Beitrag der Archäologie zur Erforschung der NS-Zeit in einem Rheingauer Zisterzienserkloster

Im Rahmen einer neuen Aufarbeitung der Geschichte des Klosters Eberbach (Eltville-Hattenheim, Rheingau-Taunus-Kreis) in der NS-Zeit, herausgegeben durch die Stiftung Kloster Eberbach, konnte auch ein Blick auf archäologische Relikte dieser Zeit aus dem weiteren Umfeld des Klosters geworfen werden.

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Basilika des Klosters Eberbach
Basilika im Kloster Eberbach

Neuerscheinung zum Kloster Eberbach im Nationalsozialismus - mit einer Zusammenstellung zur Archäologie des 2. Weltkrieges

Bodendenkmalpflege beschäftigt sich nicht nur mit Hinterlassenschaften aus prähistorischer Zeit, der römischen Epoche oder dem Mittelalter. Auch das 20. Jahrhundert weist Relikte vor, die als Bodendenkmäler und damit Quellen der Geschichte zu schützen sind. Dazu gehören auch solche aus der Zeit des Nationalsozialismus‘ und des 2. Weltkrieges.

Im Rahmen einer im September 2019 erschienenen Aufarbeitung der Geschichte des Klosters Eberbach in der Zeit des „3. Reiches“ hat eine kleine Arbeitsgruppe der hessenARCHÄOLOGIE (Th. Becker, B. Steinbring, K. Mückenberger) einen Blick auf Relikte dieser Zeit aus dem weiteren Umfeld des Klosters geworfen und diese aus archäologischer Sicht bewertet. Durch die Anwendung moderner Prospektionsmethoden und Begehungen lassen sich im Arbeitsgebiet alle drei Denkmalkategorien, die für einen Schutz nach den Vorgaben des Denkmalschutzgesetzes infrage kommen, nachweisen: Der Bunkerbau der Vorkriegszeit und der frühen Kriegsjahre, Spuren des Luftkrieges (Absturzstellen von Kampfflugzeugen, Reste von Stellungen der Luftabwehr) sowie Relikte des Stellungsbaus aus den letzten Kriegsmonaten als Zeugnisse der Rückzugskämpfe von Wehrmacht- und SS-Einheiten mit den vorrückenden Amerikanern. Abgerundet wird die Zusammenstellung durch die Betrachtung der ehemaligen Lager des Reichs-Arbeitsdienstes (RAD) im Taunus und den Resten eines Lagers der Hitlerjugend im direkten Umfeld des Klosters Eberbach, das bislang nur durch Fotos bekannt war.

Als Fazit der Betrachtung dieses Kleinraumes in der Zeit des Nationalsozialismus‘ ergibt sich eine durchaus dichte Denkmälerverteilung, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf das restliche Hessen übertragen lässt. Dabei zeigt sich aber auch, dass die Erhebung der genannten Denkmälerkategorien für den Betrachtungsraum längst nicht abgeschlossen ist. In vielen Fällen ist anzunehmen, dass der Hintergrund von Bodenspuren, die auf archäologischem Wege nachgewiesen wurden, durch die Befragung lokaler Zeitzeugen oder Archivrecherchen wohl nicht mehr geklärt werden kann. Umso wichtiger wird die Untersuchung und Dokumentation dieser Relikte mit den Methoden der Archäologie. Die bisherigen Ergebnisse zeigen bereits das Potenzial auf, das in der Erforschung des „Bodenarchivs“ auch für die Zeit des Nationalsozialismus im Rheingau und im Taunus und darüber hinaus liegt.

Dr. Thomas Becker, Dr. Bernd Steinbring, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE