Permische Fossilien aus der Ziegeleigrube Schöneck-Oberdorfelden

... ein paläontologisches Bodendenkmal von Weltrang.

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Im Vordergrund auf dem Boden ein ca. 2,5m langes Stammfragment einer neuentdeckten Schachtelhalm-Art (Calamites), welches von Dr. S. Voigt (Urweltmuseum GEOSKOP) im Zuge der Grabungskampagne geborgen werden konnte.

Foto: Im Vordergrund auf dem Boden ein ca. 2,5m langes Stammfragment einer neuentdeckten Schachtelhalm-Art (Calamites), welches von Dr. S. Voigt (Urweltmuseum GEOSKOP) im Zuge der Grabungskampagne geborgen werden konnte. Im Hintergrund (v.l.n.r): Dr. J. Bohathý (hessenARCHÄOLOGIE), St. Hirschmann, Prof. Dr. D. Uhl (beide Forschungsinstitut Senkenberg) und D. Nagel (TU Dresden/IHI Zittau).

Seit Anfang der 1970er Jahre werden in einem Tagebau südöstlich von Schöneck-Oberdorfelden (Main-Kinzig-Kreis) Rohstoffe für die Ziegelproduktion gewonnen. Abgebaut werden rotbraune, feinklastische Sedimente des Rotliegenden (Unter-Perm). Diese umfassen den basalen Abschnitt der unterpermischen Bleichenbach-Formation, der höchsten lithostratigraphischen Einheit des Rotliegenden im Wetterau-Becken.

Die Rotsedimente der Ziegeleigrube sind seit knapp 40 Jahren als besonders reicher Spurenfossil-Fundpunkt bekannt. Sedimentologie und Paläontologie des Rotliegenden der Ziegeleigrube wurden vor allem in den 1980er Jahren vom Geologischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt a. M. unter Federführung von Prof. Dr. G. Kowalczyk untersucht. Auf Grundlage dieser Forschungsarbeiten wurde die Lokalität im Jahre 1991 als ortsfestes Paläontologisches Bodendenkmal des Landes Hessen unter Schutz gestellt sowie im Auftrag der Paläontologischen Denkmalpflege stratigraphisch erfasst.

Trotz der relativ langen Erforschungsgeschichte erfolgten bis zum Jahre 2014 keine systematischen Untersuchungen der dortigen Spurenfossilien. Dieses Defizit sollte durch die Ausgrabung „Fossilbergung innerhalb des Paläontologischen Bodendenkmals Ziegeleigrube Oberdorfelden - Schöneck, OT Oberdorfelden, Main-Kinzig-Kreis" (NFG 224/2014), unter der Leitung von Dr. S. Voigt (Urweltmuseums GEOSKOP, Burg Lichtenberg, Pfalz), eliminiert werden. An dieser nahmen zehn Studenten und Doktoranden der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (Sachsen), Prof. Dr. J. W. Schneider sowie Dr. B. Gaitzsch (beide Freiberg) teil. Ferner partizipierten Dr. Th. Schindler (GDKE Rheinland-Pfalz), Dr. R. Rößler (Naturkundemuseum Chemnitz) sowie St. Brauner (Nationaler GeoPark Thüringen „Inselsberg - Drei Gleichen").

Erklärtes Ziel der Unternehmung war es, flächig innerhalb des Spurenfossil-höffigsten Grubenareals zu graben, um Hinweise auf das Ablagerungsmilieu zu erlangen sowie weitere Spuren- und Körperfossilbelege dokumentieren zu können. Ferner sollten feinstratigraphische Profile über die gesamte in der Grube erschlossene Rotliegendabfolge aufgenommen werden, um bisherige und neu gewonnene Erkenntnisse in einen größeren, überregionalen Kontext stellen zu können.

Aus paläoökologischer Sicht kann das Ablagerungssystem der permischen Rotsediment-Abfolge der Unteren Bleichenbach-Formation als eine feuchte Schwemmebene gedeutet werden. Anzahl und Vielfalt floristischer Biota (Schachtelhalme, Farnsamer und Koniferen) und faunistischer Biota (Hydromedusen, Crustacea, Arthropoden, Crossopterygier, Acanthodier, Palaeonisciden und Tetrapoden) deuten auf gute Lebensbedingungen.

Bereits jetzt zeigen die vorläufigen Ergebnisse der Grabungskampagne an, dass die Rotsedimente der Ziegeleigrube Schöneck-Oberdorfelden das artenreichste Vorkommen mit Spuren unterpermischer Landwirbeltiere in Deutschland und angrenzender Gebiete darstellt. Darüber hinaus ist es die einzige Lokalität, an der alle acht, aus dem Unter-Perm Mitteleuropas bekannten Tetrapodenichnogenera nach Voigt gemeinsam auftreten. Ferner lieferte die Grabung fossile Ruhespuren, die wahrscheinlich von basalen, flügellosen Insekten stammen. Es handelt sich laut Dr. S. Voigt um den einzigen paläozoischen Nachweis derartiger Spuren außerhalb der USA. Die im Zuge der Nachforschungen entdeckten Abdrücke von Hexapoden repräsentieren den ersten Nachweis von Insekten-Körperfossilien aus den Hessischen Rotliegend-Becken. Nicht weniger selten sind für das Unter-Perm der Wetterau Wirbeltierreste, die bereits im Jahre 2006 dokumentiert werden konnten.

Aktuell werden die Fossilfunde geowissenschaftlich multidisziplinär untersucht. Während der Leiter der Grabungskampagne Tetrapodenichnogenera, flügellose Insekten und Abdrücke von Hexapoden erforscht, werden die Pflanzenfossilien durch eine Kooperation der Paläontologischen Denkmalpflege mit dem Forschungsinstitut Senckenberg bearbeitet. Unter der Leitung von Prof. Dr. D. Uhl (Senckenberg) fand in diesem Zusammenhang eine erste Fundevaluierung des geborgenen Pflanzenmaterials im Zentraldepot des Landesamtes für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE statt, in dessen Räumlichkeiten die Funde inventarisiert, hinterlegt und wissenschaftlich bearbeitet werden. Als erstes Ergebnis zeichnet sich die Entdeckung einer möglicherweise neuen Schachtelhalm-Art (Calamites) ab, die durch Herrn Dr. S. Voigt in Form eines spektakulären, ca. 2,5m langen Stammfragmentes geborgen werden konnte.

(J.B.)