Neue Informationstafel zur Geschichte der Klosterruine St. Wolfgang

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau und mit Unterstützung durch HessenForst, Forstamt Hanau-Wolfgang, eine neue Informationstafel für die Klosterruine St. Wolfgang angefertigt.

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Hubertusmesse zur Tafelaufstellung Kloster St. Wolfgang bei Hanau
Hubertusmesse in der Klosterruine St. Wolfgang bei Hanau.

Damit soll der Bedeutung dieses Denkmals Rechnung getragen und der Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten werden, sich vor Ort über die Geschichte dieser bedeutenden Anlage zu informieren. Am Sonntag, dem 15. Oktober, wurde die neue Tafel im Rahmen einer Feierstunde der Öffentlichkeit vorgestellt.
Grußworte sprachen Stadtrat Günther Jochem (Stadt Hanau) und Dr. Udo Recker (Landesarchäologe von Hessen). Im Anschluss wurde in den Mauern der ehemaligen Klosterkapelle eine Hubertusmesse mit Pfarrer Edgar Sahm (Bistum Würzburg) gefeiert.

Sowohl in den Ansprachen als auch im Laufe der Messe wurde an den im letzten Jahr verstorbenen Bezirksarchäologen Dr. Guntram Schwitalla gedacht, dessen Witwe, Frau Marianne Kilian, an der Feier teilnahm. Zuständig für den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau, hatte er ein großes wissenschaftliches und persönliches Interesse an der Geschichte des ehemaligen Servitenklosters St. Wolfgang. Zusammen mit dem Hanauer und Rodenbacher Geschichtsverein kümmerte Dr. Schwitalla sich um Pflege und Unterhalt der Ruinen und hatte in den Jahren 2013 und 2014 archäologische Untersuchungen initiiert. Dass nun eine neue, aktualisierte Informationstafel zur Geschichte der Klosterruine aufgestellt wird, ist vornehmlich seinen Bemühungen zu verdanken. Die Präsentation der Tafel im Rahmen einer Hubertusmesse geht auch auf seine Anregung zurück, da er dies als angemessenen Rahmen betrachtete, um auf die besondere Bedeutung des Klosters als auch seines Heiligen (St. Wolfgang - für Forst und Wald) hinzuweisen.

Ehemaliges Servitenkloster St. Wolfgang
Nach mündlicher Überlieferung stiftete Erasmus Hasefuß, der Forstmeister des Grafen Philipp von Hanau, im Jahre 1468 eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Wolfgang, dem Schutzpatron der Holzarbeiter und -handwerker. Durch eine Schenkung des Grafen, der ein Haus mit Schlafraum, Speisesaal und Werkstätten errichten ließ, siedelte sich hier zwischen 1486 und 1488 ein Ordenskonvent der Serviten (servi Mariae) an. 1515 werden vier Priester des Klosters genannt. Doch bereits im Bauernkrieg wird St. Wolfgang 1525 und abermals 1527 verwüstet, worauf die letzten vier Mönche mit ihrem Prior das Kloster verlassen.

Archäologie und Bauforschung
Die archäologischen Untersuchungen der Jahre 2013/14 wiesen trotz der kurzen Bestehenszeit eine rege Bautätigkeit an St. Wolfgang nach. Nördlich der Kirchenruine wurden ein Vorgängerbau sowie unterkellerte Wohn- und Wirtschaftsgebäude ebenso wie ein runder Treppenturm an der Sakristei freigelegt. Die Fußböden zierten Fliesen mit dem Wappen der Hanauer Grafen. Auch der einst gelbe Verputz mit roter Scheinquaderung an Türen und Gebäudekanten zeigte die Hausfarben der Klosterstifter. Der freistehende Turm war ursprünglich ein zweigeschossiges Gebäude mit Keller, dem erst nach der Klosterzeit weitere Geschosse und ein Zinnenkranz aufgesetzt wurden.

Schürfgruben und Jagdschloss
Rund um das Klostergelände prägen zahlreiche Schürfgruben zur Gewinnung von Raseneisenstein den Auwald, die wohl auch zu Zeiten der Servitenmönche betrieben wurden. 1715 ließ der letzte Graf von Hanau an Stelle des heutigen Forstamtes das Jagdhaus Wolfgang errichten.

Dr. B. Leinthaler u. Dr. D. Neubauer, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE