Ein Römerbrunnen für die Römerhalle

Die Römerhalle in Kemel kann seit dieser Woche mit einem ganz besonderen Ausstellungsstück aufwarten. Gut geschützt unter einer gewaltigen Glasvitrine können interessierte Bürgerinnen und Bürger einen konservierten Römerbrunnen bestaunen. Keine kleine Replik, kein Model, keine Abbildung sondern der konservierte Brunnen, wie er im Jahr 2005 wenige Meter südwestlich des Kemeler Kastellvicus bei Ausgrabungen geborgen wurde.

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Bezirksarchäologe Dr. Kai Mückenberger hinter dem Römerbrunnen. Im Hintergrund Mitglieder der Cohors-I-Treverorvm.
Bezirksarchäologe Dr. Kai Mückenberger: „Kemel ist ein echter Gewinn beim Thema Welterbevermittlung.“

Ergänzt wurde der Brunnen nur um einige Bauteile, die sich optisch sichtbar von den alten Balken abheben, um dem Besucher einen möglichst authentischen Blick zu ermöglichen. Auf blauem Stoff drapierte Einzelstücke bezeugen, was sich zwischen den Balken noch an Funden auftat. Der Brunnen selbst war einst Teil des Lagerdorfes (vicus), welches dem Kemeler Kastell vorgelagert als Wohn- und Arbeitsort für Handwerker, Händler und Familienangehörige der Grenzsoldaten diente. Das Kastell selbst zählte zu einem der vielen Grenzbollwerke, die einst Teil des Obergermanisch-Raetische Limes waren und damit heute Teil des größten Bodendenkmals in ganz Europa.

„Für den Heimatverein stand fest, dieser einmalige Fund musste für Kemel erhalten werden“, erinnerte sich Jürgen Witzel vom Heimatverein an die Bergung des in Blockbauweise konstruierte Brunnenkasten. Er dankte der hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege Hessen, in dessen Archäologischer Restaurierungswerkstatt unter anderem der Brunnen in weiten Teilen konserviert und für Ausstellungszwecke erhalten werden konnte, und allen Beteiligten. Vor allem dankte er ihnen für ihre Geduld, denn es sollte ganze vierzehn Jahre dauern, ehe der Brunnen über einen Dauerleihvertrag an die Gemeinde übergeben und ausgestellt werden konnte.

Ein Gewinn für die Welterbevermittlung

„Manche haben ja gar nicht mehr daran geglaubt, dass die Bretter überhaupt existieren“, konnte ihm Heinz Juhnke, Kreislimesbeauftragter und in Vertretung des Landrates Frank Kilian angereist, nur zustimmen. Umso erfreulicher sei es, dass die Bemühungen aller Beteiligten nun nach vierzehn Jahren endlich Früchte tragen. „Wenn man etwas bewegt, kommt auch der Erfolg, heute reden die Leute über das Welterbe“, erläuterte Juhnke zufrieden und fügte an: „Heute haben wir es in der guten Stub‘ stehen.“ „Kemel ist ein echter Gewinn beim Thema Welterbevermittlung“, konnte ihm der zuständige Bezirksarchäologe Dr. Kai Mückenberger nur zustimmen.

Wieder mitten im Leben

Für die Archäologie seien die vierzehn Jahre kaum eine lange Zeit, scherzte Landesarchäologe Dr. Udo Recker: „Archäologen denken in anderen Zeiträumen.“ Dendrochronologische Untersuchungen erwiesen für den Brunnen immerhin ein stolzes Alter von etwa 1.800 Jahren. Dass die Maßnahme schlussendlich ein voller Erfolg wurde, erfreute auch Recker sichtlich. „Das ist toll, wenn so viele an einem Strang ziehen“, merkte er zufrieden an. Es sei daher auch vollkommen folgerichtig, dass der Brunnen heute wieder in Kemel stehen würde: „Hier wo’s gefunden ist, da gehört es auch hin.“ Eine Feststellung, die auch Bürgermeister Volker Diefenbach teilte. „Er hat jetzt lange genug in der Erde gelegen, jetzt ist er wieder mitten im Leben.“

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen