Geschichte, Kunst und Recht miteinander verbinden

Lisa Bingenheimer (37) und Sebastian Francks (35) sind seit Januar 2019 Referenten im Justiziariat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

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Lisa Bingenheimer und Sebastian Francks sind die neuen Referenten im Justiziariat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen
Lisa Bingenheimer und Sebastian Francks sind die neuen Referenten im Justiziariat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

Grundrechte und Denkmalschutz in Einklang bringen

„Meine Arbeit als Referentin im Justiziariat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen ist die ideale Verbindung zwischen Jura und Kunst“, beschreibt Lisa Bingenheimer ihren neuen Aufgabenbereich. „Mein Kollege Sebastian Francks und ich arbeiten eng mit den Kollegen und Kolleginnen aus der Bezirksdenkmalpflege, der Bezirksarchäologie und der Denkmalerfassung zusammen. Unser Ziel ist es, das kunsthistorische, archäologische und paläontologische Fachwissen der Kolleginnen und Kollegen und unsere juristischen Expertisen zu Gunsten der Kulturdenkmäler in Hessen zusammen zu führen.“

Der Schwerpunkt ihrer gemeinsamen Arbeit bestehe darin, das im Grundrecht formulierte Recht von Denkmaleigentümern und Grundstückbesitzern mit dem öffentlichen Interesse am Erhalt und der Erforschung von Kulturdenkmälern in Einklang zu bringen.

Weiterentwickeln und an neue Herausforderungen anzupassen

Wichtig sei es auch, das Hessische Denkmalrecht an neue gesellschaftliche Entwicklungen anzugleichen. „In Zukunft werden vor allem die Schnittstellen mit dem Umwelt- und dem Naturschutz sowie die Zusammenarbeit mit den Unteren Denkmalschutzbehörden das Denkmalrecht vor neue Herausforderungen stellen.“ Sowohl im Bereich der Bau- und Kunstdenkmalpflege, als auch in der archäologischen und paläontologischen Denkmalpflege gehe es im Zuge der Verdichtung von Wohnraum und der durch die Energiewende notwendig gewordenen Umstrukturierungen darum, die Interessen der kulturellen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren mit den Erfordernissen der Gegenwart in Übereinstimmung zu bringen.

Denkmalschutz als gesellschaftlicher Konsens

„Die Reaktionen auf vom Leerstand oder gar vom Abriss bedrohte Baudenkmäler oder Zerstörungen von Bodendenkmälern zeigen uns immer wieder, wie sehr sich die Bürgerinnen und Bürger in Hessen mit ‚ihren‘ Kulturdenkmälern identifizieren“, sagte Sebastian Francks. Er zeigte sich beeindruckt darüber, in welchem Maße die konsequente Umsetzung des Denkmalrechtes bereits gesellschaftlicher Konsens sei. „Die denkmalrechtlichen Vorschriften in Hessen sind ein sehr wirksames Instrumentarium und eine großartige Basis, um gemeinsam mit den Fachreferenten Lösungen zu erarbeiten, die sowohl im Interesse der Denkmaleigentümer als auch der Kulturdenkmäler sind.“

Vom Nutzen des Denkmalrechtes

Die denkmalrechtlichen Vorschriften in Hessen etwa böten Eigentümern von Kulturdenkmälern ein breites Instrumentarium an Unterstützungsmaßnahmen bei der wichtigen Aufgabe der Pflege und des Erhalts ihrer Gebäude, unter anderem in Form von Zuschüssen, Steuervorteilen und kostenfreier fachlicher Beratung. Bei der Bodendenkmalpflege gebe das Gesetz auch Bürgern die Chance für eine kollegiale Zusammenarbeit sowie Hilfestellung beim Umgang mit Befunden und Funden. „Nur wenn es uns gelingt, Kulturdenkmäler zu erhalten, bleibt Geschichte auch für unsere Kinder erlebbar.“

Stets zum Wohle der Mannschaft

Sebastian Francks und Lisa Bingenheimer stimmen darin überein, dass „eine gute Kommunikation zwischen allen am Denkmal Beteiligten die Grundlage zur Lösung aller rechtlichen Herausforderungen ist.“ Das Denkmalrecht sei vergleichbar mit einem guten Schiedsrichter beim Fußball: „Er ist immer da, wenn die Situation es erfordert, verfolgt das Spiel mit großer Konzentration, pfeift sich jedoch nie um seiner selbst willen in den Vordergrund, sondern stets nur zum Wohle seiner ihm anvertrauten Mannschaft.“

Zur Person

Lisa Bingenheimer ist in der Hugenottenstadt Friedrichsdorf  aufgewachsen und studierte nach dem Abitur in Passau Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht. Anschließend absolvierte sie ihr Rechtsreferendariat am OLG München; ihre Wahlstation hat sie im Brüsseler Büro der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer verbracht. Für ihren Berufseinstieg zog es sie wieder zurück in die Heimat. Nach Stationen als Rechtsanwältin in der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle und in einer mittelständischen Kanzlei in Frankfurt am Main entschied sie sich für ein Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Dort konnte sie sich erstmals tiefer mit den Kunstwerken und Kunstdenkmälern in Hessen befassen. Es entstand der Wunsch, an deren Pflege und Erhaltung mitzuwirken – und die Geschichte des Landes auch für spätere Generationen erfahrbar zu machen. Ein Ziel, das sie mit ihrer Arbeit als Justiziarin nun tagtäglich verfolgt. Besonders schön für die Liebhaberin barocker Schlösser ist es dabei, ihre Tätigkeit in der ehemaligen Residenz der Fürsten und Herzöge von Nassau auszuüben.

Sebastian Francks hat in Marburg, Mainz und Kopenhagen studiert. Durch Stationen bei der Hessischen Architekten- und Stadtplanerkammer in Wiesbaden und bei der UFA Film GmbH in Potsdam-Babelsberg legte er seine Schwerpunkte im Rahmen seines Referendariats auf „die künstlerischen Bereiche im Juristischen“. Nach mehrjähriger Tätigkeit als angestellter Rechtsanwalt in Wiesbaden und Syndikusrechtsanwalt eines Wirtschaftsverbandes in Frankfurt am Main kehrt er nun „mit großer Freude“ zu seinen frühen Interessensgebieten zurück.

Wir wünschen unserer neuen Kollegin und unserem neuen Kollegen einen guten Start und freuen uns auf die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege