Dietwulf Baatz – verdienter Limesforscher feiert seinen 90. Geburtstag

Am 20. Januar 2018 feierte Prof. Dr. Dietwulf Baatz, der ehemalige Direktor des Saalburgmuseums und einer der profiliertesten deutschen Limesforscher, seinen 90. Geburtstag. Das Direktorat auf der Saalburg hatte der Jubilar von 1966 bis 1993 inne und prägte in dieser Zeit maßgeblich die provinzialrömische Archäologie und speziell die Erforschung des Limes in Hessen.

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Prof. Dr. Dietwulf Baatz bei der Verabschiedung von Holger Göldner im Jahr 2015.
Prof. Dr. Dietwulf Baatz bei der Verabschiedung von Holger Göldner im Jahr 2015.

Sein wissenschaftliches Lebenswerk an dieser Stelle zu würdigen würde den hier gegebenen Rahmen bei Weitem sprengen. Ein Gesamtüberblick über sein Schaffen wurde bereits im Rahmen seines Ausscheidens aus der Tätigkeit als Saalburgdirektor gegeben. Daher soll der Blick aus südhessischer Sicht auf das Wirken von Dietwulf Baatz in den Vordergrund gestellt werden.

Während seiner Tätigkeit auf der Saalburg widmete sich Baatz intensiv der Erforschung des Odenwaldlimes, der von circa 100 bis 160 n. Chr. existierenden ältere römischen Grenzlinie. Dabei galt sein Augenmerk zum einen den Wachttürmen, deren Bestand sich an dieser Linie durch eine besondere Erhaltung und auch durch eine besonders aufwändige bauliche Ausstattung auszeichnet. Baatz konnte auf dieser Grundlage Rekonstruktionsvorschläge zum Aussehen sowohl der Holz- als auch der Steintürme erarbeiten, die noch heute die Grundlage für unser Bild von der Grenze sind. Dabei demonstrierte er eindrücklich, welche grundlegenden Ergebnisse aus der erneuten Beschäftigung mit Altgrabungen gewonnen werden können. Der andere Schwerpunkt seiner Forschungen am Odenwaldlimes war ein systematisches Grabungsprojekt betreffs verschiedener Kastelle der Grenzlinie, das er mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1964–1966 vor Ort durchführte. Ziele dieser Untersuchungen waren neben der Klärung chronologischer Fragestellungen Erkenntnisgewinne bezüglich des ursprünglichen Aussehens der Lager, wozu er Grabungen in den Kastellen Michelstadt-Würzberg und Oberzehnt-Hesselbach (beide Odenwaldkreis) vornahm. Gerade die Forschungen im letztgenannten Kastell, in dem Baatz sehr umfangreiche Ausgrabungen leitete, erlangten überregionale Bedeutung, da sie die einzigen großflächigen Untersuchungen in einem Militärlager vom Typ „Numeruskastell“ (Ausdehnung zwischen 0,6 und 1 ha) darstellen. Seine Ergebnisse zur Innenbebauung umfassen Erkenntnisse zur Stärke und zur Struktur dieser Truppengattung, die eine wichtige Grundlage zum Verständnis dieser an verschiedenen Grenzabschnitten des Römischen Reiches stationierten Einheiten bildet. Baatz fasste die Erkenntnisse seiner Forschungen zum Odenwaldlimes monografisch zusammen und behandelte in verschiedenen Abhandlungen unterschiedliche, noch heute wichtige Einzelaspekte der Limesforschung.

Wir wünschen Dietwulf Baatz zu seinem 90. Geburtstag alles Gute, vor allem Gesundheit, und dass er sich seine wissenschaftliche Neugierde, die ihn neben seinem umfangreichen Wissen als einen sehr geschätzten Kollegen auszeichnet, noch lange bewahren möge.

Th. Becker M.A., Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE, Außenstelle Darmstadt