Ergebnisse der Baubegleitung in Bierstadt-Nord vorgestellt

Vor Vertretern aus Politik und Presse wurden am vergangenen Mittwoch in Wiesbaden-Bierstadt die Ergebnisse der archäologischen Baubegleitung für das neue Wohngebiet Bierstadt-Nord vorgestellt.

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Pressetermin Bierstadt- Nord - auf dem Weg zur Grabungsfläche.
Pressetermin Bierstadt- Nord - auf dem Weg zur Grabungsfläche.

Unter der Fachaufsicht des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, untersuchte die archäologische Fachfirma Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e. V. annähernd ein Jahr lang das Areal des neuen Siedlungsgebietes. Grabungsleiterin Dr. Katharina Mohnike präsentierte nun, kurz vor Ende der Arbeiten, in Anwesenheit des zuständigen Bezirksarchäologen Dr. Dieter Neubauer, was die Archäologen bei ihren Untersuchungen entdeckten.

Bereits vor Baubeginn ausgeführte geophysikalische Messungen ließen eine große Anzahl von Siedlungsüberresten vermuten. Gerade im Süden des Gebietes häuften sich die Funde, während die nördliche Hangseite weniger ergab. „Das ist nicht ungewöhnlich für Gebiete mit Hanglage“, erklärte Dr. Neubauer und führte aus: „Über die Jahrtausende schwemmte der Regen alles fort, was sich im oberen Hangbereich befand.“

Mit Objekten der sogenannten „Michelsberger Kultur“, die zwischen 5.500 und bis zu 6.400 Jahre alt sein können, über Funde aus der Urnenfelderkultur (rund 3.100 bis 3.200 Jahre alt) bis hin zu Spuren einer wenige hundert Jahre alten Landwehr lieferten die Ausgrabungen ein breites Fundspektrum. Gerade die Funde aus der Michelsberger Kultur faszinierten Mohnike, stellten sie doch die bisherigen Annahmen über die ältesten Besiedlungen des Wiesbadener Raumes in Frage. Doch auch viele Keramikfunde und Bronzeschmuck bereicherten die Fundlandschaft und weckten das Interesse der anwesenden Journalisten. So ergaben sich zahlreiche Nachfragen, etwa wie man sich das Leben dieser untergegangenen Zivilisationen vorzustellen habe und woher Begriffszuweisungen wie die der Michelsberger Kultur kommen. Fragen, die sowohl Mohnike als auch Neubauer bereitwillig und ausführlich beantworteten.

Dass es trotz der umfangreichen Funde zu keiner Verzögerung im Bauablauf kam, erfreute besonders die Leiterin des Tiefbau- und Vermessungsamtes der Stadt Wiesbaden, Dr. Petra Beckefeld. Sie dankte allen Anwesenden für die gute und konstruktive Zusammenarbeit und betonte, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten für das Gelingen einer solchen Baumaßnahme sei. Auch Projektleiter Jan Schöffner vom städtischen Tiefbau- und Vermessungsamt lobte die Leistungen der Archäologen: „Das hat überhaupt nichts an unserem Zeitplan geändert“, freute er sich. Neubauer konnte all dem nur zustimmen und fügte hinzu: „Viele potentielle Verzögerungen bei derartigen Projekten lassen sich allein dadurch vermeiden, dass alle Beteiligten frühzeitig eine gemeinsame Planung in Angriff nehmen.“

Doch nicht nur die Planung, auch die Flexibilität und der Einsatz der Grabungsfirma waren ausschlaggebend für die Einhaltung des Zeitplanes. „Was für die Bauleute am wichtigsten war, haben wir auch zuerst abgearbeitet“, erklärte Mohnike. Dabei arbeitete ihr Team den gesamten Winter durch, was Mensch und Material vor besondere Herausforderungen stellte.

Wenngleich die Arbeiten des Grabungsteams kurz vor dem Abschluss stehen, die Arbeit der Archäologie ist noch nicht getan. „Die wissenschaftliche Arbeit beginnt erst, wenn wir hier weg sind“, erklärt Mohnike. Denn die Vielzahl der hochwertigen Funde aufzuarbeiten, ist noch einmal eine ganz eigene Herausforderung.

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

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Pressemitteilung Stadt Wiesbaden zu Bierstadt-Nord