Einweihung des kleinen „Römerparks“ bei Münzenberg-Gambach

Die Stadt Münzenberg lud gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern – der Archäologischen Denkmalpflege des Wetteraukreises und der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen – am Donnerstag, 08. Juni, zur Einweihung des kleinen „Römerparks“ bei Münzenberg-Gambach (Wetteraukreis) ein.

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14.06.2017 Aufgemauerter Grundriss des Hauptgebäudes
Aufgemauerter Grundriss des Hauptgebäudes der villa rustica bei Münzenberg-Gambach, Wetteraukreis

Ein Bodendenkmal wieder sichtbar gemacht

Landrat Joachim Arnold übergab im Beisein des Bürgermeisters Hans Jürgen Zeiß, des Landesarchäologen Dr. Udo Recker und des Kreisarchäologen Dr. Jörg Lindenthal im Rahmen einer Feierstunde am Nachmittag den freigelegten und wieder aufgemauerten Grundriss eines 24 x 18 Meter großen Steinbaues eines römischen Gutshofes, einer sogenannten villa rustica, bei Münzenberg-Gambach der Öffentlichkeit.

Auf 10.000 Quadratmetern wurden von 2015 bis 2017 bei Erschließungsarbeiten im Neubaugebiet „Brückfeld IV“ Reste eines römischen Gutshofes aus dem 2.–3. Jahrhundert n. Chr. aufgedeckt und dokumentiert. Nach Ausweis von Luftbildern besaß die gesamte Hofanlage eine flächige Ausdehnung von ursprünglich mindestens drei Hektar. Damit gehört sie zu den großen villae rusticae im obergermanischen Grenzgebiet. Nachweislich war die "Kornkammer" Wetterau mit einem dichten Netz von vergleichbaren landwirtschaftlichen Anlagen überzogen, um u.a. die Versorgung des römischen Militärs zu gewährleisten.

Auch Reste der ehemaligen steinernen Umfassungsmauer wurden im Laufe der Ausgrabungsarbeiten entdeckt. Ebenso gelang der Nachweis eines älteren, mit 33 x 30 Metern jedoch wesentlich größeren Vorgängergebäudes in Holzbauweise mit Innenhof und Wasserbecken. Auch im Inneren des jüngeren Steingebäudes fanden sich Reste eines derartigen Wasserbeckens – Belege dafür, dass sich die Erbauer des Gutshofes von mediterranen Vorbildern inspirieren ließen und sich den Luxus eines Atriums leisten konnten.

Die Feierstunde wurde durch Uwe Müller und Haris Laspoulas vom Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg, die als römischer Senator und dessen Übersetzer auftraten, umrahmt. Für das leibliche Wohl im Anschluss sorgte die Gruppe „TABVLA RASA“, die den anwesenden Gästen Speisen und Getränke nach römischer Art anbot.

Zukünftig wird es möglich sein, den aufgemauerten Grundriss des Wohngebäudes in einer kleinen Grünanlage zu besichtigen. Zwei Informationstafeln geben zusätzlich Auskunft zur Ausgrabung und zur Bedeutung dieser Anlage.

Dr. B. Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE