Das Steinkistengrab aus Oberzeuzheim

In einer logistisch aufwändigen Aktion wurden Anfang November 24 tonnenschwere Basaltplatten aus Hachenburg in Rheinland-Pfalz nach Hessen in das Archäologische Zentraldepot in Wiesbaden transportiert.

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Zurück in Hessen lagern die 24 Basaltplatten nun im Archäologischen Zentraldepot in Wiesbaden.
Zurück in Hessen lagern die 24 Basaltplatten nun im Archäologischen Zentraldepot in Wiesbaden.

Vorgeschichte

Im Herbst 1985 wurden bei Hadamar-Oberzeuzheim im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg in der Flur „Beim grauen Stein“ bei landwirtschaftlichen Arbeiten große Steinplatten entdeckt. Sofort stellte sich die Frage, ob hier nicht die sekundär verlagerten Reste eines vorgeschichtlichen Steinkistengrabes vorlägen. Bei einer im Frühjahr 1986 durchgeführten archäologischen Untersuchung durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen fanden sich auf einer 240 qm großen Fläche verteilt Steinplatten aus ortsfremdem Basalt von einer Größe zwischen 1,00 m und 2,50 m Länge. Die Mehrzahl der Platten wies eine Länge um 1,80 m auf. Aussagen zur ursprünglichen Form und zur Größe dieses Grabes waren zwar wegen der sekundären Verlagerung nicht mehr möglich, doch es bestätigte sich die Vermutung, hier auf ein – wenn auch zerstörtes – weiteres Steinkistengrab im Limburger Becken gestoßen zu sein.

Derartige Anlagen sind in Mitteleuropa in der Jungsteinzeit (Neolithikum) zwischen 3.500 und 2.800 v.Chr., während der sog. Wartberg-Kultur weit verbreitet. Die Steinkistengräber bestehen aus großen, plattenförmigen Kalk- oder Sandsteinen, die in die Erde eingelassen wurden. Ein Bodenpflaster und Decksteine schließen die Kammer nach unten und nach oben ab. Hohlräume zwischen den Steinblöcken wurden mit Trockenmauerwerk verschlossen. In diesen Kammern wurden die Verstorbenen einer Familien oder Siedlungsgemeinschaft bestattet, wobei die Toten sowohl neben- als auch hintereinander niedergelegt wurden – nicht selten auch übereinander.

Bis auf einen einzelnen Stein, der vor Ort verblieb, wurden die übrigen Basaltplatten 1986 durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen dem Landschaftsmuseum Westerwald für die Rekonstruktion eines Grabes im Hachenburger Burggarten überlassen. Der Westerwaldkreis als Museumsträger hatte zuvor seine Zustimmung zum Aufbau der Steinkiste gegeben. Bis Anfang November stand die aus den Originalsteinen nachgebaute, etwa neun Meter lange Steinkiste von Oberzeuzheim dann im Burggarten neben dem Landschaftsmuseum Westerwald.

Zurück nach Hessen

Im Rahmen einer Umplanung des Hachenburger Landschaftsparks musste das rekonstruierte Steinkistengrab nun seinen bisherigen Aufstellort verlassen. Und so fanden die Steine ihren Weg zurück nach Hessen – genauer gesagt in das Archäologische Funddepot in der Landeshauptstadt Wiesbaden.

In einer logistisch aufwändigen, mehrtägigen Aktion sind die 24 großen Basaltplatten mit einem Gewicht bis zu fünf Tonnen wieder zurück transportiert worden. Inzwischen lagern sie wohlbehalten – und in bester Gesellschaft von Abertausenden archäologischer Funde – im Zentraldepot der hessenARCHÄOLOGIE.

Danke an alle, die an dieser Aktion und deren reibungslosem Ablauf beteiligt waren! 

Dr. Beate Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
12.11.2020