Fundübergabe an das Museum Judengasse in Frankfurt am Main

Ein aus dem 18. Jahrhundert stammender Siegelring mit hebräischer Inschrift war am 14. Februar Gegenstand für eine Fundübergabe der besonderen Art. Gefunden wurde der aus Bronze gefertigte Ring durch Herrn Bernd Jäger während einer Begehung im südhessischen Raum. Herr Jäger meldete seinen Fund der Fachbehörde – in diesem Fall dem zuständigen Bezirksarchäologen Thomas Becker M.A., Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE, Außenstelle Darmstadt.

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Ringübergabe am 14.02.2018
Die Übergabe des Ringes durch den Finder Herrn Bernd Jäger (li.) an den stellvertretenden Museumsleiter Herrn Michael Lenarz (re.) erfolgte im Beisein des zuständigen Bezirksarchäologen für Südhessen Herrn Thomas Becker M.A., Außenstelle Darmstadt.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Finders soll der Ring nun auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und wo und wie gelingt dies immer noch am besten? Natürlich in einem Museum! So übergab der Finder am Valentinstag, in Begleitung von Thomas Becker, das Fundstück an den stellvertretenden Direktor Herrn Michael Lenarz dem Museum Judengasse in Frankfurt am Main für die dortige Sammlung von Objekten des jüdischen Alltagslebens der Frühen Neuzeit. Dieses Museum ist einer von zwei Standorten des Jüdischen Museums Frankfurt. In diesem Haus wird auf beeindruckende Weise die mehrfach erzwungene Umsiedlung Frankfurter Juden ab der Mitte des 15. Jahrhunderts aus dem Stadtzentrum in einen am östlichen Stadtrand gelegenen und dafür neu geschaffenen Bezirk aufgezeigt.

Der Siegelring
Die in der Mitte der Ringplatte eingravierte Kanne wird von einem in Spiegelschrift geschnittenen hebräischen Schriftzug umgeben. Das Kannensymbol ist in verschiedensten Variationen häufig auf Ringen oder auf Grabsteinen zu finden. Es ist das Zeichen für die Zugehörigkeit zu den Leviten, einem der zwölf Stämme Israels, die nach dem Alten Testament von den Söhnen Jakobs abstammen. Das Levitentum ist erblich und kann weder erworben noch abgelegt werden. In früherer Zeit assistierten die Leviten im Tempel den Priestern. Der Levite goss das Wasser auf die Hände des Priesters, bevor dieser die Gemeinde mit ausgebreiteten Händen segnete.

Auffallend ist, dass die Ausführung der Gravur in Spiegelschrift nicht sehr sorgfältig durchgeführt wurde. Die Inschrift ist als „Leser bar Schlomo“ zu lesen, was bedeutet „Elieser Sohn des Salomon“. Ein weiteres Wort hingegen ist nur schwer zu deuten, da hier möglicherweise zwei Buchstaben bei der Ausführung vertauscht wurden. Ein Hinweis darauf, dass der Schriftstecher kein Hebräisch beherrschte und nach einer Vorlage arbeitete?

Derartige Ringe wurden bei der Bestätigung von Verträgen im Sinne einer Unterschrift benutzt. Dass dieser Ring nun im Museum (seine) Geschichte schreiben wird, ist nur dank des vorbildlichen und denkmalkonformen Verhaltens des Finders möglich geworden.

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE