Junge Archäologen aus Frankfurt auf der Suche nach dem Kastell

Im März fand im Rahmen des Nebenfachstudiengangs Archäometrie für neun angehende Archäologen eine Blockveranstaltung mit dem Titel „Geophysikalisches Praktikum für Archäologen“ statt. Veranstaltet wurde dieses Ausbildungsmodul vom Institut für Archäologische Wissenschaften und dem Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit der Außenstelle Darmstadt, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abteilung hessenARCHÄOLOGIE.

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Messung mit dem Radarschlitten im Kastell
Messung mit dem Radarschlitten im Kastell.

Ausgewiesen war hierfür ein vorher klar definiertes und unterteiltes Areal im Bereich des ehemaligen römischen Kohortenkastells von Groß-Gerau, gelegen im Hinterland des Obergermanischen Limes.

Moderne Prospektionsmethoden wie die Geophysik gehören mittlerweile fast schon zum täglichen „Handwerkszeug“ bodendenkmalpflegerischen Handelns. Mit ihnen können zerstörungsfrei noch im Boden befindliche Fundamentreste von Gebäuden, Abfallgruben und anderen Spuren menschlichen Lebens sichtbar gemacht werden. Diese dabei gewonnenen Ergebnisse sind Bestandteil für weitere Erforschungen und damit Grundlage für zukünftige Planungen in diesen Bereichen und ermöglichen ressourcenschonende Maßnahmen - und damit auch Planungssicherheit für Bauträger und Archäologie. Somit wird es immer wichtiger, zukünftigen Archäologinnen und Archäologen diese Methoden nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis näher zu bringen.

Zum Einsatz durch die Studierenden kamen dabei sowohl geomagnetische, geoelektrische wie auch Georadarmethoden, die die Studenten in drei vorbereiteten Feldern ausprobieren und testen konnten. Die Anwendung und Funktion der Geräte standen zwar im Vordergrund, doch gleichzeitig wurden hierbei auch ganz konkrete bodendenkmalpflegerische Fragestellungen bedient. Bei der Auswahl des Areals für diese Messungen standen gezielt Bereiche im Focus, die bisher weder in großem Umfang archäologisch noch geophysikalische untersucht worden war.

Zu Fragen zur Erhaltung der Steinmauer in diesem Bereich und zum Aussehen der Innenbebauung des Kastells, über dessen Gliederung und Besatzung bislang in der Forschung Unklarheit herrscht, erhoffen sich nun alle Beteiligten, dass die Messergebnisse zur Beantwortung in weiten Teilen dieser Fragen beitragen können. Bereits vor Ort waren am Bildschirm erste Bodenstrukturen zu erkennen. Die abschließende Auswertung der Messungen und deren Interpretation werden nun mit Spannung erwartet.

Th. Becker M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE