Restaurierung Keltengrab Bad Schwalbach

Das im März 2017 bei Erschließungsarbeiten für das neue Gewerbegebiet „Ober der Hardt“ bei Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) entdeckte Grabinventar einer eisenzeitlichen Brandbestattung aus frühkeltischer Zeit wird zurzeit in der archäologischen Restaurierungswerkstatt bearbeitet. Anlass für eine Stippvisite durch Vertreter der Bad Schwalbacher Presse. Im Zentrum standen dabei vorallem die Fortschritte der Restaurierungsarbeiten an einem als Graburne genutzten Bronzekessels oder -eimers.

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Freilegen und Konservieren des Kesselinhaltes von Bad Schwalbach.
Freilegen und Konservieren des Kesselinhaltes von Bad Schwalbach unter Laborbedingungen.

Das Bodendenkmal hatte bis zum Beginn der Bauarbeiten im März 2017 versteckt in einer heute gerodeten Fichtenschonung gelegen und war erst im Zuge der Auswertung örtlicher Laserscan-Daten sichtbar geworden.
Im Zentrum des rund 25 m durchmessenden Grabhügels konnte bei den anschließenden Sondagegrabungen eine vollständig intakte, viereckige Grabkammer freigelegt werden, die in den örtlich anstehenden Schiefer eingetieft und anschließend mit einer Steinpackung aus Quarzitbrocken abgedeckt worden war. Auf dem Boden der Grabkammer ließen sich die Überreste einer ehemaligen Brandbestattung nachweisen, deren Überreste in einem bronzenen Kessel von ca. 0,50 m Durchmesser beigesetzt worden waren. Ein daneben platziertes Keramikgefäß grenzt den Zeitrahmen für die Anlage des Grabes auf die Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends ein. Die hervorgehobene Stellung des oder der Bestatteten drückt sich, neben dem aufwendigen Grabaufbau nicht zuletzt auch in der Auswahl der Örtlichkeit des Grabes aus, das mit seiner unmittelbaren Lage neben der heutigen Bäderstraße vermutlich eine weithin sichtbare Landmarke für alle Durchreisenden dargestellt haben dürfte. Das Fehlen weiterer Hügelgräber im direkten Umfeld des Bad Schwalbacher Grabhügels unterstreicht den besonderen Status der bestatteten Persönlichkeit.

Das Objekt wurde im Block gesichert und geborgen und in die Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE gebracht, um hier unter Laborbedingungen wichtigen Detailfragen, wie dem Nachweis weiterer Grabbeigaben nachzugehen und diese zu konservieren. In diesem Zuge wird gleichzeitig vorhandener Leichenbrand für weitergehende Untersuchungen gesichert. Bei der Freilegung des Kesselinhalts konnten nicht nur zahlreiche Holzreste und Leichenbrandfragmente geborgen werden, sondern überraschenderweise auch umfangreiche Mengen von Textilresten. Diese haben sich aufgrund des direkten Kontakts mit der umgebenden Bronzewandung des Kessels bestens erhalten.
Sie liefern nun nicht nur hervorragende Ansätze für die Erforschung eisenzeitlicher Bekleidung, sondern werden darüber hinaus auch Aussagen zur Verwendung im eisenzeitlichen Grabritus der ansässigen Bevölkerung zulassen.

Dr. K. Mückenberger, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE