Geoarchäologische Untersuchungen zum historischen Verlauf der Weschnitz

In Zusammenarbeit mit dem Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Außenstelle Darmstadt der hessenARCHÄOLOGIE (LfDH) wird derzeit der historische Verlauf der Weschnitz untersucht. Bereits im September 2020 fanden im Rahmen eines Praktikums zusammen mit dem Geographischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg hierzu erste Sondagen im Bereich der Wattenheimer Brücke bei Lorsch (Kr. Bergstraße) statt.

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Durch Bohrungen können auch Messungen in tieferen Bodenschichten durchgeführt werden, die Aufschluss über die Bodenzusammensetzung geben
Durch Bohrungen können auch Messungen in tieferen Bodenschichten durchgeführt werden, die Aufschluss über die Bodenzusammensetzung geben.

Projektziel dieser drei Partner ist es, das Alter des heutigen Weschnitzverlaufes - möglicherweise in römischer bzw. in frühmittelalterlicher Zeit verändert - nachzuweisen.

Bereits vom 18. bis zum 26.02.2021 hatten 30 Studierende aus Mainz – getrennt in Kleingruppen unter Wahrung der momentan geltenden Pandemieauflagen – östlich der Brücke weitere Geländearbeiten durchgeführt. Zum einen wurde bei dieser Aktion mit Elektroden einer Multi-Elektroden-Geoelektrik die elektrische Leitfähigkeit von Boden- und Sedimentschichten gemessen. Unterschiede in der Zusammensetzung des Untergrunds ergeben hierbei Unterschiede in der Leitfähigkeit, so dass sich auf diesem Wege der Aufbau des Untergrunds ohne Eingriffe abbilden lässt. Zum anderen wurden an ausgewählten Stellen Bohrungen von 5 cm Durchmesser durchgeführt, mit deren Hilfe auch tiefere Schichten erfasst werden können. Gleichzeitig konnten so Bohrkerne gewonnen werden, die den exakten Aufbau des Untergrunds an den Probeentnahmestellen zeigen. Diese Bohrkerne – geschützt in Plastikrohren – können nun unter Laborbedingungen analysiert und ausgewertet werden.

Mit diesen Untersuchungen soll versucht werden, sich dem Verlauf der Weschnitz in römischer und karolingischer Zeit zu nähern. Dazu wurde der Bereich im Übergang der drei Gemeindegebiete Lorsch, Bensheim und Einhausen gewählt, da hier gute Voraussetzungen für die Beantwortung dieser Fragestellung bestehen. Gesucht wird dabei nach alten Gewässerrinnen, die in der Zeit der Römer und der Karolinger - also den Gründern des Klosters Lorsch - genutzt wurden. Dass die Weschnitz in beiden Zeiten als Wasserweg genutzt wurde, lässt der Abbau des Quarz-Diorits im 4. Jahrhundert nach Christus im Bereich des Felsenmeers bei Lautertal vermuten. Die dort gewonnenen, bis zu 27,5 Tonnen schweren Säulen wurden wahrscheinlich über die Weschnitz abtransportiert und so über Rhein und Mosel bis nach Trier verschifft. Dazu mussten die Römer das Gewässer aber künstlich verändern - und eben diese Spuren werden nun aktuell gesucht. Zudem liegt das Kloster Lorsch als karolingische Gründung und bedeutendes Reichskloster sicher nicht ohne Grund an der Weschnitz. Denn auch im 8. Jahrhundert wurde der Fluss als Verkehrs- und Transportweg weiter genutzt.

Aktuell dauern die Auswertungen dieser Untersuchungen noch an, doch sind bereits die ersten vorliegenden Daten äußerst vielversprechend. So konnten bereits ältere Rinnen neben dem heutigen Verlauf der Weschnitz nachgewiesen werden, deren Datierung allerdings erst nach der vollständigen Analyse der gewonnenen Bohrkerne möglich ist. Der heutige Verlauf des Flusses in diesem Bereich geht damit auf ein künstlich angelegtes Gewässer zurück, das sicherlich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder erneuert und ausgebessert wurde.

22.04.2021

Ansprechpartner für dieses Projekt

Dr. des Thomas Becker, hessenARCHÄOLOGIE, Landesamt für Denkmapflege Hessen
Prof. Dr. Andreas Vött, Dr. Lea Obrocki, Geographisches Institut Johannes Gutenberg-Universität Mainz