Frau Dr. Petra Eisenach ausgezeichnet

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Eduard-Anthes-Preis für Archäologie 2015
Nach der Preisverleihung umringt von Laudatoren (v.l.: Landesarchäologe Dr. Udo Recker, Preisträgerin Dr. Petra Eisennach, Vors. Verein Altertumsfreunde im Reg.-Bez. Darmstadt e. V. Prof. Dr. Franziska Lang, Staatssekretär Ingmar Jung (HMWK) (E. Grönke)

Seit 1985 verleiht der Verein von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt e. V. alle zwei Jahre den Eduard-Anthes-Preis für Archäologie, seit 1991 in Verbindung mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, seit 2012 beide zusammen mit der hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege. Mit dem ältesten Archäologiepreis Deutschlands, benannt nach dem hessischen Archäologen Eduard Anthes (1859-1922) werden Dissertationen junger Archäologen, die über die Vor- und Frühgeschichte des deutschen Mittelgebirgsraums zwischen oberem Neckar und norddeutscher Tiefebene geforscht haben, ausgezeichnet.

Die inzwischen 16. Preisverleihung fand in diesem Jahr im Landesmuseum Wiesbaden statt. Begrüßt und herzlich willkommen geheißen wurden die Teilnehmer der Veranstaltung durch den Direktor des Landesmuseums Wiesbaden Dr. Alexander Klar. Die Grußworte sprach Prof. Dr. Franziska Lang in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins von Altertumsfreunden im Reg.-Bez. Darmstadt e.V.. Nach der Würdigung der Preisträgerin durch den Landesarchäologen Dr. Udo Recker, gratulierte Staatssekretär Ingmar Jung (HMWK) Dr. Petra Eisenach zur Verleihung des Eduard-Anthes-Preises 2015:

„Mit der Verleihung des Eduard-Anthes-Preises an Dr. Petra Eisenach zeichnen wir eine ambitionierte Archäologin aus, die zur Rekonstruktion einer antiken Kulturlandschaft in unserem Land beigetragen hat, die nicht nur für die Fachwissenschaft von größtem Interesse ist. Denn nur die Archäologie kann erforschen wie Menschen im Laufe der Vorgeschichte ihre natürliche Umwelt in Kulturlandschaften verwandelten, welche sozialen, kulturellen und politischen Veränderungen damit einhergingen und wie umgekehrt die Umwelt auf die menschlichen Entwicklungen Einfluss hatte. Dr. Eisenach hat dies in ihrer vorliegenden Dissertation mit ihren Untersuchungen für die bedeutende eisenzeitliche Siedlungsstelle Amöneburg eindrucksvoll belegt."

Dr. Petra Eisenach studierte Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Europäische Ethnologie an der Philips-Universität in Marburg und promovierte dort 2012 bei Prof. Dr. Claus Dobiat über das Thema „Späteisenzeitliche bis frühkaiserzeitliche Siedlungsspuren auf der Amöneburg. Studien zu Befunden, Kleinfunden und Keramiken der Fundstelle 9" für das sie mit dem Eduard-Anthes-Preis 2015 ausgezeichnet wird.

Dr. Eisenach bearbeitete die Ausgrabungen auf der Amöneburg der 1980er-Jahre, die unter der Leitung von Prof. Dr. Otto-Herrmann Frey und Dr. Hans-Joachim Weißhaar unterhalb der mittelalterlichen Burganlage stattgefunden hatten.

Ihre Studie befasst sich eingehend mit der Terrassierung des Südosthangs der Amöneburg. Die Preisträgerin kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Umgestaltung des Hanges in einen Baugrund eine große Arbeits- und Ingenieursleistung darstellte, so dass bisherige Konstruktionsmodelle modifiziert werden können. Die Terrassen auf der Amöneburg dienten vermutlich nicht nur als Standflächen für Häuser, sondern wurden auch für Bestattungszwecke oder religiöse Riten genutzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit dreht sich um die Frage, auf welche Kulturkontakte und -zugehörigkeit die materielle Kultur der Bewohner der Amöneburg schließen lässt. Dabei geht es nicht zuletzt um germanische und keltische (Ost- und Westlatène-) Einflüsse auf Kleinfunde und Keramiken beziehungsweise um die Vermittlung solcher Einflüsse auf die Amöneburg und in den als Kontaktzone charakterisierten Mittelgebirgsraum. Das Thüringer Becken und die Wetterau zeichnen sich den Untersuchungen zufolge als zentrale Transformations- und Kontakträume in der Eisenzeit ab.

Im Anschluss an die diesjährige Preisverleihung referierten unter der Moderation von Dr. U. Recker im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums:

  • Dr. Petra Eisennach (Deutsches Bergbau Museum, Bochum), Die Amöneburg bei Marburg und ihre Stellung in der Eisenzeit.
  • Dr. Esther Lehnemann (Marburg), Eine Brücke zur Amöneburg. Die mittellatènezeitliche Fundstelle von Kirchheim-Niederwald.
  • Dr. Frank Verse (Vonderau-Museum der Stadt Fulda/ Kommission für Archäologische Landesforschung), Neue Forschungsergebnisse zur Milseburg in der Rhön.
  • Dr. Axel Posluschny (Otto-Friedrich-Universität Bamberg), Konflikt oder Kooperation Gedanken zum Verhältnis indigener Bevölkerungsgruppen und römischer Eroberer im Limesvorland in Schottland und Hessen.

Einen würdigen musikalischen Rahmen erhielt diese Veranstaltung durch die Musik von Hila Ofek und Andre Tsirlin (Jerusalem Duo) von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, die bereits bei der Preisverleihung im Jahre 2014 die Zuhörer mit ihren Darbietungen begeisterten.

Dr.B.Leinthaler