikfragmente. Bedeutsam sind jedoch die Funde, die aus einem hier entdeckten Friedhof der jüngeren vorrömischen Eisenzeit stammen. Bisher sind 30 Gräber entdeckt und dokumentiert worden. Neben Knochenfragmenten der in der Regel zu dieser Zeit verbrannten Toten fanden sich noch weitere Fundstücke, darunter Fragmente von Schmuckstücken, Werkzeuge und auch Waffen. Bemerkenswert ist hierbei der Fund eines intentionell verbogenen eisernen Schwertes. Nicht nur dieser Fund, sondern auch weitere Objekte wie z. B. Fragmente von kobaltblauen Glasarmringen, Bronzearmringe oder eine tönerne Rassel geben uns heute einen Einblick in die Glaubenswelt der Kelten vor mehr als 2000 Jahren. Die Gräber und deren Ausstattung verraten zudem viele Details zu Handwerk und Handel. Auch gestatten die Qualität und der Umfang der Beigaben in Kombination mit dem Bestattungsaufwand, den die Hinterbliebenen mit ihren Toten betrieben, Interpretationen zur Sozialstruktur der keltischen Bevölkerung.

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE