Jedes Stück ein Star

7.000 Jahre Stadtgeschichte in einem Raum verständlich und anschaulich zu vermitteln, klingt nach keiner einfachen Aufgabe. Wie eine solche Herausforderung mit Bravour gemeistert werden kann, zeigt die neue Archäologische Dauerausstellung in Bensheim. Nun wurde die Ausstellung durch den Museumsleiter Christoph Breitwieser M.A. in kleinem Rahmen mit geladenen Gästen offiziell eröffnet.

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v.l. Illustrator Marvin Backes, Anthropologe Dustin Welper, Museumsleiter Christoph Breitwieser, Thomas Becker (hessenARCHÄOLOGIE), Ausstellungsdesigner Dirk Seidlitz und Grafikerin Jennifer Sturm.
v.l. Illustrator Marvin Backes, Anthropologe Dustin Welper, Museumsleiter Christoph Breitwieser M.A., Dr. des.Thomas Becker (hessenARCHÄOLOGIE), Ausstellungsdesigner Dirk Seidlitz und Grafikerin Jennifer Sturm.

„Eigentlich müssten wir einen Tag der offenen Tür haben“, konstatierte Bürgermeister Rolf Richter bei strahlendem Sonnenschein im Hof des Museums. Die Zeit für Ausstellungen ist aktuell keine einfache und dennoch finden die Museen kreative Wege, um den Menschen weiterhin Zugang zu Kultur und Geschichte zu ermöglichen. So auch das Museum Bensheim mit seiner neuen Dauerausstellung, die zuvor zuletzt vor über 80 Jahren aktualisiert wurde.

Ideale Partner

Dr. des. Thomas Becker, Koordinator der Außenstelle Darmstadt (LfDH, hessenARCHÄOLOGIE), zeigte sich von der Ausstellung beeindruckt und dankte der Stadt dafür, dass sie mit Breitwieser einem ausgebildeten Archäologen die Leitung des Museums überantwortete. Breitwiesers Fachkenntnis und seine musealen Erfahrungen seien nicht nur für die Ausstellung, sondern auch für das Museum an sich ein Glücksgriff. „Wir sind damit ideale Partner“, freute sich Becker, der seine Expertise bei Fachfragen immer wieder gerne zur Verfügung stellte. Immerhin findet sich in Bensheim nach Darmstadt nicht nur die größte Archäologische Sammlung Südhessens, sondern mit der neu konzipierten Ausstellung auch die einzige Archäologische Dauerausstellung der Region. Eine Ausstellung, die rund 7.000 Jahre menschlicher Besiedlung und noch längere Naturgeschichte auf gerade einmal etwa 80 Quadratmetern aufarbeitet. „Das muss man erst mal schaffen“, staunte Becker.

Moderne Präsentation für alte Knochen

Die Ausstellung präsentiert sich dabei hochmodern mit einem aufgeräumten Präsentationskonzept, das Funden den nötigen Raum lässt, um für sich wirken zu können. „Jedes Stück ist der Star“, erläutert der Museumsleiter. Von einer Einführung in die Archäologie über den Klimawandel am Bensheimer Badesee bis zur römischen Selfiestation deckt die Ausstellung dabei eine breite Palette an Themen ab und bietet immer wieder Stationen zum Anfassen und Ausprobieren. So können jüngere Besucher an einer der Stationen selbst versuchen, den Aufbau eines menschlichen Skelettes zu vervollständigen oder ihr Wissen an einem Quizmemory testen.

Highlights der Ausstellung sind damit nicht nur die Exponate, sondern auch deren Umsetzung, wie sich am eindrucksvollsten an der Rekonstruktion der „ältesten Bensheimerin“ zeigt. Basierend auf einem Skelettfund aus der ersten Hälfte des 6.Jahrhunderts, der bereits 1907 entdeckt wurde, entstand zunächst vor fünf Jahren eine plastische Gesichtsrekonstruktion. In Kooperation mit dem Frauenhofer-Institut wurde nun für die Ausstellung eine computergenerierte dreidimensionale Rekonstruktion des Schädels realisiert. Diese wird den Besuchern auf einem hochmodernen 3D-Monitor präsentiert. Der erste seiner Art, der in einem Museum umgesetzt wurde. Diese moderne Museumsgestaltung überzeugte auch Barbara Hölschen vom Hessischen Museumsverband. „Museum heute und morgen gestalten heißt auch, experimentieren zu können“, stellte sie zufrieden fest.

Ein Projekt vieler Hände

Für Christoph Breitwieser war bei der Konzeption dieser modernen Ausstellung eines von Anfang an klar: „Das geht gar nicht alleine.“ Neben seinem Team dankte er auch der Stadt für die Rückendeckung und der hessenARCHÄOLOGIE für die „immer offenen Türen“. Um die Ausstellung für Besucherinnen und Besucher mit Sehbehinderungen erschließen zu können, hatte sich Breitwieser zudem bereits während der Ausstellungskonzeption die Unterstützung der Christoffel-Blindenmission (CBM) an Bord geholt. „Das Ergebnis ist total wunderbar geworden“, freute sich Tanja Spiegel von der CBM. Leicht zugängliche Tafeln in Brailleschrift helfen Menschen mit Sehbehinderungen nun dabei, die Funde zu verstehen, und ein taktiles Leitsystem wird noch folgen.

Lars Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
11.09.2020

Museum der Stadt Bensheim

Marktplatz 13
64625 Bensheim
Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag   15:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Samstag und Sonntag      12:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Gruppen, Führungen und Workshops nach Vereinbarung
Tel. Kasse: 0 62 51 - 5 84 78 68
Eintrittspreise:
Erwachsene                   EUR 2,50   in Gruppen EUR 1,00/Pers.
Schüler/Jugendliche   EUR 1,00   in Gruppen EUR 0,50/Pers.
Kinder bis 6 J.                 frei