Fünf Wochen Grabungen sind erfolgreich abgeschlossen

Am 29. Juni 2018 ist nach fünf Wochen die diesjährige Ausgrabung des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg zu Ende gegangen. In Kooperation mit der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen erforschten bis zu 12 Studierende aus Deutschland, England, Wales, Irland, den Niederlanden und den USA die Wall- und Grabenstrukturen am Südhang des Glaubergs, nur unweit vom bekannten „Fürstengrab“.

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Die internationale Grabungsmannschaft bestand aus Studierenden aus Deutschland, den Niederlanden, England, Wales, Irland und den USA.
Die internationale Grabungsmannschaft bestand aus Studierenden aus Deutschland, den Niederlanden, England, Wales, Irland und den USA.

Ziel war es, weitere Information zum Aufbau eines keltischen Walles sowie eines jungsteinzeitlichen Grabenwerkes aus der Zeit um ca. 4700 v. Chr. zu gewinnen. Nach dem völlig unerwarteten Fund eines keltischen Frauengrabes direkt unter dem keltischen Wall bei den Grabungen im letzten Jahr (Axel G. Posluschny/Christoph Röder, Respekt vor den Ahnen? – Überraschendes vom Glauberg. hessenARCHÄOLOGIE 2017 (2018, im Druck); einen Einblick in die Arbeiten im letzten Jahr bietet auch der Beitrag in der „Sendung mit der Maus“, der derzeit noch über die ARD Mediathek abgerufen werden kann. 

Leider wurden im Grabungsschnitt 2018 keine weiteren Bestattungen aufgedeckt, was aber nicht ausschließt, dass im Umfeld, zum Teil unter einer dickeren Schwemmschicht verborgen, weitere Gräber auf ihre Entdeckung warten. Aber auch in diesem Jahr waren einige Ergebnisse der Grabungen wieder völlig überraschend. So erwiesen sich die in den geomagnetischen Messdaten erkennbaren, in regelmäßigen Abständen verlaufenden Querstrukturen im keltischen Wall nicht als Einbauten zur Stabilisierung des Walles, sondern als Reste von einem Entwässerungssystem, das das Hangwasser oberhalb des Walles zumindest während dessen Bauphase, eventuell auch noch eine Weile während seiner Nutzung, durch diesen hindurch in das Tal abführte. Dass dies notwendig war, belegt die Untersuchung einer grauen Schicht direkt unter dem Wall, die durch Staunässe auf einem vorher festgetretenen Bodens entstanden war.

Aber auch der jungsteinzeitliche Graben erwies sich als Überraschung. Zwar wurden nur wenige datierende Scherben gefunden, dafür zeigte sich aber, dass der Aufbau des Systems aus Graben und innen parallel verlaufendem Palisadengräbchen sehr viel komplexer war, als erwartet. So war dem Graben, dessen Sohle sehr unregelmäßig tief lag, weil er aus verschiedenen, aneinandergereihten Gruben bestand, an einer Stelle eine breite, ebenfalls fundarme Grube außen vorgelagert. Die Funktion dieser Grube ist unklar, wie auch insgesamt das ca. 38.700 m2 umfassende Grabenwerk eher ungewöhnlich für die mittlere Jungsteinzeit ist und kaum Parallelen in Europa aufweist.

Mit den beiden Grabungen 2017 und 2018 am Südhang ist die Untersuchung dieses Bereiches bis auf weiteres abgeschlossen. Zukünftige Ausgrabungen des Forschungszentrums werden sich in den nächsten Jahren zunächst anderen Fragen am Glauberg widmen.

Parallel zu den Ausgrabungen wurde von einem schwedisch/niederländisch/deutschen Team Messungen mit Georadar und Geoelektrik durchgeführt. Ziel war zum Einen, Auskunft über weitere mittelalterliche Strukturen auf dem Glaubergplateau zu gewinnen. Darüber hinaus wurden aber auch Untersuchungen an drei vermeintlichen Grabhügeln im Umfeld des Glaubergs durchgeführt. Die Datenauswertung ist noch nicht abgeschlossen, aber es ist schon jetzt klar, dass es sich bei einer Fundstelle am Weinberghang des Glaubergs nicht um einen Grabhügel sondern um die völlig verschütteten Reste eines ehemaligen Weinberghäuschens handelt. Die beiden anderen Fundstellen haben sich aber eindeutig als Grabhügel erwiesen.

Mit den neuen Untersuchungen ist das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg den vielen Rätseln des Glaubergs wieder ein Stück weiter auf die Spur gekommen. Trotzdem hält der Berg noch viele weitere Fragen bereit, um auch für die nächsten Jahrzehnte zahlreiche Archäologinnen und Archäologen zu beschäftigen.

Dr. A. Posluschny, Forschungszentrum Keltenwelt am Glauberg