Minister Boris Rhein eröffnet neue Dauerausstellung „Rom in Germanien“

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein eröffnete am Sonntag, den 19. August 2018, die Dauerausstellung „Rom in Germanien“ im Römerkastell Saalburg – Archäologischer Park. Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung steht der berühmte "Pferdekopf aus Waldgirmes" – Teil einer vergoldeten bronzenen Reiterstatue aus der frühen Römischen Kaiserzeit.

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Pferdekopf aus Waldgirmes in der Vitrine
Vor dem Hintergrund einer angedeuteten Rekonstruktion der Reiterstatue in Originalgröße bildet der Pferdekopf in einer an drei Seiten zugänglichen Vitrine den Höhepunkt.

An diesem Familientag, eingebettet in ein vielfältiges Rahmenprogramm, konnte die Öffentlichkeit zum ersten Mal einen Blick auf das rund 2.000 Jahre alte,15 kg schwere eindrucksvolle Statuenfragment werfen. Der bedeutende Fund wurde 2009 bei Ausgrabungen der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE des Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) in der römischen Stadtanlage bei Lahnau-Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) entdeckt.

Nach der Begrüßung durch Museumsdirektor Dr. Carsten Amrhein sprach Minister Boris Rhein das Grußwort zur Ausstellungseröffnung. Das Römerkastell Saalburg liegt direkt am Limes, der Außengrenze des Römischen Reiches. Daher sei die Saalburg „für den Pferdekopf der ideale Ausstellungsort“ wie Boris Rhein betonte, bevor er – eskortiert von Mitgliedern der Legio Prima Germanica Augusta – die neue Dauerausstellung in einem Seitenarm der principia (Stabsgebäuder des Kastells) eröffnete.

Die Funde aus Waldgirmes werden seit Sonntag exklusiv in zwei Räumen präsentiert: Der erste Raum informiert zum Fundplatz Waldgirmes. Hier werden bereits interessante Kleinfunde –Keramik, Werkzeuge, besondere Fundstücke wie Gemmen (geschnittene Ringeinlagen) oder Gewandschließen (Fibeln) gezeigt werden. Auch findet der Besucher hier weitere Informationen wie z. B. zu naturwissenschaftlichen Methoden in der Archäologie. Ergänzt werden die Vitrinen durch sogenannten „Hands-On-Stationen“ mit vergrößerten Nachbildungen von Objekten sowie durch einen Medientisch, über den verschiedenste Rekonstruktionen oder Animationen abgerufen werden können. Im zweiten Raum steht der Pferdekopf selbst im Mittelpunkt: Vor dem Hintergrund einer angedeuteten Rekonstruktion der Reiterstatue in Originalgröße bildet der Pferdekopf in einer an drei Seiten zugänglichen Vitrine den Höhepunkt. Zu dieser neuen Ausstellung ist auch ein neuer Museumsführer mit dem Titel „Rom in Germanien. Waldgirmes – Dauerausstellung im Römerkastell Saalburg“ erschienen.

Die Besucher hatten an diesem Tag zudem auch die Möglichkeit, sich quasi „aus erster Hand“ über die Fundumstände im Allgemeinen und Besonderen zu informieren. Frau Dr. Gabriele Rasbach, damalige Leiterin der Untersuchungen im römischen Waldirmes, berichtete in ihrem Vortrag „sic transit gloria imperii“ („So vergeht der Ruhm der Macht“) über die Geschichte der Ausgrabungen von 1993 bis 2009.

Eingebettet war der Tag in ein vielfältiges Rahmenprogramm. So gab es u. a Führungen durch das Kastell, Vorführungen zum Bronzeguss, Schildtraining der Formation Testudo oder auch Brotbacken mit den Soldaten der I. Römercohorte Opladen. Nicht zuletzt begeisterte die Besucher das Angebot, den Restauratorinnen der hessenARCHÄOLOGIE des LfDH, bei der Arbeit über die Schulter zu sehen und verschiedene Konservierungsmethoden kennenzulernen. Bei sonnigem Wetter war diese Veranstaltung mit 1.200 Besuchern ein voller Erfolg!

Wie geht es weiter? Ab Mitte November wird der Pferdekopf aus Waldgirmes für sechs Wochen in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ zu sehen sein. Unter dem Leitthema "Europa: Austausch und Bewegung" findet diese Ausstellung vom 21. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 im Gropius Bau in Berlin statt. In diesem Kooperationsprojekt des Verbandes der Landesarchäologen (VLA) mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin präsentieren 16 Bundesländer aufsehenerregende Funde sowie neueste Erkenntnisse aus der Archäologie der letzten Jahre. Die Schirmherrschaft hat der deutsche Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier übernommen. Gefördert wird dieses Projekt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Monika Gütters.

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE