Mitglieder der JugendBauhütte Hessen-Marburg auf Schloss Lichtenberg

Als Abschluss ihres Freiwilligen Sozialen Jahres bei der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz" machten 20 Teilnehmer der JugendBauhütte (IJGD) Hessen-Marburg während ihrer letzten Seminarwoche einen fünftägigen Abstecher in die Archäologie. Ort: das Schloss Lichtenberg in der südhessischen Gemeinde Fischbachtal im Odenwald.

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Auch das ist Archäologie. Die Teilnehmer*innen bei der Erstversorgung der Fundobjekte.
Auch das ist Archäologie. Die Teilnehmer*innen bei der Erstversorgung der Fundobjekte.

Vom 1. bis 5. Juli konnten 20 junge Leute gemeinsam mit Herrn Oliver Dahn (Leiter der JugendBauhütte Hessen-Marburg) und in Kooperation mit der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE am LfDH (Außenstelle Darmstadt) einen „praktischen“ Einblick in den Arbeitsalltag der Bodendenkmalpflege bekommen. Diese Aktion fand in Zusammenarbeit mit der Verwaltung Schlösser und Gärten Hessen (Frau Dr. Anja Dötsch) sowie dem Landesbetrieb Bauen und Immobilien Hessen (Herren Karl-Heinz Lorenz und Gunnar Knöss) statt.

Möglich wurde diese Aktion an der ehemaligen Burg der Herren von Katzenelnbogen durch das Zusammenwirken der vier genannten Kooperationspartner. Gleich zu Beginn erhielten die Jugendlichen durch den zuständigen Bezirksarchäologen Thomas Becker M.A., erste Einblicke in die Arbeits- und Vorgehensweise der Bodendenkmalpflege. An den folgenden Tagen hieß es dann, unter Anleitung die Schaufel in die Hand nehmen und „graben“. So hatten die Teilnehmer dieses Projektes nicht nur die Möglichkeit, bei der Anlage zweier archäologischer Schnitte innerhalb der Zwingermauer mitzuarbeiten, sondern sich auch sowohl bei der Erstversorgung von Fundmaterial als auch bei den Vermessungsarbeiten einzubringen. Betreut und angeleitet wurden die Jugendlichen während dieser Zeit von Ralf Klausmann (Grabungstechniker, Außenstelle Darmstadt) und Peter Steffens M.A. (Wissenschaftlicher Volontär, Außenstelle Darmstadt).

Dank dieses Einsatzes konnten in einem der Schnitte - trotz der vergleichsweise kurzen Zeitspanne - gleich zwei Mauerzüge und die Reste einer Fußbodenpflasterung freigelegt und dokumentiert werden. Die vorliegenden Erkenntnisse wurden mit den historischen Plänen der ehemaligen Burg bzw. dem späteren Schloss Lichtenberg verglichen und geben Aufschluss über die frühere Bebauung des inneren Zwingerbereiches. Auch zur zeitlichen Abfolge sind nun Aussagen möglich. Diese Baureste gehören vermutlich zu zwei Wirtschaftsbauten, die in Plänen aus dem 19. Jahrhundert zwar verzeichnet sind, ihre dortige Lokalisation jedoch nicht gesichert war.

Das geborgene Fundmaterial, das die Teilnehmer am Freiwilligen Sozialen Jahr vor Ort sofort wuschen und weiter versorgten, lässt Aussagen zum zeitlichen Rahmen zu. Die zeitlich anzusprechenden Keramikfragmente belegen eine Nutzung ab dem 15. Jahrhundert - in dem der Zwinger wahrscheinlich errichtet wurde - bis in das 20. Jahrhundert. Ältere Funde, die aus der Frühphase der Katzenelnbogischen Nutzung stammen, fanden sich nicht.

Fazit dieser Woche: Für alle Beteiligten war es eine rundum gelungene Veranstaltung, die nicht nur Einblicke in die Arbeit der Bodendenkmalpflege ermöglichte, sondern nebenbei auch das eine oder andere Klischee zum Thema Archäologie korrigierte.

Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist nicht auszuschließen.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten für Ihren Einsatz und die Möglichkeit diese Kooperation auf den Weg zu bringen. Den Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres wünschen wir alles Gute für die Zukunft!

P. Steffens M.A., Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE