Merowingerzeitliche Elite?

Am 26. Mai eröffnete im Stadtmuseum Groß-Gerau die Sonderausstellung mit dem Titel „Merowingerzeitliche Elite? Frühmittelalterliche Grabfunde in einem vorgeschichtlichen Grabhügel bei Wallerstädten“. Diese Studioausstellung entstand in Kooperation mit der Außenstelle Darmstadt, hessenARCHÄOLOGIE.

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26.06.2017 Ausstellungseröffnung Groß-Gerau, Plakatwand
Im Eingangsbereich zur Ausstellung - Projektion des Grabungsplans auf das heutige Gelände.

Archäologische Studioausstellung im Museum Groß-Gerau

Der Ausstellung liegen die Ausgrabungsergebnisse zugrunde, die von den der archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1985 bzw. 1988 im Bereich eines hallstattzeitlichen Grabhügels mit merowingerzeitlichen Nachbestattungen stammen. Insgesamt elf Bestattungen aus dem Frühmittelalter sind seinerzeit geborgen und dokumentiert worden, während die eisenzeitliche Zentralbestattung des Grabhügels bereits durch die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes eingeebnet und damit nicht mehr nachzuweisen war.

Im Rahmen der Ausstellung werden nun die Ergebnisse der damaligen Untersuchungen vorgestellt und in den Kontext der lokalen und regionalen Geschichte eingeordnet. Im Zentrum der Ausstellungskonzeption stehen die Beigaben aus den frühmittelalterlichen Gräbern, die ebenso Einblicke in die Jenseitsvorstellungen dieser Zeit und die gesellschaftliche Position der Bestatteten geben. Es werden Überlegungen zur Bedeutung der kleinen Bevölkerungsgruppe angestellt, die nachträglich in einen eisenzeitlichen Grabhügel bestattet hat. Hieraus ist dann auch letzten Endes der Titel dieser Studioausstellung entstanden.

Weitere Themenfelder sind unter anderem die bodendenkmalpflegerische Problematik des Denkmalverlustes in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Region des Hessischen Rieds und die Einsatzmöglichkeiten moderner Prospektionsmethoden zur Auffindung von Bodendenkmälern.

Im Rahmen der Eröffnung stellten Stadtrat Jochen Auer, Museumsleiter Jürgen Volkmann und der Koordinator der Außenstelle Darmstadt Thomas Becker, in Vertretung des hessischen Landesarchäologen Dr. Udo Recker, das ehrenamtliche Engagement heraus, ohne das diese Ausstellung nicht zustande gekommen wäre. Auf Werner Jährling und Bernd Mertens als ehrenamtliche Mitarbeiter des Museums Groß-Gerau gehen verschiedene Aspekte zur Entstehung der Ausstellung zurück. Angefangen von der Entdeckung des Grabhügels und der Initiierung der Ausgrabung, der systematischen Inventarisation des Fundbestandes im Museum, der Idee und der Konzeption der Ausstellung und nicht zuletzt deren Umsetzung in Gestaltung und Aufbau. Ebenfalls mitgearbeitet an der Ausstellung hat Marco Hardy als freiberuflicher Archäologe.

Die Studioausstellung kann bis zum 17. September 2017 besucht werden. Darüber hinaus ergänzt ein begleitendes Rahmenprogramm, bestehend aus Vorträgen und Führungen durch die Ausstellung, die Informationsmöglichkeit für die interessierte Öffentlichkeit.

Th. Becker, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE