Der Keltenfund aus Bad Schwalbach kehrt zurück

Das Apothekenmuseum in Bad Schwalbach/Ts. ist seit wenigen Tagen um eine Attraktion reicher: Ein neuer, mit hochmoderner Ausstellungstechnik ausgestatteter Bereich zeigt die archäologischen Funde aus einem eisenzeitlichen Hügelgrab. Es war 2017 bei der Erschließung des neuen Gewerbegebietes "Ober der Hardt“ entdeckt worden.

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Bad Schwalbach
Bad Schwalbach

Der Fundkomplex ist einer der wenigen modern ausgegrabenen im Rheingau-Taunus-Kreis und überrascht mit zahlreichen Details, die den Objekten vor allem während der Bearbeitung in der archäologischen Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE entlockt wurden.

Entdeckung

Im Vorfeld zu den Erschließungsarbeiten eines neuen Gewerbegebiets, das die Stadt Bad Schwalbach im Jahr 2016 an der Bäderstraße (B262) plante, war im Oberflächenrelief des Areals die Kontur eines Hügelgrabes entdeckt worden, die es vor Beginn der Baumaßnahmen zu untersuchen galt. Bei einer Sondage-Grabung im Frühjahr 2017 bestätigte sich schließlich der Verdacht auf eine eisenzeitliche Grabanlage, die noch vor dem Start der Bauarbeiten ausgegraben und dokumeniert werden konnte. 

Ausgrabung

Unter den stark erodierten Überresten des ehemaligen Grabhügels fanden die Ausgräber in rund 1,2 Metern Tiefe eine 2 x 2 Meter große Grabkammer, die 0,4 Meter in den anstehen Fels eingetieft worden war. Im Sohlenbereich der Kammer stieß man auf einen als Graburne verwendeten Kupferkessel und ein Gefäß aus Keramik. Beide Objekte wurden zusammen mit dem sie umgebenden Erdreich im Block geborgen. Die weitere Konservierung erfolgte in der Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE in Wiesbaden.

Restaurierung

Bei der Freilegung und Restaurierung des kupfernen Kessels wurden viele bemerkenswerte und überraschende Details entdeckt, wie dies nur unter Laborbedingungen gelingt. Neben einigen stark fragmentierten Trachtbestandteilen wie einem eisernen Gürtelhaken und zwei Gewandschließen (Fibeln) sind es vor allem die organischen Überreste im Kesselinneren, die als Besonderheit der Bad Schwalbacher Bestattung hervorzuheben sind. So ließen sich neben dem Leichenbrand auch zahlreiche Textilreste konservieren, die nun für die weitere Analyse zur Verfügung stehen. Insgesamt stellt das Fundensemble derzeit eines der wenigen modern und vollständig ausgegrabenen in der gesamten Region dar.

Präsentation

Aus Bad Schwalbach kam bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Wunsch nach einer Ausstellung der Objekte vor Ort. Dem Engagement der Stadt Bad Schwalbach sowie der Leitung des örtlichen Apothekenmuseums ist es zu verdanken, dass der vor den Toren der Stadt geborgene Fundkomplex nun auch vor Ort einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Thematisiert wird dabei die ganze Geschichte des Fundes – von seiner Entdeckung über die Konservierung bis hin zur Ausstellung: Das Projekt liefert unter dem Motto „Aus der Region – für die Region“ ein gutes Beispiel dafür, wie ein Stück der lokalen Vorgeschichte durch die Rückführung von archäologischen Kulturgütern in ihr Herkunftsgebiet für Bürgerinnen und Bürger erlebbar gemacht werden kann.

Dr. K. Mückenberger, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIERückkehr