Befahrung des Breitscheid-Erdbacher Höhlensystems

Am 28. Juni 2017 fand unter Leitung der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. (SAH) eine Höhlenführung der Paläontologischen Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH) statt - begleitet durch ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks.

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Das Paläontologische Bodendenkmal „Bärengang“ innerhalb des „Adventhöhlensystems“ des Breitscheid-Erdbacher Höhlensystems.
Das Paläontologische Bodendenkmal „Bärengang“ innerhalb des „Adventhöhlensystems“ des Breitscheid-Erdbacher Höhlensystems.

Es war die erste gemeinsame Höhlenbefahrung des 1. Vorsitzenden der SAH, Ingo Dorsten, mit dem Leiter der Paläontologischen Denkmalpflege der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE, Dr. Jan Bohatý.

Ziel war ein als Paläontologisches Bodendenkmal ausgewiesener Bereich - der „Bärengang“ - des sogenannten Adventhöhlensystems innerhalb des Breitscheid-Erdbacher Höhlensystems (Lahn-Dill-Kreis). In diesem Abschnitt haben sich Ansammlungen von Höhlenbärenknochen aus der mittleren Würmeiszeit erhalten. Die jungpleistozänen Fossilien haben ein Alter von etwa 30.000 Jahren. Sie liegen als Oberflächen-Grabgemeinschaft auf einem ungestörten und daher höchstsensiblen Paläoboden der Höhle, in die sich die Bären einst zum Winterschlaf zurückgezogen hatten und deren Felswände sie im Laufe der Zeit mit ihrem Fell glattpolierten. Das im Deckhaar der Höhlenbären durch Wälzen enthaltene Sediment wirkte ähnlich wie Schleifpapier. Bei ihrem Gang durch die Höhle streiften die Bären im Vorbeigehen mit dem Fell am Gestein vorbei, welches dadurch allmählich angeschliffen wurde. Dieses Phänomen wird als  „Bärenschliff“ bezeichnet.

Durch die in Kooperation zwischen SAH und LfDH geplanten Projekte sollen substantieller Schutz, in situ-Erhaltung sowie die weitere geowissenschaftliche Erforschung der Fossillagerstätte gesichert werden.

Das Fernsehteam des Hessischen Rundfunks begleitete diesen Termin mit der Kamera und nahm so den Zuschauer mit auf diese besondere Reise in die eiszeitliche Unterwelt.

Das Breitscheider Höhlensystem

Das Breitscheider Höhlensystem entstand innerhalb devonischen Kalkgesteins, welches in einem Tagebau zwischen Breitscheid und dem Ortsteil Erdbach abgebaut wird. Im Jahre 1993 wurde der inzwischen denkmalgeschützte Höhlenbereich durch Mitglieder der SAH entdeckt. Durch erfolgreiche Verhandlungen zwischen Gemeinde, Steinbruchbetreiber, SAH, LfDH und Naturschutz gelang es 1998 einen Kompromiss zu erzielen. Damit wurde die Ausgrenzung der höhlenführenden Areale aus den Erweiterungsflächen des Steinbruchbetriebes erreicht. Naturschutzrechtlich erfolgte 1999 die Ausweisung des Höhlenkomplexes als Naturdenkmal (Geotop). Zusätzlich wurde der „Bärengang“ innerhalb des Adventhöhlensystems als Paläontologisches Bodendenkmal ausgewiesen. Die gemeinschaftlichen Bemühungen um Schutz und Erhalt des Höhlenkomplexes wurden 2004 mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis gewürdigt.

Dr. J. Bohatý, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE