Dr. Klaus Sippel im Ruhestand

Neben seiner allgemeinen bodendenkmalpflegerischen Tätigkeit zeichnet er wie kein zweiter für die Entdeckung und Inventarisation von Fundstellen in Nordhessen und deren Vermittlung an die interessierte Öffentlichkeit verantwortlich. Sein besonderes Augenmerk war dabei auf die Erforschung von Relikten aus dem Bereich der Wirtschaftsarchäologie des Mittelalters und der Neuzeit gerichtet.

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Dr. Klaus Sippel bei seiner Abschiedstour vor einer Schautafel bei der Wüstung "Hamundiseiche".
Dr. Klaus Sippel bei seiner Abschiedstour mit den Marburger Kollegen/innen vor einer Schautafel bei der Wüstung "Hamundiseiche".

Werdegang

Klaus Sippel wurde 1953 in Bad Hersfeld geboren und wuchs in Hohenroda-Ausbach im Altkreis Hersfeld auf. Ab 1971 absolvierte er ein Studium der Geschichte und Romanistik in Marburg und Freiburg im Breisgau, welches er mit dem 1. Staatsexamen im Jahr 1977 abschloss. Schon als Schüler interessierte er sich für die Vor- und Frühgeschichte seiner Heimat und nahm bereits damals die Gelegenheit wahr, an Ausgrabungen der Marburger Dienststelle (damals „Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abt. Vor- und Frühgeschichte, Außenstelle Marburg) vor Ort teilzunehmen. Solcherart einmal mit dem „Archäologie-Virus“ infiziert, setzte er dieses Engagement während des Lehramtsstudiums fort.

Diese Erfahrungen ließen in Klaus Sippel bereits 1978 den Entschluss reifen, das Studium der Vor- und Frühgeschichte am Vorgeschichtlichen Seminar in Marburg zu beginnen. Zielstrebig schloss er dasselbe schon 1984 mit seiner Dissertation über die „frühmittelalterlichen Grabfunde in Nordhessen“ bei Prof. Helmut Roth ab. In die Zeit seines Studiums fielen auch im Jahr 1979 die Ausgrabungen in der Kirche von Niedenstein-Kirchberg, die er zusammen mit Holger Göldner leitete. Die hierbei unverhofft entdeckte spätmerowingische Grabgruppe wurde dann folgerichtig Teil seiner genannten Dissertation.

Tätigkeit als Bezirksarchäologe

Nach der Promotion erarbeitete er von 1985 bis 1996 im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Abt. Vor- und Frühgeschichte umfassende Inventare der archäologischen Fundstellen und Funde in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner-Kreis und Landkreis und Stadt Kassel. In dieser Zeit übernahm er auch regelmäßig Lehraufträge am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Gesamthochschule Kassel über Themen der Mittelalterarchäologie.

Als weiteren archäologischen Höhepunkt seiner Forschungen zur Merowingerzeit leitete er die Ausgrabungen des frühmittelalterlichen Bestattungsplatzes in Eschwege-Niederhone. Bei Bauarbeiten auf einem Privatgrundstück wurde im Jahr 1985 ein merowingisches Kammergrab des frühen 7. Jahrhunderts aufgedeckt, von dessen einst überaus prunkvoller Ausstattung im Wesentlichen nur noch das u.a. mit Pressblechen reich verzierte Pferdegeschirr zeugte. 

Seit 1997 begann Klaus Sippel zunächst vertretungsweise seine Tätigkeit als Bezirksarchäologe am Landesamt für Denkmalpflege mit Zuständigkeit für Nordhessen, welche 2002 in seiner Festanstellung und spätere Übernahme in den Beamtenstatus mit Dienstort Marburg mündete. Fortan konnte er von den umfangreichen Kenntnissen zehren, die er im Zuge der vorausgehenden Inventarisation der Geländedenkmäler gewonnen hatte.

Während der folgenden Dienstjahre beschäftigte er sich zunehmend mit der Wirtschaftsarchäologie des Mittelalters und der Neuzeit, beginnend mit umfangreichen Geländeprospektionen von frühneuzeitlichen Glashütten im Kaufunger Wald, vor der Tür seines gewählten Wohnortes Lohfelden bei Kassel. Inzwischen hat er in dem weitläufigen Gebiet mit ebenfalls begeisterten Helfern gut 128 Glashütten des Mittelalters und der frühen Neuzeit (13. – 16. Jh.) entdeckt. Im nordhessischen Reinhardswald und dem Oberwesertal setzte Klaus Sippel die Glashüttenprospektion fort, so dass diese Region inzwischen diejenige mit der höchsten Dichte an nachgewiesenen Glasproduktionstätten bundesweit und sogar europaweit ist. Hinzu kamen seit den 1980er Jahren auch die Aufnahme von zahlreichen Bergbaurevieren und Verhüttungsplätzen, meist aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit in Ost- und Nordhessen. Dazu erschien ein überblicksartiger Beitrag im Jahr 2005 in der Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters (ZAM).

Klaus Sippel interessierte sich auch immer wieder für eher randliche Themen der archäologischen Forschung. So zählten schon seit den frühen 1990er Jahren auch Relikte des 2. Weltkrieges wie FLAK-Stellungen rings um Kassel zu den kartierten Objekten. Bei seinen langjährigen Geländebegehungen gelang es ihm u.a. auch, mit „Aschenbrennereien der Neuzeit“ eine bis dato in Fachkreisen noch gänzlich unbemerkte Denkmalgattung in situ zu erfassen. In diesem Kontext gehört noch die Lokalisierung eines Vogelherdes (Vogelfanganlage) im Gelände zu seinen Desideraten.

Aus der intensiven Inventarisationsarbeit resultierte sein enger Kontakt zu zahlreichen hessischen Förstern. Dies führte ihn dazu, während seiner Marburger Dienstzeit alljährlich regelmäßig stattfindende Fortbildungslehrgängen für Förster und Forstwirte der hessischen Forstverwaltung zum Thema: „Bodendenkmäler im Wald“ zu veranstalten oder zu organisieren. Die im Jahr 2005 gemeinsam mit Forstdirektor Ulrich Stiehl verfasste und von Hessen Forst herausgegebene Schrift „Archäologie im Wald“ wurde begeistert aufgenommen und auch die zweite Auflage ist inzwischen vergriffen. Die eigentlich für Förster gedachte und gemachte Handreichung gilt auch Fachkreisen als vorbildliches Kompendium für die ganze Vielfalt von Bodendenkmälern unter Wald.

Klaus Sippel kann aber auch auf eine umfangreiche publizistische Tätigkeit zurückblicken, die sich beginnend mit Themen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, über archäologische Fundstellen aus allen Zeitepochen und aus allen Landkreisen Nordhessens erstreckt. Nicht zu vergessen sind auch seine vielfältigen Vortragstätigkeiten und die alljährlich durchgeführten zahlreichen Exkursionen, die er für örtliche und überregionale Vereine zu ausgewählten archäologischen Fundstätten veranstaltete. Diese waren auch immer Bestandteil seiner intensiven Betreuung von ehrenamtlichen Helfern, die ihn als profunden Kenner seines Fachs kennen und schätzen gelernt haben. Über die Grenzen Hessens hinaus pflegte er den guten Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen in den benachbarten Bundesländern Niedersachsen und Thüringen.

Während seiner Arbeit als Bezirksarchäologe verzichtete er bewusst auf denkmalpflegerisch nicht notwendige Grabungen und konzentrierte sich auf die intensive Betreuung von baubedingt unausweichlichen Untersuchungen. Dabei war für Klaus Sippel der enge Kontakt zu dem für Nordhessen zuständigen Hessischen Landesmuseum/Museumslandschaft Hessen in Kassel selbstverständlich und unerlässlich. 

Abschied der besonderen Art

Auf einer denkwürdigen Fahrt zu ausgewählten Denkmälern im östlichen Seulingswald hat sich Klaus Sippel am 26.10.2018 vom Marburger Kollegenkreis auf seine ihm eigene Art – im Gelände und nicht am Schreibtisch – verabschiedet. Wir schätzen ihn als hilfsbereiten, kollegialen und nach wie vor flammend begeisterten Archäologen, der sein umfangreiches Wissen und seine vorzüglichen Geländekenntnisse gerne mit allen daran Interessierten teilt. Auch für die Zeit des „dritten Lebensabschnitts“ wird er der Archäologie Nordhessens verbunden bleiben und vieles publizieren, was in der arbeitsreichen Dienstzeit dann doch liegen geblieben ist…

Wir wünschen ihm und seiner Frau noch viele gesunde Jahre im Un-Ruhestand und weiterhin unverminderte Freude bei der Entdeckung neuer archäologischer Objekte in seiner nordhessischen Heimat.

Dr. Chr. Meiborg, Dr. A. Thiedmann und Dr. E. Saal, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE