Marktplatzarchäologie in Bensheim

Am 12. November 2017 eröffnete im Museum der Stadt Bensheim die Sonderausstellung „Von Traubenkernen und Brakteaten – Archäologie unter dem Marktplatz“. Thema dieser Ausstellung sind Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen auf dem Marktplatz, die 2016 – abgestimmt zwischen Stadt, Unterer Denkmalschutzbehörde und Landesarchäologie (Außenstelle Darmstadt) – im Rahmen der Neugestaltung dieses Areales stattfanden - begleitet und dokumentiert von einem Mitarbeiter des Museums der Stadt Bensheim.

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Eröffnungsansprachen Museum Bensheim
Ansprachen zur Eröffnung der Sonderausstellung "Von Traubenkernen und Brakteaten" im Museum Bensheim (v.l.n.re.Dr. Christoph Herbig, Bürgermeister der Stadt Bensheim Rolf Richter sowie der zuständige Bezirksarchäologe Thomas Becker M.A.

Eröffnet wurde die Präsentation vom Bürgermeister der Stadt Bensheim, Rolf Richter, der die Bedeutung dieser Untersuchungen und der geborgenen Funde für die Geschichte der Stadt und der Region Bergstraße hervorhob. In seinen Grußworten betonte Thomas Becker M.A., zuständiger Bezirksarchäologe der Außenstelle Darmstadt (hessenARCHÄOLOGIE), die besondere Leistung, dass bereits ein Jahr nach dem Ende der Ausgrabung das Museum der Stadt Bensheim, die Ergebnisse in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zeigt. Ferner sei es dem Gespür des Museumsleiters Christoph Breitwieser M.A. zu verdanken, dass zudem auch naturwissenschaftlichen Untersuchungen initiiert wurden. Deren Ergebnisse bilden nun einen Schwerpunkt in dieser Ausstellung.

Dr. Christoph Herbig, freiberuflicher Archäobotaniker aus Frankfurt a.M., führte in seiner anschließenden Ansprache in die Thematik Archäobotnik ein und erläuterte den Anwesenden vor allem in die Ergebnisse seiner Analysen der Bensheimer Marktplatzfunde.

Hintergrund der Ausstellung
Im Zuge der Neuverlegung von Fernwärmeleitung und der anschließenden Neugestaltung des Marktplatzes konnten in den tiefreichenden Leitungsgräben Spuren der Nutzung und der vormaligen Bebauung dieses Areals nachgewiesen werden. Es gelang u.a. auch der Nachweis von Latrinengruben. Die zeitliche Ansprache des aus deren Verfüllungen geborgenen Fundmaterials geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Die Untersuchungsergebnisse erlaubten Aussagen zum ursprünglichen Aussehen des Marktplatzes, der im Vergleich zum heutigen Erscheinungsbild deutlich kleiner und baulich stärker gegliedert war. Neben Resten der Sachkultur wie beispielsweise bemaltem Fensterglas konnten vor allem Knochen und botanische Reste aus den Latrinen geborgen werden. Bedeutsam sind hier Traubenkerne, die mittels Radiocarbondatierung in das 11. Jahrhundert datiert werden konnten. Sie sind damit der älteste Nachweis von Weinanbau an der Bergstraße, denn bisher ließ sich der Anbau nur indirekt mittels historischer Quellen belegen. Die genetischen Analysen zur Ermittlung der Rebsorte sind noch nicht abgeschlossen und werden mit Spannung erwartet.

Die Ergebnisse der Untersuchungen des Bensheimer Marktplatzes haben auch Eingang in das aktuelle Jahrbuch der hessenArchäologie gefunden.

Th. Becker M.A. und Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE

Information:
Die Ausstellung „Von Traubenkerne und Brakteaten. Archäologie unter dem Marktplatz“ dauert bis zum 21. Januar 2018.

Anschrift:
MUSEUM DER STADT BENSHEIM
Marktplatz 13
64625 Bensheim